14. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Edutainment

KRITIK: Irgendwie verblüffend – Motivationstrainern gelingt es auch heute noch, viele Menschen in ihren Bann zu ziehen und mit ihrer Show jede Menge Folgeseminare zu verkaufen. Was sie auszeichnet? Sie sind gute Verkäufer, das ist das ganze Geheimnis.

In der Wirtschaftswoche werden sie „Die Prediger des Erfolgs“ genannt. Ihre Protagonisten haben, nicht allzu überraschend, in der Regel weniger einen pädagogischen oder psychologischen Ausbildungsgang hinter sich, sondern sind klassische Verkäufer. Nur verkaufen sie eben keine Autos oder Finanzprodukte, sondern Seminare. Was mich dabei nach wie vor erstaunt: Menschen zahlen dafür, dass sie sich anschließend etwas verkaufen lassen. So als ob man Eintritt für Tupper-Partys verlangen würde, aber jeder sofort erkennt, dass es sich doch um eine Verkaufsveranstaltung handelt.

Andererseits: Warum nicht? Man bezahlt für die Show, den unterhaltsamen Abend. „Edutainment“ heißt der Begriff, und dazu stehen sie auch, die Motivations-Gurus. Sie wollen auf unterhaltsame Weise den Menschen etwas vermitteln. Klar, denke ich, so manchem „Lehrenden“ stünde es nicht schlecht, wenn er statt trockener Darbietung von Inhalten etwas Abwechslung und Spaß in seine „Vorträge“ brächte. Vorausgesetzt, die Inhalte halten, was sie versprechen. Wenn ich einen Vortrag über eine neue Behandlungsmethode besuche, dann möchte ich wirklich Neues erfahren, was Hand und Fuß hat und vor allem keine reine Werbemaßnahme ist, sondern mir alle Aspekte des Themas vermittelt. Und wenn ich dabei noch Spaß habe – warum nicht?

Aber was vermitteln diese Motivationsshows? Wohl kaum etwas Neues, sondern die stets gleichen alten Botschaften. Dass man die richtigen Glaubenssätze braucht, dass man positiv durchs Leben laufen soll, dass man sein Schicksal selbst in der Hand hat… blablabla… – was ja zum Teil stimmt, aber eben nur zum Teil. Herkunft, Bildung und Intelligenz spielen ebenso eine Rolle wie Motivation und Wille, statistisch gesehen eben sogar eine größere. Aber das werden die Verkäufer kaum erzählen. Jemand, der mir ein Finanzprodukt verkauft, wird mir auch nicht alle „Nebenwirkungen“ preisgeben so wie mir der Autoverkäufer nicht erkären wird, warum ein bestimmtes Modell sowohl zu groß für mich ist als auch vermutlich zu teuer. Und schon gar nicht, wie groß der Wertverlust im ersten Jahr ist und wie viel sinnvoller es wäre, einen Jahreswagen zu erwerben.

Bleibt die Frage, warum Motivationstrainer nach wie vor ganze Hallen füllen, während Verkäufer von Putzmitteln und Kochautomaten maximal ein Wohnimmer voll bekommen. Vermutlich nicht nur, weil sie eine gute Show abziehen. Sondern weil sie Träume verkaufen, die deutlich verlockender sind als die Vorstellung von sauberen Fenstern oder Zeitersparnis beim Kochvorgang. Einen Abend lang vom großen Erfolg träumen, das ist offenbar schon einen Eintrittspreis wert. Dazu kommt das Erlebnis in der Menge – sonst könnte man sich ja auch die Aufzeichnungen im Internet anschauen.

Ganz praktisch: Die selbsternannten Erfolgscoachs verkaufen ihre Botschaft, ihre Bücher und ihre Seminare, andere wiederum schreiben dazu Bücher, warum all das nicht funktioniert (Wie Sie garantiert nicht erfolgreich werden) und lassen sich interviewen, so lebt die Szene und ernährt ihre jeweiligen Protagonisten.

Bleibt ein guter Tipp: Wenn Sie schon auf eine solche Verkaufsshow gehen, dann buchen Sie nicht noch am gleichen Abend ein Folgeseminar, sondern schlafen eine oder zwei Nächte darüber. Wenn Sie dann immer noch glauben, das „Produkt“ wirklich erwerben zu wollen, dann muss es wohl sein. Ansonsten freuen Sie sich, dass sie einen netten Abend verbracht haben.

Übrigens: Heute scheint es ja noch ganz neue Varianten der Motivationsshows zu geben: Man lässt gleich mehrere dieser Vertreter auftreten, verpflichtet ein ganz prominentes Gesicht wie einen Ex-US-Präsidenten und stellt das ganz unter ein plakatives Motto – und auch dann strömen die Massen. Und erklären nachher, wie wunderbar der Abend war, auch wenn die Botschaften doch arg platt waren…

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