20. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Agiles Projektmanagement

REZENSION: Sabine Niodusch – Agiles Projektmanagement nach SCRUM: Trainingskonzept. managerSeminare 2022.

Vor einiger Zeit wurde bei MWonline als Alternative zum konventionellen Buch ein rein digitales Trainingskonzept zum Thema „Führungskompetenz entwickeln“ vorgestellt. Die dortige Darstellung wurde von einem Leser bezeichnenderweise kommentiert mit: „Haben Sie schon einmal einem Neugeborenen ein Buch vor die Nase gehalten mit dem Titel ‚So werde ich erwachsen?'“ Damit verweist er wohl auf die Problematik, dass man praxistaugliche Trainingskompetenz zu einem so anspruchsvollen und zugleich „weichen“ Thema wie Führung wohl kaum durch den [reinen] Erwerb professionell gestalteter Materialien dazu kaufen kann. Doch wie verhält es sich bei einem vergleichsweise „harten“ Thema?


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Im konkreten Fall geht es dabei um „Agiles Projektmanagement nach SCRUM“, das ja mehr denn je in aller Munde ist und in einer Vielzahl von Unternehmen momentan eingeführt werden soll. Und für einschlägige Trainings zu diesem Thema bietet der renommierte Verlag „managerSeminare“ mittlerweile ein passendes Produkt an. Ein recht konkreter „Fahrplan“ erläutert den vorgesehenen Ablauf des Trainingskonzepts:

Der Fahrplan

1. Tag:

  • Agile Werte, Agile Prinzipien, Agile Techniken, Agile Methoden
  • Scrum Artefakte
  • Product Backlog
  • Stakeholderanalyse
  • Refinement

2. Tag:

  • Definition of Done
  • Risiken ernst nehmen
  • Die Rollen: Product Owner, Scrum Master,Developer
  • Scrum Meetings
  • Sprint-Prozess
  • Sprint Planning: Aufwandsschätzung, Daily Scrum Meeting, Burndown-Chart

3. Tag

  • Sprint-Prozess – Fortsetzung
  • Sprint Review
  • Sprint Retrospektive: Dokumentation, Verantwortung
  • Anforderungen an die Rollen Product Owner, Scrum Master und Developer
  • Einsatzmöglichkeiten für agiles Projektmanagement
  • Ideen für die Einführung / Umsetzung

Daran schließt sich noch ein optionaler „Follow-up-Trainingstag“ an, an dem die bisherigen Praxiserfahrungen reflektiert und anhand solcher „best practices“ künftige Spielregeln entwickelt werden können. Um dieses Training dann möglichst bequem und geschmeidig realisieren zu können, erhält der Kunde dieses Produkts dazu ein haptisch recht wertig wirkendes Schächtelchen mit einem handelsüblichen USB-Stick. Auf diesem wiederum erläutert zunächst ein pdf-Dokument den digitalen Produktumfang, der sich darüber hinaus aus folgenden Elementen zusammensetzt:

Der Umfang

  • Einen Satz mit 151 professionell gestalteten PowerPoint-Folien, von denen gut die Hälfte auch als Teilnehmer-Handout weitergeben kann
  • Etliche Übungen samt Fallbeispielen auf insgesamt 50 Seiten
  • Flipchartvorlagen als Photos von nach allen Regeln der Flipchartkunst erstellten Vorlagen, die dann aber handschriftlich nachgemalt werden müssen
  • Einige digitale Arbeitsvorlagen als xls-Datei.

Damit lässt sich – zumindest nach Aussage von Sabine Niodusch als praktizierender Trainerin und Autorin – das Konzept entweder als Blaupause 1 zu 1 bei einer erwarteten Gruppengröße von 12 Teilnehmenden umsetzen, als Präsenz-Klassenraumtraining oder auch in digitaler Durchführung. Alternativ dazu kann das Material auch als methodisch-didaktische Grundlage für eine eigene Konzeption dienen, natürlich auch abhängig vom Vorwissen der Anwesenden.

Am Ende schließt sich der Kreis im Vergleich mit dem anfänglich erwähnten „Konkurrenzprodukt“ aus dem gleichen Verlag: Auch dieses Trainingskonzept ist ein bis ins Detail liebevoll aufbereiteter Rundumschlag, der dem Käufer ein faires Angebot bietet – allerdings dann auch für stattliche 268,- €.

Marktpotenzial

Das Marktpotenzial für SCRUM-Trainings von Seiten der zunehmend agil werdenden Unternehmen ist mehr denn je gewaltig und von daher verständlich, sich praxisnahe Kompetenz als eine Art „Convenience Food“ dazu kaufen zu wollen. Aber auch wenn das hier dahinterliegende Thema im Vergleich mit der „weichen“ Führung“ überschaubarer bzw. abgrenzbarer und weniger persönlichkeitsabhängig erscheint, kann sich der Rezensent dennoch keinen seriösen Anbieter vorstellen, der allein mit dem hier vorgestellten Material offene oder geschlossene Schulungsaktivitäten anbietet. Denn vermutlich allzu rasch dürfte dann auch der letzte Teilnehmende verstanden haben, dass hier nur „Wissen aus der Retorte“ vermittelt wird. Bleibt als [deutlich] realistischer erscheinend Alternative die Verwendung des Materials mehr als „Steinbruch“ für eigene Konzepte. Für möglicherweise gestresste und zeitoptimierte Trainer kann sich die Investition in das Lehrmaterial amortisieren, allein schon, weil damit der Grundstock für einen ansehnlichen Foliensatz sowie eine Reihe an Übungen mundgerecht vorliegen. Anderseits sollte sich es sich der Anwender auch in diesem Fall nicht zu leicht machen, die Inhalte gewissenhaft durchdenken und seine eigene Handschrift entfalten, um nicht vor der Gruppe kläglich Schiffbruch zu erleiden.

Bleibt als finales Fazit: Unabhängig, ob „hartes“ oder „weiches“ Thema, Training bleibt ein „People Business“, für das praxistaugliche Kompetenz nur in begrenztem Umfang dazugekauft werden kann, aber wenn, dann bestimmt [auch] auf sehr hohem Niveau im Verlag „managerSeminare“ …

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