25. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Grenzenlose Auswahl

INSPIRATION: Da ist es mal wieder: Verweichlichte Jugend, nicht belastbar, hält keinem Druck stand. Ist das so? Studien führen zu der Vermutung, dass junge Leute tatsächlich stärkeren Stress empfinden als ältere, fast die Hälfte zwischen 24 und 29 klagt darüber, während es bei den Älteren über 50 gerade mal jeder fünfte ist (Die Angst vorm Ausbrennen).

Die Gründe dafür sind schnell ausgemacht. Oder doch nicht? Natürlich frage ich mich erst mal, ob ähnliche Studien vor 30 Jahren nicht zu der gleichen Erkenntnis gelangt sind oder wären, wenn es sie denn gegeben hat. Wobei – wenn ich mich an meinen Einstieg ins Berufsleben erinnere, dann war das mit dem Stress überschaubar. Die Botschaft der Älteren lautete eher: „Immer schön mit der Ruhe, nichts überstürzen.“


Anzeige:

Machen Sie Ihr Unternehmen zukunftssicherer: Lesen Sie "Bright Future Business", das neue Buch von Prof. Dr. Pero Mićić. Erfahren Sie, welche acht Eigenschaften ein zukunftssicheres Unternehmen ausmachen und wie man sie als Masterplan für die Entwicklung des eigenen Unternehmens wie auch als Checkliste für Investments nutzt. Zum Buch...


Was könnte sich wirklich geändert haben?

Zum einen die Position der jungen Leute. Sie sind gefragt, wissen um ihre Macht. Und sind vermutlich eher bereit, auch negative Dinge anzusprechen, was Arbeitnehmer in früheren Jahren sich nicht getraut hätten. Also nur mehr Klagen, aber kein wirklicher Unterschied?

Corona könnte einen massiven Einfluss gehabt haben, die Pandemie und die fehlenden sozialen Kontakte am Arbeitsplatz dürften tatsächlich eine Rolle spielen. Ebenso wie das Verschwimmen der beruflichen und privaten Grenzen. Immer und von überall arbeiten zu können, bedeutet einerseits Freiheit, andererseits führt es aber auch dazu, dass man sich viel schwerer abgrenzen kann. Wenn ich die Möglichkeit habe, mich einen Nachmittag rauszuziehen, um private Dinge zu erledigen, dann darf ich mich nicht wundern, wenn ich dafür am Abend vor dem Rechner sitze. Um dann festzustellen, dass ich eigentlich nie Feierabend habe. Den hatten wir „Älteren“ schon, oder?

Dann ist da noch die gestiegene Autonomie, die mit der genannten Flexibilität zusammenhängt. Die Rede ist von flachen Hierarchien und agilen Arbeitsmethoden. Wenn da kein Vorgesetzter mehr ist, der einen an die Hand nimmt und genau vorschreibt, was zu tun ist, dann muss man selbst entscheiden und die Verantwortung tragen. So schön das einerseits für junge Erwachsene ist, so belastend kann das auch sein. Wobei das sicher auch mit der Persönlichkeit und den Erfahrungen zusammen hängt.

Die Qual der Wahl

Apropos Entscheidungen treffen: Das ist aus meiner Sicht der schwerwiegendste Grund für ein vermehrtes Stresserleben. Es gibt einfach viel mehr Möglichkeiten, zu viele vielleicht. Sich selbstständig machen, als Angestellter starten, Start-up oder Konzern, erst mal nur in Teilzeit, vielleicht doch ins Ausland? Will ich überhaupt gleich ins Berufsleben einsteigen? Manch einer hat schon mit jungen Jahren den Luxus, auch diese Wahl treffen zu können. Was mit dem erstaunlichen Phänomen des FOMO (Fear of missing out) korreliert: Irgendwo könnte etwas noch Besseres auf mich warten, das ich womöglich verpasse, wenn ich mich jetzt entscheide. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich früher diese Sorge hatte – heute, als Älterer, erlebe ich es selbst. Und denke deshalb, es ist eher ein Zeitphänomen als ein Problem des Alters.

Und schließlich: Die junge Generation könnte die erste seit längerer Zeit sein, deren Zukunftsaussichten wieder schlechter sind als die der vorangegangenen. Trotz aller Verlockungen und Versprechungen: Man fragt sich in der Tat, wie es zumindest in Sachen Wohlstand, Freizeit, Ernährung, Gesundheit usw. noch besser werden kann? Es wird vermutlich eher darum gehen, Krisen zu bewältigen und den aktuellen Stand so gut es geht aufrecht zu erhalten – da könnten Zukunftsängste den Stress durchaus erhöhen. Wobei ich kürzlich gelesen habe, dass sich die ältere Generation deutlich mehr Sorgen darüber macht als die jüngere.

Bleibt noch die Frage, was man tun kann? In dem Beitrag der Wirtschaftswoche wird den Arbeitgebern empfohlen, Verständnis für die Sorgen zu entwickeln und mit den Mitarbeitenden Lösungen zu entwickeln. Wobei man bloß keine Unterschiede zwischen Jung und Alt machen sollte, sondern die Maßnahmen für alle entwickeln muss. Sonst wird man auch noch diejenigen entmutigen, die sich bis jetzt nicht beklagen. Was junge Leute tun können, bleibt hier offen…

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert