17. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Offenheit üben

INSPIRATION: Ob im Beruf oder im Privatleben – prallen unterschiedliche Ansichten aufeinander, leiden die Beziehungen und im schlimmsten Fall entwickeln sich Feindschaften. Dabei sind Meinungsverschiedenheiten extrem wichtig, um Fortschritte zu erzielen. Einige Tipps für alle, die daran arbeiten möchten, in Diskussionen erfolgreicher zu agieren. Manche dieser Hinweise lassen sich im täglichen Miteinander umsetzen, andere muss man regelrecht trainieren, am besten im Team mit Moderator.

Vorab einige interessante Erkenntnisse, die ein wenig erklären, warum es uns oft so schwer fällt, mit gegenteiligen Meinungen umzugehen. Wir gehen häufig davon aus, dass wir die Fakten kennen, die andere Seite natürlich nicht. Wir wissen also, was richtig ist, der andere nicht. Wir vermuten, dass der andere unfähig ist, Fehler einzugestehen. Wir sind zudem überzeugt, dass wir die Debatte gewinnen werden. Laut einer Studie erwarten drei Viertel der Befragten, die ein kontroverses Thema vor sich haben, dass sie sich durchsetzen werden – was schon logisch nicht möglich ist (Diskutieren, ohne zu streiten). Und wir haben ein verzerrtes Bild von Vertretern anderer Meinungen. Studien zeigen, dass z.B. Anhänger der Republikaner glauben, dass über die Hälfte der Demokraten Polizisten für schlechte Menschen halten, tatsächlich denken das nur 20%.


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Auch menschlich: Wir fürchten uns vor Konflikten, unter anderen auch deshalb, weil wir unsere negativen Gefühle bei Meinungsverschiedenheiten überschätzen. Auch hierzu gibt es Studien, bei denen Menschen befragt wurden, was sie wohl empfinden werden, wenn Donald Trump vereidigt wird, und später gefragt wurde, was sie tatsächlich empfunden hatten.

Besser streiten lernen

Wie kann man sich nun besser vorbereiten auf solche Auseinandersetzungen? Hier erst einmal Übungen, die man im Training anbieten kann:

  • Lassen Sie Teilnehmer, die eine bestimmte Ansicht vertreten, darüber brainstormen, welche Vorurteile die andere Gruppe wohl über sie hat und umgekehrt. Anschließend konfrontieren Sie die Gruppen mit den vermeintlichen Vorurteilen. Dabei werden die Gruppen erstaunt feststellen, wie sie von den anderen gesehen werden. Der Austausch darüber kann sehr erhellend sein (Spiegelbild).
  • Konfrontieren Sie Gruppen mit Aussagen, denen sie zustimmen und lassen Sie diese dann einschätzen, wie viele der „gegnerischen“ Gruppe der Aussage wohl zustimmen werden – und umgekehrt. Dann konfrontieren Sie die Gruppen mit den Zustimmungsraten der anderen. Dabei werden beide feststellen, dass es deutlich mehr Gemeinsamkeiten gibt als angenommen.
  • Lassen Sie Teilnehmer Formulierungen einüben, die Offenheit signalisieren, indem sie z.B. Gemeinsamkeiten hervorheben („Wir denken also beide, dass …“), die Sichtweise des anderen nachvollziehen („Sie meinen also, dass …“), die eigenen Argumente positiv formulieren („Es wäre gut, wenn …“ statt „Wenn keiner sich impfen lässt, dann …“) und die eigenen Argumente relativieren („Es könnte sein, dass …“, „Häufig ist es so, dass …“)

Daraus leiten sich dann auch Tipps ab, die jeder von uns im Alltag umsetzen kann. So banal sie mitunter klingen – sich bewusst zu machen, dass ich selbst einen großen Einfluss darauf habe, wie ein schwieriges Gespräch bzw. eine Auseinandersetzung verläuft, hilft schon ungemein.

Einige Hinweise für den Alltag

  • Neugierig sein – Gehen Sie in die Diskussion mit dem Ziel, die Beweggründe des anderen zu verstehen statt mit der Absicht, ihn zu „bezwingen“. Allein das fällt schon ungemein schwer.
  • Nach Gemeinsamkeiten suchen: Wenn Sie sich darauf fokussieren, worin Sie sich beide einig sind statt auf das, was Sie trennt, werden Sie feststellen, wie viel offener am Ende beide Seiten sind. Hier hilft auch darauf zu achten (und darauf hinzuweisen), welche übergeordneten Ziele beide verfolgen.
  • Die Diskussion als Lernchance begreifen. Das passt zur Neugier – wenn Sie in die Auseinandersetzung gehen mit der Absicht, etwas Neues zu erfahren statt die eigene Meinung durchzusetzen, werden Sie eine andere Atmosphäre erzeugen. Dazu können Sie sich schon im Vorfeld überlegen, welche Fragen geeignet sind, mehr zu erfahren und die Haltung des anderen zu verstehen.
  • Keine Angst vor Autoritätsverlust: Menschen denken, wenn sie anderen aufgeschlossen zuhören und Verständnis zeigen (was nicht zu verwechseln ist mit einverstanden sein), sie für schwach gehalten werden. Das Gegenteil ist der Fall. 

Ein letzter Tipp aus dem Beitrag im Harvard Business Manager: Wenn eine schwierige Diskussion ansteht, setzen Sie auf Frauen. Diese verwenden oft intuitiv eine Sprache, die Verständnis wahrscheinlicher macht. Soll heißen: Im Zweifel eher eine Frau als einen Mann mit der Moderation beauftragen.

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