13. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Großzügig ausmisten

INSPIRATION: In Organisationen ist es nicht anders als im „richtigen Leben“. Da sammeln sich im Laufe der Jahre viele Dinge an, von denen wir uns äußerst ungern trennen. Das hat viele Gründe, die man hin und wieder hinterfragen sollte, um sich vom Ballast zu befreien und gerade den engagierten Mitarbeitern „Luft zum Atmen“ zu verschaffen.

Die Analogie ist einprägsam. Öffnen Sie mal Schubladen und schauen Sie in Schränke und stellen Sie sich die berühmte Frage: „Trägt der jeweilige Gegenstand zu meinem Glück bei?“ Natürlich werden Sie bei vielen eher zu einem Nein tendieren – und ihn trotzdem nicht entsorgen. Warum nur? Es gibt einige psychologische Erklärungsansätze (Time to kehr), als da wären:


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  • Eine Tendenz zum Sammeln, die wohl in unseren Genen liegt. Stammt noch aus der Zeit, in der man auf schlechte Zeiten vorbereitet sein musste. Passt heute nicht mehr wirklich, oder? Außer man sammelt etwas Bestimmtes aus Leidenschaft und ganz bewusst, aber ich habe den Eindruck, dieses Hobby wird seltener.
  • Besitztumseffekt, auch Endowment-Effekt genannt. Wir bewerten das, was wir besitzen, höher als das, was wir nicht unser Eigentum nennen. Weil wir sonst ziemlich unzufrieden wären, denn dann müssten wir ja ständig mit dem Gefühl durch die Welt laufen, dass wir beim Erwerb eine Fehlentscheidung getroffen haben und weniger wertvolle Dinge besitzen.
  • Ikea-Effekt – den Namen hatte ich noch nicht gehört, bedeutet, dass wir Dinge, die wir selbst zusammengebaut haben, höher bewerten.
  • Verlustaversion: Wenn wir etwas wegwerfen, wird es uns fehlen, und wir wissen nicht, was wir stattdessen bekommen. Deshalb fürchten wir den Verlust und behalten etwas lieber als das Risiko einzugehen, bei einer „Neuanschaffung“ wirklich etwas zu gewinnen.
  • Unterlassungseffekt: Etwas nicht zu tun schätzen wir als weniger riskant ein als zu handeln. Man muss nichts tun, um Dinge zu behalten, während Wegwerfen eine aktive Handlung ist. Wenn man mal genau hinschaut, stimmt es ja wirklich: Unterlassung wird deutlich seltener geahndet als aktives Handeln.

All das kann man mit wenig Fantasie auch auf Regeln und Rituale in Organisationen übertragen. Zum Beispiel auf Besprechungen, Entscheidungswege, Vorschriften, Organigramme usw. So wie die Dinge, die wir horten, haben auch diese mal einen Sinn gehabt, aber oft werden sie beibehalten, selbst wenn ihr Zweck verloren gegangen ist. Und dann erhöhen sie nur die Komplexität, weil Mitarbeiter sich nicht nur um die eigentlichen Aufgaben, sondern auch noch um das Befolgen sinnloser Regeln kümmern müssen. So wie in dem Beispiel, bei dem Mitarbeiter Investitionen ab einer bestimmten Höhe aufwändig beantragen mussten. Wie reagierten sie? Sie stückelten die Anträge und alle verloren den Überblick.

Nicht gut, sagen Experten, gerade in Zeiten, in denen Flexibilität gefragt ist. Und wo Fachkräfte rar sind. Die nämlich werden arg gebremst durch überkommene Regeln und Rituale, und wenn sie diese hinterfragen und auf Verständnislosigkeit treffen, wenden sie sich rasch wieder ab. Auch da gibt es Parallelen: Ziehen Sie mal mit einem neuen Partner zusammen, der wird sich bei so manchem Gegenstand, den er beim Einzug in die Finger bekommt, wundern, warum Sie ihn behalten. Wenn Sie dann darauf bestehen, wird ihre Wohnung schnell aus allen Nähten platzen.

Die richtigen Fragen stellen

Was also tun? Da gibt es nun eine ganze Reihe von Tipps, angefangen damit, die richtigen Fragen zu stellen. Z.B.: „Was von dem, was wir heute tun, würden wir erst gar nicht mehr anfangen, wenn wir es nicht schon täten?“ Oder: „Für was, was wir heute tun, würden unsere Kunden eine Rechnung bezahlen?“ Oder: „Was wür…

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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