24. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Gefühl der Fürsorge

PRAXIS: Der Chef, der einen mit großen Augen anschaut, nachdem man einen Gefühlsausbruch hatte, ist nach wie vor keine Ausnahme. Wenn dann noch die Klassiker kommen – „Es gibt doch keinen Grund…“ (Herabsetzen), „Das passiert doch jedem mal… (Verharmlosen), „Es könnte viel schlimmer kommen…“ (Problem leugnen), „Vielleicht sollten Sie mal eine Pause machen… (Scheinlösungen) oder „Sehen Sie es doch positiv… (Toxische Positivität) – dann kann man sicher sein, dass alles nur noch schlimmer wird. Wobei all das viel mit falsch verstandener Fürsorge zu tun hat oder einfach mit Hilflosigkeit.

Was also tun, wenn Mitarbeiter sichtlich angegriffen sind, bedrückt, leicht gereizt, betroffen, verstimmt…? Mit der richtigen Reaktion dafür sorgen, dass sie sich gehört und unterstützt fühlen. Sechs Möglichkeiten hierzu bietet die Autorin im Harvard Business Manager (Sprechen wir über Emotionen).


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  1. Das, was der Mitarbeiter äußert, ernst nehmen, die Gefühle anerkennen. Schon klar, aber wie macht man das? Z.B. mit Sätzen wie „Kann ich nachvollziehen.“ Wenn Sie es denn tatsächlich können. Was, wenn nicht? Warum nicht sagen: „Oh, damit habe ich nicht gerechnet… das habe ich nicht erwartet“ Oder gar: „Da weiß ich im Moment nicht, was ich sagen soll…“ Ehrlichkeit ist hier wohl das Wichtigste.
  2. Verständnis erlangen, indem man z.B. fragt, ob der andere mehr erzählen möchte. Und ihm natürlich die Zeit dazu einräumt. Das geht nicht auf dem Gang oder zwischen zwei dringenden Telefonaten. Wenn es gar nicht passt, dann auch hier ehrlich sein und anbieten, zu einem konkreten Zeitpunkt auf denjenigen zuzugehen – und das auch wirklich tun.
  3. Unterstützung anbieten: Hiermit ist kein „guter Rat“ gemeint, sondern die ernsthafte Frage: „Wie kann ich dich am besten unterstützen?“ oder „Was würde dir jetzt helfen?“ Selbst wenn dem anderen dazu (noch) nichts einfällt – allein das Angebot kann schon sehr entlastend wirken.
  4. Hilfe konkret machen: Wenn Sie eine Idee haben, was hilfreich sein könnte, bieten sie die Hilfe an, aber nicht im Sinne von: „Jetzt machen Sie erst mal…“ oder „Ich werde jetzt für Sie…“, sondern fragen: „Wäre jetzt XY hilfreich?“ Die Entscheidung, die Hilfe anzunehmen, liegt beim anderen.
  5. Eine Perspektive bieten: Manchmal fällt uns in dieser Situation ein, was uns oder jemandem, den wir kennen, bei ähnlichen Problemen geholfen hat. Da ist die Versuchung groß, genau das vorzuschlagen: „Ich hatte auch einmal…“ Aber der Weg kann für den anderen der völlig falsche sein. Also auch hier fragen: „Wäre es für Sie gut zu hören, was mir in einer solchen Situation mal geholfen hat?“
  6. Respekt zollen: Vielen Menschen ist es im Nachhinein unangenehm, wenn sie emotional geworden sind. Es hilft sehr, wenn man ihnen vermittelt, dass es nicht nur in Ordnung war, sondern dass man das Verhalten hoch einschätzt: „Ich kann mir vorstellen, dass es alles andere als leicht war, das zu erzählen. Danke, dass Sie mir das anvertraut haben.“

Ist gar nicht so schwer, oder? Voraussetzung: Eine Grundhaltung, die akzeptiert, dass Gefühle alltäglich sind, auch im Berufsleben. Und ja: Das sind keineswegs nur Tipps für Führungskräfte – sie gelten für jeden, der mitbekommt, dass ein Kollege gerade keine gute Zeit hat.

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