23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Anstrengend und kompliziert

INSPIRATION: Der Satz ist gut, aber stimmt er auch? „Erst kommt richtig, dann kommt Geld.“ In den meisten Unternehmen dürfte die Reihenfolge anders lauten. Sie verdienen schon lange Geld, ohne sich bisher große Gedanken über Nachhaltigkeit und Ökologie gemacht zu haben. Wenn sie dann umsteuern wollen, wird es schwierig. Zwei Beispiele aus der Brand eins von November 2021, das Heft ist sehr zu empfehlen.

Die Rede ist zum einen von Axel Kaiser – der Mensch mit den Pillen statt Zahncreme (Die Tüten des Herrn Kaiser). Er hat in der Tat so einiges erst richtig gemacht und lange kein Geld verdient. In Zahncreme sind nämlich jede Menge Zusatzstoffe, die nötig sind, damit sie geschmeidig aus den Tuben kommt. Und diese Stoffe sind alles andere als gesundheitsdienlich. Aber seine Pille kam nicht an, zu sehr sind wir gewohnt, Creme auf unsere Zahnbürsten zu quetschen. Erst als er die Verpackung umstellte, die Pillen in Tüten aus kompostierbarem Bioplastik (auf Maisstärke basierend) packte und sie mit „plastikfrei“ und „industriell kompostierbar“ kennzeichnete, kam der Durchbruch. 


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Inzwischen sind auch die großen Hersteller auf den Trend zur Zahnputzpille aufgesprungen, den er angestoßen hat und zu Recht stolz darauf ist. Alles gut also? Naja, nicht ganz, denn das mit der Verpackung ist noch nicht wirklich gelöst. Sie darf nämlich nicht in die Biotonne, sie wird dort wie anderes Plastik aussortiert und verbrannt. Und auf dem heimischen Kompost verrottet sie zwar, aber zerfällt vollständig in Wasser und CO2 – als Komposterde ist das nicht zu gebrauchen. Und außerdem: Der Mais, der zur Herstellung verwendet wird, ist nicht automatisch umweltfreundlich – es müsste schon Bio-Mais sein. 

Das gleiche Problem hat der Schokoladenhersteller Ecofinia, einer der Marktführer in Sachen nachhaltig produzierte Schokolade (Einerseits, andererseits). Auch dort verwendet man statt der üblichen Alufolie den kompostierbaren Kunststoff. Man tröstet sich damit, dass er verrottet, wenn er einfach irgendwo hingeworfen wird und so zumindest nicht die Umwelt belastet wie Alu-Folie. Letztere aber hat den Vorteil, dass sie oft recycelt werden kann und damit im Kreislauf bleibt. Also gilt es abzuwägen – und das ist bei vielen anderen Schritten in der Produktion und Vertrieb nicht anders.

Bei Ecofinia bezieht man den Kakao direkt bei kleinen produzierenden Familienunternehmen in der Dominikanischen Republik. Man hilft ihnen, den Kakao nachhaltig anzubauen, bezahlt freiwillig mehr dafür und muss entsprechend mehr für seine Schokolade verlangen. Das Bio-Siegel hilft dabei nicht viel, weil es inzwischen auch auf vielen billigeren Konkurrenzprodukten klebt, deren Hersteller nicht den gleichen Aufwand betreiben. Diese haben aber zumindest Bio-Qualität und damit wird sicher gestellt, dass auf Pestizide und künstlichen Dünger verzichtet wird. Wer mehr als das tut wie Ecofinia hat es natürlich schwer.

Bei allen möglichen Schritten in der Produktion steht man vor ähnlichen Herausforderungen. Zur Reinigung der Anlagen vor der Nutzung zur Produktion veganer Schokolade kann kein Wasser verwendet werden, also reinigt man sie mit veganer Schokomasse. Der wertvolle Rohstoff ist dann allerdings mit Milch kontaminiert und landete bisher im Müll. Die Lösung: Ein Start-up, das aus dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung ein Geschäft macht, produziert hieraus jetzt „Mixschokolade“ und kennzeichnet sie mit „Stop Food Waste“ Appell. Was zumindest einen Weg weist: Man muss den Nutzen der ökologisch wertvolleren Produkte deutlich herausstellen.

All das sind aber nur kleine Schritte, größere müssten folgen, so der Zahnpillen-Hersteller. Das Verpackungsthema zum Beispiel muss auf die große politische Bühne, hierfür engagiert er sich in einem Verband. Letztlich zeigen die Beispiele, dass bei aller Komplexität jeder Schritt seinen Beitrag leistet, aber dass es eben nicht die EINE Lösung gibt und am Ende doch immer abgewogen werden muss, mit welchen Nebenwirkungen man bereit ist sich zu arrangieren. 

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