4. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Flexibles Gehaltssystem

INSPIRATION: Weiter geht es mit den Experimenten in Sachen Gehaltsfindung. Hier mal ein Beispiel, wie ein Weiterbildungsanbieter versucht, seine Mitarbeiter fair zu bezahlen. Es geht um die TAM, die von zwei Start-up-Unternehmern übernommen wurde und nun in Berlin ansässig ist.

Interessant an dem Modell sind gleich mehrere Aspekte. Es beginnt mit der Transparenz: Die Gehaltshöhe können alle Beschäftigten einsehen. Dazu kommt eine Gewinnbeteiligung: Je nach Jahresergebnis erhalten alle eine entsprechende Auszahlung am Ende des Jahres. Wie genau diese berechnet wird, bleibt in dem Interview unklar („Die Grundgehälter sind relativ gering“). Beides keine wirklich neuen Dinge, aber sicher eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die typische Geheimniskrämerei wegfällt.

Spannend wird es beim Grundgehalt. Das ist in der Tat erst mal ziemlich gering mit 30.000 Euro im Jahr,  es steigt jedoch jedes halbe Jahr um 2.000 Euro. Damit wird schon einmal deutlich, dass Betriebszugehörigkeit ein wichtiges Kriterium ist. Wer also länger aushält, der wird belohnt. Kennt man eigentlich von früher bzw. ist typisch für Behörden. Allerdings gibt es hier offenbar Einschränkungen. Zum einen tritt diese Erhöhung nur in Kraft, wenn das Unternehmensergebnis stimmt, sonst fällt sie für alle aus. Zum anderen gibt es einen Gehaltsrat, der ein Veto einlegen kann. Hier kommt Kriterium zwei zum Zug: Die Leistung. Wenn also der Eindruck vorherrscht, jemand hat nicht den Einsatz und den Beitrag gebracht, der erwartet wird, kann diese Gehaltserhöhung entfallen. Wie oft das passiert, erfahren wir nicht, allerdings gibt man sich bei der TAM angeblich alle zwei Wochen gegenseitig Feedback. Wer so regelmäßig erfährt, was er gut macht und was noch erwartet wird, der dürfte kaum überrascht werden, wenn das mit der Erhöhung kritisch wird.

Was, wenn ein interessanter Bewerber für das Grundgehalt trotz der attraktiven Steigerungen nicht kommen will? Dann entscheidet das Team, ob der erwartete Beitrag für das Unternehmen ein höheres Einstiegsgehalt rechtfertigt. Hier müssen alle zustimmen. Dabei geht es nicht um die Anzahl an Jahren Berufserfahrung oder Abschlüsse und Zertifikate – sie spielen angeblich keine Rolle. Was natürlich nur bedingt stimmt, denn je nach Art der Abschlüsse bzw. der Berufserfahrung steigt natürlich auch der Wert des Bewerbers für einen Arbeitgeber.

Letztlich handelt es sich um ein ziemlich transparentes System, bei dem es viel Spielraum gibt. Will sagen: Es gibt einige wenige Regeln, die aber nur zur Anwendung kommen, wenn der Umsatz stimmt und die durch Einsprüche und Diskussion außer Kraft gesetzt werden können. Stellt sich die Frage, ob so etwas auch in einem Unternehmen funktionieren kann, das mehr als 10 Mitarbeiter hat – mehr sind es zur Zeit bei der TAM nämlich nicht.

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