21. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Wertschätzungsausstellung

INSPIRATION: Der Begriff „Wertschätzung“ ist im Mainstream angekommen. Dass sich Menschen nach Wertschätzung sehnen (früher hätte man vermutlich „Anerkennung“ gesagt), und dass man durch Wertschätzung motiviertere Mitarbeitende bekommt, scheint klar zu sein. Fast schon banal. Aber wie funktioniert das mit der „gelebten Wertschätzung“?

Ein Arbeitsmarkservice-Unternehmen in Österreich (vergleichbar mit der Arbeitsagentur) litt unter dem klassischen „Behörden-Flair“, die Belegschaft fühlte sich „geringschätzt und überlastet“. Es gab Klagen über eine „Kultur des Einigelns“, man schottete sich ab, „um nicht noch mehr Arbeit zu bekommen.“ Dann entschloss man sich, daran etwas zu ändern, ein Berater, der sich schon früh auf das Thema „Wertschätzung“ spezialisiert hatte, empfahl eine „Wanderausstellung mit zehn Stationen“ (Bewundernswert, mit welcher Energie du deine Arbeit machst). Der Vorteil: Anders als in einem einmaligen Workshop können sich die Mitarbeitenden unabhängig voneinander und frei mit den Themen auseinandersetzen, und das über einen längeren Zeitraum.


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Was muss man sich unter einer solchen Ausstellung vorstellen? Es gab Stationen wie die „Bitte-Danke-Tür“. Das waren Plakate, auf denen man notieren konnte, was man sich wünschte und wofür man dankbar war. Oder ein Schalter, auf dem man Ansichtskarten bekam, die man per Hauspost Kolleginnen schicken konnte. Mehr wird in dem Beitrag in der Brand eins nicht verraten. Aber man ahnt die Idee dahinter: Kleine Schubser (Nudges), die wertschätzendes Verhalten antriggern sollen.

Was hat es gebracht?

Weil, so die Vorstellung, wir Menschen eigentlich einfach gestrickt sind. Wenn uns jemand anlächelt, lächeln wir zurück. Ist jemand freundlich zu uns, sind wir es auch zu ihm. Diesen Effekt sollte die Ausstellung auslösen. Berechtigte Frage: Was hat es gebracht? Gibt es heute mehr Wertschätzung in der Organisation? Problem: Das lässt sich kaum messen. Zwar finden sich eine Reihe von Mitarbeitenden, die kleine Beispiele für bessere Zusammenarbeit aufzählen können, aber es wird auch der Wunsch geäußert, es solle ein Folgeprojekt geben. Weil, wie wir alle das auch kennen, im Alltag vieles wieder verschwindet. Da helfen auch die Multiplikatoren wenig, die sich alle Mühe geben. Z.B. mit einer Wertschätzungstafel, auf dem die Ausstellung in Mini-Format fortgeführt wird. Manchmal steht dort etwas, oft aber auch nicht. Es sei denn, die Multiplikatoren kümmern sich.

Zwei Dinge, die mir dazu einfallen. Zum einen: Was soll das genau sein: Wertschätzung? Dazu finde ich in dem Beitrag eine Definition des Beraters: „Die Werte des anderen zu erkennen und zu schätzen, ohne dabei gleicher Meinung zu sein.“ Wobei: Was bedeutet hier „schätzen“: Anerkennen? Respektieren? Tolerieren? Wäre ein schöner Einstieg in das Thema, wenn man es in einem Dialog bearbeiten würde.

Zum anderen: Wenn ich lese, dass Menschen sich geringgeschätzt und überlastet fühlen: Würde ich dann nicht versuchen, an der Arbeit bzw. an den Arbeitsbedingungen selbst anzusetzen? Ich stelle mit die Arbeit eines Jobvermittlers schwierig vor. Und wenn ich dann noch das Bild eines klassischen Behördengebäudes vor mir sehe, wäre ich auch mehr als skeptisch, ob eine „Wertschätzungsausstellung“ etwas bewegen kann. Klar ist: Die Wirkung befristeter Aktionen wie diese lässt schnell nach, als Dauerausstellung wird sie nach einer gewissen Zeit niemand mehr beachten. Es kann daher immer nur darum gehen, im Dialog zu bleiben und hierfür Formate zu schaffen.

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