12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Geht doch!

INSPIRATION: Die Fünftagewoche steht zur Debatte. Erste Unternehmen experimentieren mit neuen Lösungen (Fehlende Belege). So auch eine Beratungsfirma für Supply Chain Management (Freitag ist immer frei). Das Ziel: Freitags nicht mehr arbeiten zu müssen. Gute Frage: Warum? Die Antwort: „Zeit für all das zu haben, was in einer herkömmlichen Arbeitswoche immer hinten runterfällt, und sich auf das Wichtigste zu konzentrieren, das man hat – sich selbst. Den Arbeitsalltag achtsamer und bewusster zu gestalten sowie die Wertigkeit der Tätigkeiten selbst zu steigern.“

Bei Gehalt und Urlaub bleibt alles beim Alten. Dafür arbeiten die Beschäftigen an den anderen vier Tagen neun Stunden. Doch das reicht nicht, hat man schnell gemerkt. Man muss auch die Arbeitsprozesse verbessern: Was konkret heißt, Rüst- und Leerzeiten müssen vermieden, die Arbeit mit Templates und Tools muss forciert werden. Und wenn schon zeitlich flexibel, warum dann nicht auch örtlich? Deshalb braucht es Diskussionen und auch Schulung. Eine wichtige Erkenntnis: Multitasking ist Energieverschwendung. Wenn man bei einer Sache bleibt, sozusagen im Block arbeitet, ist man effektiver. Die nächste Erkenntnis: Meetings beginnen erst um „Viertel nach“, enden aber um „Voll“. So hat man Zeit zum Durchatmen. Ein Ampelsystem signalisiert den Kolleg:innen, ob man ansprechbar ist. Wöchentliche Jour fixes fördern den Austausch. Und den Freitag nutzt man für Teamevents. Da werden berufliche, aber auch private Themen besprochen oder Konzepte entwickelt.

Experimentalphase

Letztlich hat die Umstellung sechs Wochen gedauert. So mussten auch Arbeitsverträge angepasst werden. Der Freitag wird inzwischen auch als persönliches Ventil genutzt. All das muss sich nun noch einspielen. Und der alte Mythos von der 80-Stundenwoche als Statussymbol blitzt immer mal wieder durch. Ein Thema, das jetzt auch bei der Personalauswahl wichtig wird. Aber schon jetzt zeichnet sich ab: Mitarbeitende und Arbeitgeber sind zufrieden mit der neuen Regelung. Man hat auch entspannter festgestellt, letztlich geht es nicht um freitags frei oder nicht, sondern um den Freiraum als Idee dahinter. Und so hat man noch ein paar weitere New-Work-Ideen im Köcher.

Noch eine tolle Idee: Die Mitarbeiter entscheiden frei über ihren Urlaub (Vertrauensurlaub). Nicht nur: Wann? Sondern auch: Wie viel? Im Start-up-Milieu scheint die Praxis schon Liebhaber:innen zu finden. Das könnte die Mitarbeiterbindung erhöhen, die Motivation steigern und auch im Recruiting ein As auf der Hand abgeben: Von der Vertrauensarbeitszeit zum Vertrauensurlaub.

Nichts ohne Anwalt

Doch lauern hier einige juristische Fallstricke: Es gibt schließlich einen gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Tagen. Da kann man nicht drunter gehen. Ins nächste Jahr verschieben oder sich auszahlen lassen, solche Dinge sind kritisch. Dito: Krankheit, Elternzeit, Probezeit. Und was ist bei Kündigung? Der Arbeitgeber muss hier klare Regelungen einführen und auch Missbrauch vorbeugen – am besten mit einem vertraglichen Widerrufsrecht. Zudem sind die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats zu berücksichtigen. Oder auch tarifvertragliche Regelungen. Die Idee erscheint verlockend, aber es braucht juristischen Sachverstand, damit man rechtssichere Lösungen umsetzt. 

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