4. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Humankapital reloaded

INSPIRATION: Der Begriff „Humankapital“ wurde im Jahr 2004 von einem Gremium aus Sprachwissenschaftlern zum Unwort des Jahres gewählt. Was umstritten war. Denn der englischsprachige Begriff Human Capital (HC) ist schon seit den 1960er-Jahren in Gebrauch und kann auch positiv und wertschätzend gedeutet werden. On the long run hat sich diese Sichtweise nun durchgesetzt. Seit 2018 (in Deutschland seit 2019) gibt es die DIN ISO 30414: Leitlinien für das interne und externe Human Capital Reporting. Die Autoren (Den Faktor Mensch sichtbar machen) stellen die Norm vor und schildern die entsprechende Zertifizierung von Infineon Technologies AG.

Die Norm liefert ein internationales Modell für die HC-Berichterstattung. Denn bislang wurde das sehr unterschiedlich gehandhabt. Der Bezug zu Nachhaltigkeitskriterien (ESG = Enviroment, Social, Governance) hat das forciert. Es gab einen Bedarf nach Vergleichbarkeit bei Kennzahlen bei Investoren, Rating-Agenturen und Regierungen. Der Standard ist freiwillig, entwickelt aber – wie alle Normen – eine praktische Sogwirkung. „Der Kerninhalt der ISO 30414 für die externe Personalberichterstattung umfasst 23 personalbezogene Kennzahlen in neun Bereichen“: Führung, Compliance & Ethic, Diversity, Einstellung, Mobilität & Turnover, Kosten, Produktivität, Mitarbeiterverfügbarkeit, Wohlbefinden, Arbeits- & Gesundheitsschutz sowie Fähigkeiten & Leistungspotenzial.


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Infineon als international operierendes Unternehmen gehört zu den ersten, die sich einer Zertifizierung unterzogen haben. Schnell zeigte sich, dass man zu ungefähr der Hälfte der Kennzahlen schon auskunftsfähig war. Die andere Hälfte musste erarbeitet werden, was so einige Diskussionen provozierte und auch diverse Anstrengungen bereitete. Daran wird deutlich, dass ein solcher Zertifizierungsprozess zunächst das Unternehmen beschäftigt und dazu beiträgt, sich tief in die Materie einzuarbeiten. Dies betrifft vor allem HR. Es werden mehr Zahlen generiert und diese werden dann im Prozess auch immer konkreter. Das Reporting wird somit im besten Fall aussagekräftiger. Das wird dann von außen entsprechend honoriert – von Bewerberseite oder seitens der Investoren.

Kritiker befürchten einen höheren Administrationsauswand. Der Aufwand entsteht aber zunächst zu Beginn. Die Rezertifizierungen gestalten sich deutlich weniger aufwändig. Infineon berichtet von positiven Rückmeldungen zur neuen Transparenz. Die immateriellen Vermögenswerte des Unternehmens, die mit Human Capital bezeichnet werden, erscheinen nun klarer. Eine Kennzahl zu „Time to fill“, die sich auf den Umgang mit Vakanzen bezieht, erscheint offensichtlich fürs Publikum attraktiv zu sein.

Spannend erscheint diese Entwicklung rückblickend, wenn man sich einmal vor Augen führt, dass nach dem Ukas der Sprachwissenschaftler im Jahr 2004 ein deutsches Forschungsprojekt „Human Asset Rating“ im Auftrag des BMAS und mit Unterstützung zahlreicher Unternehmen und Organisationen im Jahr 2007 durchgeführt wurde. Im Jahr 2009 wurde dann hierzulande der sogenannte „Human-Potential-Index“ (HPI) vorgestellt. Doch nach dem Ministerwechsel (von SPD zu CDU) im selben Jahr geriet der „Human-Potential-Index“ (HPI) in Vergessenheit. Jetzt kommt das Thema über die internationale Schiene – quasi durch die Hintertür – zurück nach Deutschland – und wird bleiben.

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