15. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Unterwachen

INSPIRATION: Da ist was dran: Eine Führungskraft hat gar nicht genug Kapazität, um alle Aufgaben der eigenen Mitarbeiter zu überwachen. Es bleibt genug Spielraum, um jede Menge Entscheidungen vor Ort zu treffen. Und Mitarbeiter können geschickt dazu beitragen, diesen zu erweitern. Eine Alternative zur Forderung nach Hierarchie-Freiheit?

Heute wird immer stärker gefordert, dass Entscheidungen in die Ebene delegiert werden sollten, wo sie hingehören – also an die Mitarbeiter, die vor Ort die notwendigen Informationen haben. In der klassischen Hierarchie trägt aber die Führungskraft die Verantwortung für alles, was in ihrem Bereich geschieht. Was allerdings auch hier nicht dazu führt, dass sie auch jede Entscheidung selbst trifft. Die Tatsache, dass die Aufmerksamkeitskapazität einer Führungskraft begrenzt ist, und die Zahl der Aufgaben, die sie eigentlich überwachen sollte, je höher jemand in der Hierarchie angesiedelt ist, zunimmt, nutzen Mitarbeiter schon immer (Führung von unten geht immer).


Anzeige:

Veränderungen gemeinsam bewusst zu gestalten und das komplexe Zusammenwirken aller Beteiligten wirksam zu verzahnen, damit sie ein Unternehmen voranbringen - dabei begleitet Gabriele Braemer mit clear entrance® seit über 20 Jahren Organisationen rund um den Globus. Mit strategischem Know how, methodischer Vielfalt und einem echten Interesse für Ihr Anliegen. Zur Webseite...


Man stelle sich nur vor, die Mitarbeiter würden tatsächlich mit jeder Entscheidung zu ihrem Chef kommen. Er wäre schnell an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Das verleiht ihnen eine Macht, die sie geschickt nutzen können – und in der Regel auch nutzen. Sie können nämlich die Aufmerksamkeit ihres Vorgesetzten auf einzelne Themen lenken oder auch nicht. Und diese sind sogar dankbar, wenn sie nicht mit jedem Problem konfrontiert werden. Luhmann liefert in einem Text aus den 60er-Jahren eine Anleitung für diese Führung von unten (Unterwachung oder Die Kunst, Vorgesetzte zu lenken).

Die Kunst, Vorgesetzte zu lenken

Zuerst sollten sich Mitarbeiter überlegen, welche Probleme besser gar nicht beim Vorgesetzten landen sollten. Weil es z.B. der eigenen Karriere dient, wenn man sich selbst darum kümmert, oder dem Wohl der Abteilung oder weil es schneller geht und die Arbeit erleichtert. Dann sollte man sich mit Kollegen abstimmen. Diese könnten in dem Moment, wo der Chef droht, das Problem zu erkennen, ihn mit anderen Themen beschäftigen. Wenn der Vorgesetzte nun gar nicht rausgehalten werden kann, dann sollten ihm Entscheidungsoptionen angeboten werden. Wie man diese aufbereitet, hat der Mitarbeiter meist in der Hand.

Er kann z.B. eine Alternative so ungünstig darstellen, dass nur diejenige in Frage kommt, die er gerne hätte. Er kann sein spezielles Fachwissen herausstellen, etwa auf einem Gebiet, wo sich die Führungskraft weniger auskennt. Oder er kann Informationen so aufbereiten, dass die Entscheidung …

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

Alle Beiträge ansehen von Johannes Thönneßen →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert