27. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Ins Gespräch kommen

INSPIRATION: In diesem Beitrag geht es darum, wie man Menschen zusammenbringt, die sich als Gegner betrachten, die von ihren jeweiligen Mitstreitern für Verräter gehalten werden und die eigentlich gar nicht anders können, als gemeinsame Sache zu machen. Ein höchst aufschlussreiches Interview und ein Vorgehen, das Schule machen sollte.

Eigentlich ist das Thema zweitrangig, wenn auch hoch spannend. Es geht um den Ausbau der Stromnetze. Vor der Energiewende wurde der Strom jeweils dort produziert, wo er gebraucht wurde, zumindest in der Nähe. Ob mit Atomstrom oder Kohlestrom – er musste nicht tausende von Kilometern transportiert werden. Jetzt wird er dort erzeugt, wo die Energie anfällt, also in Offshore-Windparks der Nordsee oder in Wüstengegenden in Nordafrika. Natürlich sollte er überall erzeugt werden, also ist auch jedes Hausdach wichtig. Aber für die großen Mengen reicht das nicht. Also muss er in flexiblen Netzen befördert werden, damit er dort ankommt, wo er benötigt wird.


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Im Prinzip, ja – aber

Das aber stößt überall auf Widerstand. Sei es bei Naturschützern, die sich Sorgen um bedrohte Tier- und Pflanzenarten machen als auch bei Bürgern, die ungern große Strommasten neben Schulen und Kindergärten sehen. Wie bringt man also Menschen zusammen, die sich als Gegner begreifen, obwohl alle das gleiche Interesse haben müssten, nämlich umweltschonend Strom zu produzieren und ihn selbst nutzen zu können? Bzw. von jenen nutzen zu lassen, die die Dinge produzieren, die wir zum täglichen Leben benötigen?

Eine Wirtschaftswissenschaftlerin gründete 2009 die Non-Profit-Initiative Renewables Grid (RGI) mit der Idee, Netzbetreiber und Umweltschutzorganisationen zusammenzubringen. Allein das war schon visionär in einer Zeit, als viele das Problem noch nicht auf dem Schirm hatten. Im Interview in der Brand eins (Die Brückenbauerin) erzählt Antonella Battaglini, dass es am Anfang genau zwei Leute gab, die sich für das Thema interessierten.

Sie fand schließlich vier Männer, die den Mut hatten, sich zusammen zu tun: Zwei von Netzbetreibern und zwei von NGOs. Beide riskierten viel, denn die eigenen Leute erklärten sie für verrückt, dass sie mit den „Feinden“ zusammenarbeiten wollten. Sie fungierte als „Kissen zwischen den Streitparteien“ und als Brückenbauerin. Und eine Erkenntnis nach vielen Jahren der Zusammenarbeit lautet: Man kann solche Dinge nicht von oben verordnen, sie muss von den Betroffenen ausgehen. Eine andere: Es arbeiten nie Organisationen zusammen, sondern immer einzelne Menschen. Und die muss man finden.

Gemeinsam Lösungen finden

Und wie überzeugt man dann die Gegner der geplanten Aktionen (in diesem Fall geplante Stromtrassen) vor Ort? Indem man deren Bedenken ernst nimmt, egal, ob sie wissenschaftlich begründet sind oder nicht. Man muss akzeptieren, dass sie einen Eingriff darstellen und dass Menschen hierauf empfindlich reagieren. Um dann jeweils gemeinsam Lösungen zu finden. Sei es, dass Markierungen angebracht werden, um Vögel abzuschrecken. Sei es, dass die Flächen unter den Trassen neu und anders bepflanzt werden. Oder dass man einen kleinen Umweg in Kauf nimmt und die Leitungen eben nicht nah an einem Kindergarten vorbei führt. Oder auch, indem man vor Ort schaut, welche Dinge einer Gemeinde, die nicht direkt von den Trassen profitiert, vielleicht Nutzen stiften, die in einem indirekten Zusammenhang stehen, z.B. E-Mobilität. Sprich: Es geht darum, jeweils eine Partnerschaft zu gestalten. Mehr Beispiele dazu in dem Originalbeitrag.

Kürzlich hörte ich in einem Vortrag über Nachbarschaftsinitiativen mal wieder den Satz: „Miteinander reden hilft!“ So auch hier: „Man muss miteinander ins Gespräch kommen“. Egal, wie schwierig das ist. Auch wenn es offenbar extreme Interessengruppen gibt, die an einem Dialog nicht interessiert sind.

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