20. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Ambidextrie als Werkzeug

INSPIRATION: Eigentlich ist es doch ein vertrautes Phänomen: Einerseits möchten wir Dinge bewahren, höchstens ein wenig pflegen und optimieren, andererseits haben wir Lust auf Neues, auf Veränderung. Was im Alltag vielleicht ganz gut nebeneinander existieren kann, stellt Unternehmen auf eine harte Probe. Wie funktionert „Beidhändigkeit“ in der Praxis?

Die Autorin im Personalmagazin (Ambidextrie – vom Phänomen zum Instrument) sieht durchaus die Möglichkeit, einen praktischen Nutzen aus dem theoretischen Modell zu ziehen. Wobei sich die Frage stellt, was es mit dem Begriff eigentlich auf sich hat. Im Grunde beschreibt er nur die Erfahrung, die wir alle machen: Es ist einerseits höchst beruhigend, wenn Dinge stabil sind und man sich darauf verlassen kann, dass sie auch morgen noch existieren. Ich möchte nicht jedes Mal in meinem Küchenschrank suchen müssen, wo die Tassen stehen, weil sie ständig ihren Ort wechseln. Vielleicht möchte ich sie mitunter etwas anders anordnen, weil es mich stört, wenn meine Lieblingstassen immer hinter den anderen stehen, aber mehr Optimierung brauche ich nicht. Bis zu dem Moment, wo mich die Lust packt, mal was ganz Neues zu probieren. Aus welchen Gründen auch immer. Dann hat plötzlich meine Partnerin das Problem, seine Tasse nicht mehr zu finden.


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Das Gewohnte zu bewahren und zu optimieren nennt man den Exploit-Modus. In Unternehmen mit treuen Kunden und verlässlichen Produkten funktionierte das jahrelang – hin und wieder hat man die Verpackung modernisiert, ein wenig am Geschmack herumgebastelt, aber bloß nicht zu viel, dann sprangen die Kunden ab. Bis ein Konkurrent daher kam und etwas auf den Markt gebracht hat, das so ganz anders schmeckte oder aussah, und das plötzlich alle haben wollten. Dann half eine kleine Verbesserung nichts, dann musste was Neues her. Oder man machte selbst den ersten Schritt und kam mit einer Neuheit auf den Markt. Von „Ambidextrie“ hat da aber niemand gesprochen. Wieso jetzt?

Weil, so die Hypothese, die Änderungen nun viel schneller und radikaler sind. Da kann ein etablierter Konzern schon mal in seinen Grundfesten erschüttert werden und ganz vom Markt verschwinden. Wenn es zum Beispiel ein Anbieter von Computern schafft, ein Mobiltelefon zu platzieren, das den Platzhirsch vernichtet. Oder wenn sogar in der Automobilindustrie ein Neuling mit einem Elektroauto Weltkonzerne zu erschüttern vermag. Also, so die Forderung, dann doch lieber selbst sich auf den Weg machen und mit radikalen Änderungen den Vorreiter machen.

Nur wie klappt das, wenn die ganze Struktur darauf ausgerichtet ist, langfristig zu planen, kontrolliert zu optimieren und das „eigentliche“ Geschäft zu bewahren? Apple hat ja auch nicht sein Rechnergeschäft eingestellt, als das iPhone auf den Markt kam. Also muss man dafür sorgen, dass einerseits weiter optimiert und bewahrt wird, anderersseits aber auch radikale Innovationen möglich sind. Letzteres fällt dann unter den „Explore-Modus„.

Hilft dabei das Modell der Beidhändigkeit? Es ist sicher kein wissenschaftlich abgesichtertes theoretisches Modell, sondern lediglich ein deskritives. Aber manchmal sind Begriffe nützlich, um Erlebtes „greifbar“ zu machen. Daher der Vorschlag, in Unternehmen mit dem Begriff aktiv zu arbeiten, indem man je nach Herausforderung deutlich macht, mit welcher „Hand“ man sie angehen möchte. Ich stelle mir das mal ganz praktisch vor: Ein Mitarbeiter kommt mit einer Idee daher, wie ein bestimmtes Verfahren optimiert werden könnte. Dann sortiert man den Vorschlag in den Bereich „exploit“ und behandelt ihn nach dem klassischen Projektmanagement- Prinzip: Es wird ein Ziel definiert, Verantwortliche benannt, die Mahbarkeit geprüft, die Umsetzung geplant und schließlich das Ergebnis überprüft. Keine Experimente, kein agiles Team, kein Scrum, kein internes Start-up.

Oder aber ein Mitarbeiter kommt mit einer Idee, die eher in die Rubrik „Revolution“ fällt. Und da wird es spannend. Statt nun ähnlich zu reagieren oder gar abzuwinken wird sie als „Explore-Idee“ eingestuft, die dann mit den „Instrumenten aus der Exlore-Kiste“ bearbeitet wird. Auf diese Weise wird Ambidextrie für alle sichtbar, „begreifbar“ und führt zu konkreten praktischen Ergebnissen. Klingt vernünftig.

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