23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Blitzschnelle Praktikanten

INSPIRATION: Interessante Frage: Könnte der folgende Beitrag auch von einer künstlichen Intelligenz verfasst werden? Der Prompt (so nennt man den Auftrag, den der Mensch der Maschine gibt) würde vielleicht so lauten: „Nimm bitte alle Beiträge über künstliche Intelligenz aus dem Heft 9/2023 der ‚Brand eins‘ und erstelle daraus einen Artikel über maximal 1.000 Wörter, in dem die interessantesten Anwendungen aufgeführt und kurz beschrieben werden. Dabei sollen die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der KI deutlich werden.“

Hier der Text, aber wie gewohnt aus Menschenhand: In der erwähnten Ausgabe, die sehr empfehlenswert ist, werden grundsätzliche Überlegungen als auch sehr spezifische Anwendungen vorgestellt. So viel ist wohl unbestritten: Es gibt viel Marketing und Hype. Und davon, dass Maschinen uns das Denken abnehmen, sind wir noch weit entfernt. KI kann nämlich (noch) nicht denken, sondern „bildet das Ergebnis eines Denkprozesses glaubhaft nach“ (Nur KI-ne Panik). Entspannt euch, möchte man denen zurufen, die dazu tendieren, dass es Debatten über Nutzen und Gefahren neuer Techniken mal wieder gleich „um das ganz Große“ geht.


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Natürlich gibt es Risiken – und die sind nicht neu: Wann immer es eine neue Technik gibt, kann sie so eingesetzt werden, dass sie mehr Schaden als Nutzen anrichtet – warum soll das hier anders sein? Daher schauen wir mal auf das, was schon funktioniert. Es wird ziemlich klar, dass KI in der Lage ist, Routineaufgaben zu übernehmen, und das viel schneller als Menschen das können. Also eine Art „blitzschneller Praktikant“. Da erkennt das System mit Hilfe vieler Kameras Mängel bei Bauteilen am Auto, wo früher Menschen stundenlang am Band standen und die Teile herausfischen mussten (Vorn dabei„Wir bringen Autos Intuition bei“). Sensoren am Traktor scannen ein Feld und erkennen, ob die Pflanzen viel oder wenig Dünger benötigen. Wobei das leider nicht so richtig funktioniert, weil die Software Pflanzen, die am Waldrand stehen und daher dunkleres Laub haben, fälschlich als gesund einstuft. Der Sensor ist inzwischen „im Vorruhestand“ (Vorn dabeiWas man nicht im Kopf hat …).

Überschriften und Teaser

KI führt auch noch nicht zum „Roboterjournalismus“. Sie hilft aber inzwischen, Vorschläge für Überschriften und Teaser zu erstellen oder Texte zu vereinfachen – die Entscheidung trifft dann der Mensch. Das macht eine Sache noch viel bedeutender als sie vorher war: den Faktencheck. Da sind wieder die Journalisten gefragt. Wobei KI helfen kann, Fake-Fotos zu erkennen (Vorn dabeiDie Heimat der Fakten). Bei Gericht ist man dankbar, dass Software tausende von Urteilen (so sie denn digital vorliegen) analysiert und Fall-Eckdaten zur Verfügung stellt, was bisher extrem viel Arbeitszeit verschlang (Vorn dabei„Wie eine Excel-Tabelle auf Steroiden“).

Themenwechsel: Kann KI auch musizieren? Kann sie – eine Firma produziert Hintergrundmusik (was in Fahrstühlen und Kaufhäusern nervt) mit Hilfe von Software und ist richtig dick im Geschäft. Vor allem entdeckt sie neue Märkte: Musik zur Entspannung, zur Konzentration, zum Einschlafen. Da gerät die Branche schon in Panik, aber auch hier wird beschwichtigt: KI versteht noch lange nicht „die Essenz eines Songs“, sie ist nicht mal in der Lage, eine Coverversion herzustellen. Bis das gelingt, werden mindestens noch zehn Jahre vergehen (Entspanne mich!). Da bin ich verblüfft.

Mehr Zeit für Patienten

Auch in der Medizin bewegt sich einiges: KI kann lästige Dokumentationen übernehmen, was Ärzten mehr Zeit für den Patienten gibt. Die Analyse von Röntgenaufnahmen lässt sich beschleunigen. KI kann Alarm schlagen, wenn bestimmte Behandlungen überdurchschnittlich oft angesetzt werden und das Betrug vermuten lässt. Aber trotz der Unmengen von Daten, die Mediziner inzwischen sammeln, ist man noch weit davon entfernt, wirklich bessere Diagnosen zu erstellen. Selbst bei der Übersetzung von Arztbriefen machen Studenten bisher weniger Fehler als die KI (Fragen Sie Ihre KI!). Interessant ist diese Erkenntnis: Ärzten gehen Kompetenzen verloren, aber das ist wohl immer so, wenn neue Technologien auftauchen. Wer kann heute noch eine Straßenkarte lesen?

Für mich das spannendste Beispiel: Eine Firma lässt ihre KI Muster in extrem großen Datenmengen aufspüren, eine klassische Anwendung. Sie erkennt beispielsweise, wann Präzisionsmaschinen gewartet werden müssen. Und sie weiß, dass etwas schief gehen wird, bevor es passiert. Das nennt sich Condition Monitoring. Sie kann auch sehr genau die Stromproduktion und den Stromverbrauch für ein Elektrizitätswerk vorhersagen. Und ganz spannend: Nach vielen Trainingsdurchgängen ist sie in der Lage, 45% aller eingehenden Rechnungen bei B. Braun korrekt abzulegen und zu bezahlen. Den Rest müssen immer noch die Buchhalter übernehmen, von denen die Firma ganze 70 beschäftigt (Beam me up, Heiko).

Soft Skills gefragt

Und was ist mit uns Menschen? Werden die meisten ihren Job verlieren? Die immer wiederkehrende Sorge teilt ein Arbeitsmarktexperte nicht („Sie sollten froh sein, wenn künstliche Intelligenz in Ihrem Job relevant wird“). KI wird die Arbeit menschlicher machen, weil sie viele langweilige Routinearbeit übernimmt. Natürlich wird es zu Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt kommen – wie das immer der Fall war, wenn gravierende neue Technologien entwickelt wurden. Und Einzelne werden sich natürlich nach einem neuen Job umsehen müssen. Vor allem: Stetige Fort- und Weiterbildung werden noch wichtiger als bisher.

Drei Dinge finde ich tatsächlich ermutigend: Es werden endlich die übergreifenden Fähigkeiten mehr gefragt sein, nämlich „das, was man früher verschämt als Soft Skills in den Lebenslauf geschrieben hat“ – z.B. Kommunikationsfähigkeit. Zum anderen: Statt auf die Gefahren zu starren, sollte man schauen, wo man in seinem eigenen Job heute schon KI einsetzen könnte – das ist viel reizvoller und erweitert die eigenen Digitalkompetenzen.

Criti-Hype

Und schließlich: Auch wenn die großen Konzerne die Dollarzeichen in den Augen haben und ihre Gallionsfiguren plötzlich vor den enormen Gefahren der KI warnen (Musk, Gates und Co.) – KI bietet den Kleinen und vielen Selbstständigen die Chance, „die Stärke ganzer Unternehmen zu entfalten“ (Chance für die Kleinen). Der Übersetzer, der sich die Texte übersetzen lässt und ihnen den Feinschliff verpasst – der Softwareentwickler, der es genauso mit Software macht, der kleine Unternehmer, der sich für Pressetexte und Social Media-Posts keine Marketingabteilung leisten kann – sie alle können profitieren.

Und wenn sie sich fragen, warum bekannte Menschen vor der KI warnen (Criti-Hype), so gibt es auch hier eine Erklärung: Wer auf diese Weise gigantische Gefahren beschwört, der macht damit schwer Werbung für die eigenen Systeme – und sich selbst glaubwürdiger nach dem Motto: Wir sehen die Bedrohung, aber natürlich machen wir das selbst so sicher wie möglich. Gut für den Börsenkurs.

So, das ist das Ergebnis – geschätzte Zeit zum Lesen und Schreiben: Knappe drei Stunden. Hätte KI natürlich viel schneller geschafft. Das Ergebnis würde mich schon interessieren …

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