22. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Harmlose Normverletzung

INSPIRATION: In Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass Menschen, die einen Witz machen, als selbstbewusster und kompetenter eingeschätzt werden. Allein schon die Aufforderung, sich an eine humorvolle Situation mit einem anderen zu erinnern, erhöht dessen Status in unserer Wahrnehmung. Mehr noch: Es gibt Studien, die nachweisen, dass Mitarbeiter von humorvollen Führungskräften zufriedener sind und sich stärker engagieren. Sollten wir also witziger sein?

Natürlich ist die Sache viel komplizierter, denn die vollständige Aussage lautet: „Humor erhöht den Status – oder schadet ihm“ (Ein Leitfaden für Humor am Arbeitsplatz). Zunächst müssen wir erst einmal klären, was Humor eigentlich genau ist. Klar – wenn Menschen etwas äußern, was sie selbst und (hoffentlich) auch andere witzig finden. Und wann finden wir etwas witzig? Wenn eine Aussage „als eine harmlose Regelverletzung\“ empfunden wird. Dann entsteht ein leichtes Gefühl von Unwohlsein, das aber nicht als Bedrohung wahrgenommen wird. Und wir denken dann: „Uih, mutig von dem anderen, der traut sich was, dazu gehört sicher eine gewisse Portion Selbstbewusstsein.“ Also steigt er in unserem Ansehen.


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Problematisch aber wird die Sache, wenn die Äußerung mangelnde Kompetenz signalisiert. Dann denken wir: „Was für ein Idiot.“ – und nix ist mit dem Statusgewinn. Können wir also Menschen ernsthaft empfehlen, mehr Humor zu zeigen? Kann man das überhaupt „auf Knopfdruck“?

Die Autoren im Harvard Business Manager sind der Ansicht, dass es nicht schaden kann, sich an der Kunst des Witzes zu versuchen und bieten sechs Varianten an. Wobei klar ist, dass stetes der Kontext ausschlaggebend ist.

  • Insiderwitze: Wenn wir anderen zuhören, die sich über etwas unterhalten, aus dem wir auf Insiderwissen schließen, dann steigen sie in unserer Achtung: „Die haben offenbar Ahnung.“ Aber wenn es sich um etwas Witziges handelt, das nur Insider verstehen, dann fühlen wir uns ausgeschlossen und erleben die Betreffenden als überheblich. Also lieber nur Witze machen, die alle verstehen.
  • Sarkasmus: Die Kunst, etwas zu sagen und das Gegenteil zu meinen. Wenn also jemand einen Fehler macht, ihm auf die Schulter klopfen und loben: „Super hingekriegt.“ Die Forschung hat herausgefunden, dass Sarkasmus die Kreativität erhöht, weil Sarkasmus unser abstraktes Denken fördert – wir müssen die Äußerungen interpretieren, das schult unser Hirn. Leider droht die Gefahr, dass die Bemerkung eben nicht verstanden wird, das führt zu Verdruss. Tipp: Nur dann einsetzen, wenn das nötige Vertrauen da ist.
  • Selbstironie: Sich über eigene Schwächen oder Fehler lustig zu machen, funktioniert prima, solche Bemerkungen fördern den Respekt der anderen. ABER: Der Fehler oder die Schwäche sollte nicht aus einem Bereich stammen, der als bedeutsam für unsere Kompetenz angesehen wird. Soll heißen: Ein Architekt sollte lieber keine Witze machen über seine mangelhaften Kenntnisse bei der Berechnung der Statik eines Gebäudes. Witzig ist wäre hingegen, wenn er sich über seine eigenen Rechtschreibfehler lustig macht.
  • Ausweichmanöver: Auch eine hohe Kunst: Auf schwierige Fragen mit Humor auszuweichen. Ein gelungener Witz lenkt von dem ursprünglichen Thema ab, stimmt uns gut gelaunt und lässt uns die fehlende Antwort verzeihen. Darauf kann man sich vielleicht vorbereiten, z.B. Politiker im Interview. Aber bei zu häufiger Anwendung werden die Witze sicher schnell schal.
  • Kritik: Auch nicht einfach ist es, eine Kritik in eine humorvolle Bemerkung zu zu verpacken. Das verletzt weniger und hilft dem anderen, das Gesicht zu wahren. Gefahr dabei: Sie wird weniger ernst genommen, der andere lacht und ändert nichts. Also im Zweifel Kritik dann doch lieber klar ansprechen.
  • Bewältigungsstrategie: Ein Witz auf eine schlechte Nachricht kann helfen, die Nachricht besser zu verdauen. Man kann nicht gleichzeitig lachen und Angst haben. Wobei es wichtig ist, dass der Humor an dieser Stelle positiv und gutmütig ist und andere nicht verletzt. Denn dann fühlen sich alle noch schlechter.

Und nun? Müssen wir alle lernen, lustiger zu sein und Witze trainieren? Mag sein, dass man so etwas üben kann, aber dann muss es uns die witzige Bemerkung auch genau in der richtigen Situation einfallen. Daher die beiden eher zurückhaltenden Tipps: Wem das Talent zum Witzemachen fehlt, der kann in der schriftlichen Kommunikation experimentieren, z.B. in E-Mails. Da hat man mehr Zeit zu überlegen, ob eine Bemerkung passt oder nicht. Tipp Nr. 2: Wertschätzen Sie den Humor anderer Menschen. Freuen Sie sich, wenn jemand eine witzige Bemerkung macht und lächeln sie. Auch damit fördern Sie den Humor am Arbeitsplatz, selbst wenn Sie selbst von der eher nüchternen Art sind.

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