2. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Duz-Kultur

KRITIK: Ich habe eine Weile überlegt, ob ich das Thema aufgreifen soll. Weil es immer wieder diskutiert wird, könnte ja ein etwas wissenschaftlicherer Blick nicht schaden, dachte ich. Es geht um die Frage: Was möchten eigentlich die Mitarbeiter? Und wie wollen Bewerber und Kunden angesprochen werden?

  1. 1.300 Personen wurden online befragt, zur Auswahl hatten sie a) Der Arbeitgeber überlässt es seinen Mitarbeitern, ob und wen sie duzen oder siezen; b) Der Arbeitgeber schreibt Siezen vor; c) Der Arbeitgeber schreibt Duzen vor.
  2. Im zweiten Teil ging es um das Duzen von Bewerbern, und zwar a) in der Stellenanzeige; b) im Einstellungsinterview (aus Sicht des Bewerbers); c) aus Sicht des Interviewers.
  3. In Teil 3 schließlich wurde aus Kundensicht gefragt: a) Ob man es gut findet, wenn man persönlich bekannte Kunden duzt bzw. b) Ob man es gut findet, dass grundsätzlich Kunden gesiezt werden, auch wenn man sich persönlich kennt.

Unabhängig vom Alter oder Status (Praktikant, Führungskraft, Mitarbeiter) wird es wenig geschätzt, wenn ein Unternehmen die Anrede vorschreibt, wobei es etwas mehr akzeptiert wird, wenn das Duzen verordnet wird. Ziemlich nachvollziehbar, oder? Ich persönlich fände es extrem seltsam, wenn mir mein Arbeitgeber vorschreiben würde, meine Kollegen zu siezen, auch wenn ich sie schon 20 Jahre kenne und mehr Zeit als mit jedem anderen mit ihnen verbringe. Alle duzen zu müssen fände ich auch seltsam, aber letztlich könnte ich damit umgehen. Es den Mitarbeiter freizustellen, findet nicht sonderlich überraschend die höchste Zustimmung.


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Bei den Bewerbern ist die Sache noch eindeutiger: Hier mag niemand das Duzen. Und bei den Kunden möchte man nicht vorgeschrieben bekommen, ob man diese duzt oder siezt, wobei ein verbindliches Siezen weniger abgelehnt wird.

Ein Fazit aus der Umfrage: Überlassen Sie es Ihren Mitarbeitern, wie sie Kollegen und Kunden ansprechen. Wenn Sie aber unbedingt etwas vorgeben wollen (warum auch immer), dann eher das Duzen, allerdings in der Ansprache von Bewerbern und Kunden lieber das Siezen.

Es gab noch eine zweite Studie. Dabei sollten 297 Studierende eine Stellenanzeige eines fiktiven Unternehmens bewerten. Es gab zwei Versionen, die sich nur durch die Anrede „Du“ oder „Sie“ unterschieden. Ein Resultat: Beim Du wird das Unternehmen als eher modern, die Kollegen eher freundlich und die Führung eher mitarbeiterorientiert eingeschätzt. Beim Sie wird das Unternehmen und die Kollegen als eher leistungsstark und die Führung als eher aufgabenorientierten bewertet.

Fazit der Autoren: Diese Erkenntnisse sind durchaus interessant für die Praxis. Unternehmen sollten sich überlegen, wie sie gesehen werden wollen. Die Anrede in Stellenanzeigen hat eine Wirkung, je nach Anrede werden andere Bewerber angelockt. Allgemein macht man aber weniger falsch, wenn man in den Stellenanzeigen beim Sie bleibt.

Für mich wäre das Fazit: Nur wenn ich im Unternehmen ohnehin eine „Duz-Kultur“ habe, sollte ich konsequenterweise auch Bewerber duzen. Ich denke, in den meisten Start-ups ist das gar keine Frage und wird ohnehin so praktiziert. Schwierig wird es, wenn ein Konzern modern erscheinen möchte und nun das Du „verschreibt“. Warum sollte er aber dann Bewerber siezen? Für alle anderen gilt: Im Zweifelsfall die Bewerber besser mit dem Sie ansprechen.

Eine ganz andere Frage stellt sich mir allerdings: Warum hat man nur danach gefragt, wie man es findet, wenn eine bestimmte Anrede vorgeschrieben wird? Interessant fände ich zu fragen, wie man es findet, in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem sich die Kollegen duzen. Dass ich mir das ungern vorschreiben lasse, ist doch klar. Aber was wäre, wenn es einfach so üblich ist, weil es vielleicht schon immer so war?

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