23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Verletzlichkeit zeigen

Alle möglichen Experten erklären uns immer wieder, welche Fähigkeiten die Führungskraft der Zukunft beherrschen sollte. Warum nicht dann auch ein Philosoph? Ein Auszug aus dem Buch des Norwegers Anders Indset (Wildes Wissen) stimmt nachdenklich, auch wenn das alles nicht wirklich neu ist (Die Top 3 der New Leadership Skills).

Er sieht drei wesentliche Tugenden, hier „zentrale Leadership Skills“ genannt, als Erfolgsfaktoren für „alle Mitarbeitenden in der neuen Arbeitswelt“, und ich gebe zu: Ich hätte mir die Lektüre erspart, wenn nicht dieser Satz ganz am Anfang gestanden hätte. Denn ich sehe es genau so: Was soll diese Unterscheidung in Führungskräfte und dem Rest der arbeitenden Bevölkerung, wenn überall die Position von Führungskräften in Frage gestellt wird? Hier die drei Tugenden:


Anzeige:

Veränderungen gemeinsam bewusst zu gestalten und das komplexe Zusammenwirken aller Beteiligten wirksam zu verzahnen, damit sie ein Unternehmen voranbringen - dabei begleitet Gabriele Braemer mit clear entrance® seit über 20 Jahren Organisationen rund um den Globus. Mit strategischem Know how, methodischer Vielfalt und einem echten Interesse für Ihr Anliegen. Zur Webseite...


  1. Empathie: Dazu muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren, diese Forderung ist fast schon banal. Wobei Empathie aber alles andere als leicht zu trainieren ist. Es geht darum, das nachempfinden zu können, was andere fühlen. Was nicht zu verwechseln ist mit Sympathie. Letztere bedeutet Übereinstimmung, ich fühle mich dem anderen verbunden, weil ich denke und fühle wie er. Bei Empathie kann ich mich in den anderen hineinversetzen, mich „einfühlen“, ohne dass ich, bezogen auf den Anlass, das selbst genauso empfinde. Der Philosoph allerdings erklärt, dass es auch noch so etwas wie „Compassion“ gibt, übersetzt als Mitgefühl, das über Empathie hinausgeht.
    Ich stelle mir den Unterschied so vor: Jemand schneidet sich heftig in den Finger. Ich sehe das und erinnere mich, wie ich mich mal geschnitten habe und dass ich dabei heftige Schmerzen erlebt habe. Das wäre Empathie. Wenn ich aber beim Anblick der Verletzung selbst wieder die gleichen Schmerzen empfinde, dann hätte ich die Fähigkeit zur „Compassion“.  Kommt das ungefähr hin?
    Ich gestehe, dass es mir schon reichen würde mir vorstellen zu können, dass sich der andere ärgert, Schmerzen hat, etwas bedauert, sich schämt, es wirklich zu spüren, wäre mir schon zu viel.
  2. Selbsterkenntnis: Auch nicht besonders innovativ: Nur wer sich selbst, seine Stärken, seine Schwächen, seine Empfindlichkeiten und Vorlieben, seine Bedürfnisse, aber auch seine dunklen Seiten kennt, der kann mit den Reaktionen anderer angemessen umgehen, auf Feedback eingehen, mit Kritik umgehen und sich stetig weiter entwickeln. So jemand wird auch stets bodenständig, demütig im Erfolg bleiben und mit Misserfolgen und Fehlern (auch denen der anderen) gelassen umgehen.
    Nur, so der Philosoph, „hat kaum jemand Zeit, um sich selbst zu hinterfragen und die eigenen Mängel wie Stärken besser zu verstehen.“ Wir führen aufwändige Finanzprüfungen durch, aber nehmen uns keine Zeit für „Selbstauditierung“. Hier können andere Menschen helfen, die uns den Spiegel vorhalten – so wir dies denn wollen.
  3. Verletzlichkeit: Diese Tugend haben wenige „Experten“ auf dem Schirm, wobei sie sich z.B. in der Forderung nach Transparenz verbirgt. Anders als Heldentypen sollten Führungskräfte in der Lage sein, die eigene Verletzlichkeit zu zeigen. „Verwundbarkeit ist die Wiege von Kreativität und Innovation und öffnet Türen zu magischen Orten des Vertrauens und der Ehrlichkeit“. Klingt gut, aber jeder weiß, wie schwer es ist zuzugeben, dass man nicht alles unter Kontrolle hat, etwas nicht weiß oder von etwas keine Ahnung hat. Und wenn etwas schief gelaufen ist zuzugeben, dass man sich vertan, geirrt hat oder, noch schwerer, wissend ein zu hohes Risiko eingegangen ist. Aber wenn man „unter schwierigen Bedingungen ehrlich ist, obwohl es weh tut, dann wachsen starke, dauerhafte Beziehungen.“
    Und das, so der Philosoph, gilt nicht nur im Umgang mit den Mitarbeitern und Kollegen, sondern auch im Umgang mit Kunden. Mal abgesehen davon, dass Vertuschung heute viel schwieriger geworden ist, sollte man als Unternehmen darauf vertrauen, dass „der Kunde mit der Wahrheit umgehen kann“. Und schließlich, wenn das alles nicht überzeugt, gilt diese einfache Weisheit: Wer sich nicht auf Lügen und Vertuschungen einlässt, der muss sich auch nicht merken, welche Märchen er anderen aufgetischt hat, kann sich demnach auch nicht in Widersprüche verwickeln.

Wie gesagt: All das täte ja wohl uns allen gut und hat sicher nicht nur etwas mit dem Status als Führungskraft zu tun.

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert