23. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Die Logik systemischer Interventionen

REZENSION: Arist von Schlippe / Jochen Schweitzer – Gewusst wie, gewusst warum. Die Logik systemischer Interventionen. V & R 2019.

Das UTB-Taschenbuch „Systemische Interventionen“, der Vorgänger dieses Buchs, ist ein voller Erfolg geworden: Im Jahr 2009 erstmals erschienen, liegt es inzwischen in der vierten Auflage vor. Das neue Buch der beiden Autoren wird sicher ebenso beim Publikum einschlagen. Denn es ergänzt die Einführung in die systemische Praxis durch die erkenntnistheoretischen Basics, ohne die systemisches Arbeiten in allen Beratungskontexten im luftleeren Raum bliebe. Ob dies eine Replik auf die weit verbreitete „Tool-Klempnerei“ in der Praxis darstellt?

In der Tat lässt sich die Form einer zirkulären oder gar die Wunder-Frage recht schnell lernen. Die Praktiker sollten allerdings nicht nur wissen, wie es geht, sondern auch: Warum? Wann? Wann nicht? Und was tun, wenn … passiert? Man darf das so verstehen, man muss es aber nicht. Dieses Buch steht gleichsam für sich selbst.

Die Autoren liefern mit diesem neuen Buch den Kontext, die erkenntnistheoretischen und systemtheoretischen Grundlagen für eine gelingende Praxis. Dazu gehört der Konstruktivismus, aber nicht die radikale Variante, jeder Mensch eine Insel, die in manchen Praktikerzirkeln noch immer herum spukt, sondern die geläuterte soziale: Wir werden sozialisiert, leben immer in sozialen Bezügen, benutzen weitgehend die gleiche Sprache, teilen die gleiche Kultur. Ebenfalls gehört die Systemtheorie dazu. Oder sind das etwa verschiedene Ansätze, die man unterscheiden kann?

Neben der Theorie sozialer Systeme lernen die Leser die Theorie komplexer dynamischer Systeme sowie narrative Theorien kennen. Der Sinnbegriff erweist sich bezüglich dieser Theorien als übergreifende Klammer.Im dritten Kapitel werden nun die Logiken dargestellt.

10 Logiken

  1. Erwartungen und Wünsche wollen aufgegriffen werden, wozu es eine Bündnisrhetorik braucht, die Sicherheit gibt.
  2. Der Verzicht auf zielgerichtete Veränderung öffnet den Raum für Selbstorganisation.
  3. Der Verzicht auf personenbezogene Zurechnung bedeutet jedoch nicht, in Verantwortungslosigkeit zu verfallen.
  4. Ein engagierter Austausch von Wirklichkeitsbeschreibungen führt zwangläufig zum Diktum Heinz von Foersters: Vermehre die Möglichkeiten!
  5. Erwartungs-Erwartungen sind ein Nebel, der gelichtet werden will.
  6. Es wird alles immer nur von einem Beobachter gesagt, es gibt keinen archimedischen Punkt außerhalb unserer Welt.
  7. Problemtrancen gilt es aufzuhellen und zu verstören.
  8. Alternative Geschichten wollen gefunden werden.
  9. Anwalt der Ambivalenz zu sein, bedeutet, einen gesunden Skeptizismus zu pflegen.
  10. Selbstreferenz: Lerne, ein guter Beobachter deiner selbst zu werden.

Von dort aus entsteht wie von selbst eine Praxis, die „im Gespräch auf eine wertschätzende Weise eine[n] Unterschied zu der Beschreibung des Gegenübers ein[…]führt […], der tatsächlich einen Unterschied ‚macht‘“ (S. 114).

Im vierten Kapitel werden Settings systemischer Interventionen ausgebreitet: Von der Familie über die Paarbeziehung, Einzelpersonen, die Mediation bis zu Settings im Kontext Organisation. Wie schon im Kapitel zuvor, erfolgt dies nicht, ohne immer wieder kleine Fallvignetten einzustreuen, so dass sich die Leser bildlich vorstellen können, was die Prinzipien in der Praxis bedeuten sollen.

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