22. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

ESG-Ziele belohnen

KRITIK: Sie lebt – die Vorstellung vom Top-Manager, der sich vor allem dann bewegt, wenn er für die Erreichung gesetzter Ziele entsprechende Prämien erhält. Da ist es nur konsequent, wenn man ihm nun Incentives verspricht, wenn er sich um Umwelt, Soziales und Governance (ESG) kümmert.

Es sind die Berater von Willis Towers Watson, die fleißig untersuchen, wie es denn die großen Unternehmen auf der Welt mit den Zielen und ihrer Belohnung so halten (Den Kurswechsel beschleunigen). Sie haben festgestellt, dass der Druck der Investoren, der Ratingagenturen und Aufsichtsbehörden wächst, da sollte man schon mal hinschauen, dass die Incentive- und Bonuspläne mit den Erwartungen der Investoren abgeglichen werden. 

So ist also die Logik: Die Investoren stellen fest, dass sich der Wind dreht und Unternehmen, die sich wenig um Umwelt und Soziales kümmern, Probleme bekommen – was gleichbedeutend damit ist, dass ihr Wert sinkt. Und weil Investoren natürlich Wert auf Wertsteigerung legen, schauen sie nun nicht mehr nur auf reine Umsatz- und Gewinnzahlen, sondern auch auf andere Dinge.

Wenn der Investor zu denken beginnt

Aber weil Investoren am ehesten etwas mit Zahlen anfangen können, sollte man ihnen auch auf dem Feld der ESG Zahlen bieten. Wie gehabt: Ziele sollen messbar und überprüfbar sein. Was nicht einfach ist, wie man schon an der Diskussion darüber sieht, ob Unternehmen auch für die Zustände bei ihren Lieferanten verantwortlich gemacht werden können.

Es ist zweifellos eine gute Entwicklung, dass der Fokus stärker auf Umweltschäden, Artenschutz, Arbeitsbedingungen, Diversität oder Compliance gelegt wird. Wenn irgendwie in die Köpfe der Verantwortlichen eindringt, dass Unternehmen wohl doch Teil der Gesellschaft sind und damit für die Auswirkungen ihres Tuns auf diese und ihre Umgebung eine Verantwortung tragen. 

Ob das durch die Verknüpfung von ESG-Zielen mit Prämien beschleunigt wird? Im  anglo-amerikanischen Raum, wo man diese Steuerung mit Hilfe von Prämien so liebt, scheint man noch der Meinung zu sein, dass der Markt es richten wird. Nach dem Motto: Wer ESG-Maßnahmen umsetzt, wird langfristig auch wirtschaftlich erfolgreich sein, und wirtschaftlicher Erfolg wird ohnehin belohnt – also benötigt man keine eigenständigen ESG-Ziele. Entsprechend findet man solche bei den Long Term Incentive Plänen der Top-Manager dort nur bei fünf Prozent der Unternehmen. In Europa sind es immerhin 28%.

Berater-Tipps

Was empfehlen die Berater? Wenn man den Managern solche Ziele in die Verträge schreibt, dann sollten die daran geknüpften Prämien schon um die 20% am gesamten Topf ausmachen, sonst funktionieren sie nicht. Da sitzen also die Aufsichtsräte (oder besser ihre Berater) an komplizierten Modellen, um genau festzulegen, wie viel Geld es für welche Ergebnisse gibt und hoffen, dass die Manager entsprechend reagieren.

Das Dumme an dieser Vorgehensweise ist – wie stets bei Zielvereinbarungen, die an Entgelt gekoppelt sind – dass damit alle Beteiligten vor allem über das Verfahren diskutieren – ob man solche Dinge überhaupt messen kann, ob man einen Einfluss hat, dass man damit gegenüber Konkurrenten und ihren Top-Managern, die nicht an solche Ziele gebunden sind, benachteiligt wird ist usw. Statt darüber miteinander zu reden, was tatsächlich Sinn und Zweck des Unternehmens ist und wie man es mit der Verantwortung halten will. Damit nicht das passiert, was zwangsläufig die Folge ist: Sobald es wirtschaftlich mal nicht so gut läuft, werden die Investoren, damit auch die Incentive-Systeme, umschwenken und es wird vor allem die Rendite betrachtet. Da wird es den Vorständen wenig helfen, wenn sie darauf verweisen, dass sie aber ihre ESG-Ziele eingehalten haben.

Aber vielleicht denke ich ja zu kompliziert. Vielleicht sind Vorstände so gestrickt, dass sie nur über Belohnungen dazu gebracht werden können, diese Themen ins den Blick zu nehmen und in der Folge umdenken. Meine beliebte Analogie: Geben Sie Ihrem Kind für jedes Rasenmähen 5 Euro und irgendwann liebt es auch den Garten. Mmmmh…..

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