13. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Völlig unverständlich

KRITIK: Sollen Top-Manager viel Geld verdienen? Na klar. Und wer sollte ihr Gehalt festlegen? Die Besitzer der Unternehmen natürlich. So weit, so gut. Zu dumm nur, dass diese die Gehaltsmodelle selbst nicht verstehen und auf die Empfehlungen von „Vergütungsexperten“ hören. Diese wiederum empfehlen das, was Ökonomen schon länger für unsinnig halten.

Das klingt seltsam? Am Beispiel des neuen Gesetzes über die Mitbestimmung der Aktionäre zeigt die Wirtschaftswoche auf, wie das Spiel funktioniert (Die große Verschwendung). Das gibt es schon länger in der Schweiz und wurde nach einem Volksbegehren gegen die zu hohen Managergehälter eingeführt. Die Idee klingt verlockend: Besitzer der Unternehmen sind die Aktionäre, also lässt man sie auf der Hauptversammlung über die Gehälter des Vorstandes abstimmen. Da sie ein großes interesse daran haben sollten, dass diese nicht zu viel Geld einstecken, müsste das doch zu mehr Transparenz und zu sinkenden Gehältern führen.

Tut es aber nicht. Zum einen haben Aktionäre so viele Stimmen wie Anteile, also entscheiden letztlich die großen Investoren oder ein „dominanter Ankeraktionär“. Der Kleinaktionär, dem das vielleicht gegen den Strich geht, wird nie eine Mehrheit finden. So viel zum Thema Demokratie. Bleibt die Frage, warum die großen Aktionäre den hohen Gehältern zustimmen.

Eine Erklärung lautet: Niemand versteht genau, wie sich die Entlohnungen des Top-Managements zusammensetzen. Da werden irgendwelche Kennzahlen festgelegt, an denen sich die variablen Bestandteile orientieren, und die machen z.B. in der Schweiz ca. drei Viertel des Gehalts aus. Vorstandsmitglieder erhalte in der Alpenrepublik im Schnitt 7,8 Millionen Euro, das ist ein Spitzenwert in Europa.

Nun fragt man sich doch, warum denn diese Systeme so kompliziert sind, so dass sie „ohne Fachausbildung kaum noch zu verstehen sind.“ Das wiederum liegt daran, dass die von Beratern nach wie vor verbreitete Ansicht übernommen wird, dass Leistung und Ergebnis (verstanden als betriebswirtschaftliche Kennzahl) in einem engen Zusammenhang stehen. Weil man irgendwann festgestellt hat, dass es nicht gut ist, wenn man eine einfache Kennzahl (z.B. den Umsatz, den Gewinn, den Aktienkurs oder was auch immer) verwendet, entwickelte man immer komplexere Modelle. Das Ergebnis: Am Ende liegt die ermittelte Zahl „erstaunlich nahe am oberen Ende des Möglichen.“

Um das zu ändern, müsste die Grundannahme in Frage gestellt werden: Führt die Aussicht auf ein hohes Gehalt (selbst wenn man nicht mehr versteht, wie es sich zusammensetzt) dazu, dass sich der Top-Manager richtig ins Zeug legt? Auch das kann so wirklich niemand beantworten. Wohl aber weiß man, dass der Manager ein Auge auf die wesentlichen Kennzahlen wirft und in seinem Verhalten sich vor allem danach ausrichtet. Und auch das ist sicher richtig: „Wenn sich Leistung nur noch in Geld ausdrückt, dann zieht das Charaktere an, denen es nur ums Geld geht.“ Sagt ein Schweizer Wissenschaftler. „Das System ernährt sich offenbar selbst.“ (Bruno Frey im Interview mit der WiWo)

Bleibt eine letzte Frage: Warum übernehmen dann nicht die Berater diese Erkenntnisse und vertreten das, was die Ökonomen empfehlen, z.B. hohe Fixgehälter und ansonsten nur noch Erfolgsbeteiligungen, wie sie auch die anderen Mitarbeiter erhalten? Tja, dann könnten sie ihre komplizierten Modelle verschrotten und müssten um Aufträge bangen. Und so wird wohl auch die Änderung im deutschen Gesetz nur zu frustrierten Kleinanlegern und kaum zu durchschaubaren Vergütungsmodellen für Vorstände führen.

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