22. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Weg vom Problem

PRAXIS: Wenn es im Team hakt, ist der erste Reflex, nach den Ursachen oder gar dem Schuldigen zu fragen. Was wiederum leicht als Anklage verstanden wird und zu Verteidigungs- und Rechtfertigungsreaktionen führt. Mit der strukturierten Teamcoaching-Methode „Reteaming“ wird der Fokus auf die Lösung gelegt. Eine Anleitung in 12 Schritten (Der Weg zum Dream Team):

  1. Das Team entwickelt ein attraktives Zukunftsbild. Das muss sich gar nicht unbedingt nur auf das Problem beziehen, sondern wird im Idealfall erweitert. Die Aufgabe lautet sinngemäß: „Lasst uns mal so tun, als hätten wir den erwünschten Zustand schon erreicht: Wie sähe das genau aus? Was ist dann anders als jetzt? Was machen die einzelnen Teammitglieder? Wie reagieren andere auf unser Team? Welche Fähigkeiten haben wir neu erworben? Wofür stehen wir als Team?“
    Die wichtigsten Punkte werden auf einem „Zukunftsbild“ festgehalten.
  2. Es werden Ziele formuliert. Hier lautet die Moderationsfrage: „Welche Ziele müssen wir erreichen, um dem Zukunftsbild näherzukommen“? Erfahrungsgemäß finden sich in der Beschreibung zunächst vor allem Probleme: „Wir sind nicht mehr…“ – „Keiner macht mehr…“ Diese werden umformuliert in konkrete Ziele: „Unsere Meetings dauern genau zwei Stunden!“ – „Wir erstellen bei jedem Treffen ein Ergebnisprotokoll, auf das alle unmittelbar nach dem Meeting zugreifen können.“
    Eine gute Methode, solche Ziele zu entwickeln, sind Murmelgruppen, in denen zwei bis drei Teilnehmer Ideen entwickeln. Die Ideen werden für alle sichtbar notiert und mit allen diskutiert.
  3. Es werden Unterstützer benannt, Menschen, die von dem Vorhaben erfahren sollen. Das Team legt fest, wer wen bis wann informiert.
  4. Es wird der Nutzen erarbeitet. Die Frage an alle lautet: „Welchen Nutzen habe ich persönlich davon, wenn wir die ersten Ziele erreichen?“ Also nicht „wenn wir das Zukunftsbild erreichen“, sondern die konkreten Ziele! Jeder notiert den persönlichen Nutzen auf eine Karte, diese werden aufgehängt und nicht weiter diskutiert.
  5. Es werden die bisherigen Fortschritte sichtbar gemacht. Kein Team startet bei Null, aber wo man steht, erlebt jedes Mitglied anders. Also überlegt jedes Mitglied z.B. auf einer Skala von 1 bis 10, wo sich das Team seiner Meinung nach auf dem Weg zum Zukunftsbild befindet. Dann werden die Werte diskutiert, was dazu führt, dass dem einen oder anderen bewusst wird, welche Dinge vielleicht schon viel besser funktionieren, als er selbst das bisher wahrgenommen hat.
  6. Es werden künftige Fortschritte beschrieben, die Fragen lauten: „Woran erkennen wir, dass wir unsere Ziele erreicht haben? Woran erkennt das unsere Nachbarabteilung? Woran unsere Unterstützer?“
    Das wird noch weiter konkretisiert: „Woran erkennen wir das in einem Monat? Welche Änderungen werden wir in einer Woche erkennen?“ Hieraus entwickelt sich ein konkreter Plan, was in den nächsten Wochen konkret umgesetzt wird.
  7. Es werden schwierige Herausforderungen benannt. Hier kommen wieder die Murmelgruppen zum Einsatz, die sich überlegen, welche Hindernisse und Schwierigkeiten wohl das Team daran hindern könnten, seine Ziele zu erreichen. Diese werden wieder visualisiert. Sie müssen gar nicht unbedingt sofort mit Gegenstrategien versehen werden, es genügt, sie auf dem Schirm zu haben, um schon ein wenig gewappnet zu sein.
  8. Es wird ein Ressourcen-Board erstellt. Die Moderationsfrage lautet: „Was gibt uns die Zuversicht, dass wir tatsächlich unsere Ziele erreichen werden?“ Unterstützende Fragen sind: „Wie haben wir Probleme in der Vergangenheit überwunden? Welche Fähigkeiten haben uns dabei geholfen? Was sagen andere über die Stärken unseres Teams?“
    Die gesammelten Ressourcen werden auf einem „Ressourcen-Board“ notiert, das neben dem „Schwierige Herausforderungen-Board“ platziert wird.
  9. Es werden Versprechen geleistet, das heißt, jedes Teammitglied überlegt sich, was es in den nächsten Tagen bis maximal zwei Wochen konkret beitragen wird, um den Fortschritt zu unterstützen. Auch diese Versprechen werden notiert.
    Hier endet der Team-Coaching-Workshop, aber noch nicht der Team-Coaching-Prozess.
  10. Fortschrittsmonitoring: Wichtig ist, die Fortschritte anschließend sichtbar zu machen. So können die tatsächlich eingelösten Versprechen auf einer Fortschrittswand aufgeführt werden, aber auch Fortschritte, die sich einstellen, ohne dass sie vorher konkret genannt wurden.
  11. Erste-Hilfe-Liste: Rückschläge sind unvermeidlich, diese können antizipiert und in einer Erste-Hilfe-Liste festgehalten werden. Dort können dann unmittelbar mögliche Gegenmaßnahmen notiert werden: „Tagesgeschäft hält von der Umsetzung ab“ -> Prioritäten im Team klären“.
  12. Erfolge feiern: Etwas, das immer wieder gefordert, aber dann doch wieder versäumt wird. Also warum nicht ein Teammeeting damit beginnen, dass das Erreichte erst einmal genüsslich gefeiert wird?

Der Prozess ist gut erprobt und kann auch von erfahrenen Teammitgliedern und internen Moderatoren begleitet werden.


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