23. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Kulturentwicklung: quadratisch, praktisch, gut?

KRITIK: New-Work braucht einen Kulturwandel. Oberflächlich betrachtet – mit Flexibilität bei Arbeitsort- und -zeit – kommt man nicht weit. Es braucht Empowerment. Das ist anspruchsvoll. Aber unumgänglich. – Wenn da nicht jemand eine Abkürzung gefunden hätte …

„Damit New-Work-Konzepte ihre Wirkung entfalten können, braucht es eine Kultur der Menschlichkeit.“ Ich bedauere, wenn ich solches lesen, stellen sich bei mir justament die Nackenhaare auf – obwohl (oder gerade, weil) es schwer auf Weihnachten zu geht. Autorin Bettina Hoffmann-Ripken (Kulturentwicklung hin zu New Work) könnte sich gerne über Humanismus auslassen. Denn wir wissen natürlich längst: „Der Mensch ist Mittel. Punkt!“ (Oswald Neuberger). Mehr als 500 Jahre nach Erasmus von Rotterdam könnte es nicht schaden, an zivilisatorische Basics zu erinnern. Tut sie aber nicht.


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Ihr Ansatz ist ein anderer: „Das Problem ist, dass die meisten Unternehmen, die die Konzepte von New Work versucht haben einzuführen, nicht verstanden haben, dass es sich hier um einen profunden Kulturwandel handelt – dass die Konzepte allein nichts nützen, wenn nicht gleichzeitig damit ein Kulturentwicklungsprozess verknüpft wird.“ Nun, das mag man unterschreiben, wenn man sich die aktuellen Daten des New-Work-Barometers anschaut (New Work konsolidiert sich – doch). Wie schon in den Jahren zuvor zeigt sich das Bild, dass die Unternehmen halbherzig zu Werke gehen: New Work wird auf Flexibilität bei Arbeitsort- und -zeit reduziert. Und von den vier Empowerment-Dimensionen betonen die Unternehmen überwiegend Selbstbestimmung und Kompetenzentwicklung. Die Mitarbeitenden sollen initiativ werden und kompetent handeln. Aber bei Einfluss/Macht und Sinn sind die „Herrschaften“ knickrig (Wasch‘ mir den Pelz, aber …).

Zynismus

Autorin Hoffmann-Ripken knüpft am Empowerment-Konzept gar nicht an. Sie diagnostiziert stattdessen ein vages Verständnis im Business: Häufig definieren die Unternehmen sogenannte New-Work-Werte, die sie leben wollen, wie beispielsweise Offenheit, Mut, Respekt, Vertrauen und Selbstverpflichtung oder Ähnliches.“ Wenn solches in den Unternehmen postuliert werde, löse das „bei den Mitarbeitenden eher Zynismus aus als Motivation“. Weil in deren Augen es offenbar ein sehr weiter Weg vom Ist zum Soll sei.

Nun, das ist nachvollziehbar: „Werte entstehen nicht, in dem sie definiert werden“. Das hatten wir schon: „Holz entzündet sich nicht dadurch, dass jemand das Wort Feuer auf ein Stück Papier schreibt und daneben legt“ (Am Lagerfeuer). Es braucht eine Kulturentwicklung.

„Kultur der Menschlichkeit“

Die „Kultur der Menschlichkeit“ bestehe aus sieben Teilkulturen, sagt die Autorin: Fehler-, Konflikt-, Verantwortungs-, Persönlichkeitsentwicklungs-, Empathie-, Feedback- und Achtsamkeitskultur. „Dabei wurde für die Entwicklung des Modells ‚Menschlichkeit‘ aus verschiedenen theoretischen Perspektiven betrachtet: mithilfe der integralen Theorie nach Ken Wilber – aus evolutionstheoretischer sowie neurobiologischer Sicht und der Perspektive der emotionalen und kognitiven Intelligenz.“

Auwei, denke ich, nicht New Work, sondern New Age! Der US-Amerikaner Wilber (Master in Biochemie) behauptet, eine „Theorie von allem“ entwickelt zu haben und lehrt die „Integrale Spiritualität“. Darin beruft er sich auch auf die Entwicklungsstufentheorie von Clare W. Graves (

Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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