INSPIRATION: Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern Verhalten genau vorschreiben, degradieren sie diese zu schlichten Ausführungsmaschinen. Und sollten sich nicht wundern, wenn diese dazu „tendieren, dem System zu beweisen, dass man weiterhin autonom ist“. Oder schlicht maximal das tun, was vorgeschrieben ist. Das mag in Zeiten des Taylorismus funktioniert haben und war sogar erwünscht. Aber auch noch heute, wo alle Welt fordert, dass die Entscheidungen vor Ort und vor allem stets im Sinne des Kunden getroffen werden sollen?
Ein schönes Beispiel bringen die Autoren der managerSeminare, das Sie vermutlich auch gut kennen: Da hängen in Treppenhäusern die Hinweise, „Handlauf benutzen“ (Harter Pol vor Regeln). Klar, das schreiben vermutlich die Sicherheitsvorschriften vor – aber führen sie dazu, dass mehr Menschen sich daran halten oder bewirken sie vielleicht sogar das Gegenteil?
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Ist das kindisch?
Klar, nun werden viele wieder sagen: Das ist doch kindisch, wenn man aus Trotz sich nicht an eine sinnvolle Regel hält – aber klar ist, dass viele solcher Regeln den selbstständig denkenden Mitarbeiter eher verhindern. Die Alternative? „Harte Pole“ formulieren und ansonsten die Entscheidungen den Mitarbeitern überlassen. Die Autoren nennen sie auch „Fixpunkte, etwas Unverrückbares – zumindest für eine gewisse Zeit“, die gesetzesartigen Charakter haben und auf jeden Fall eingehalten werden müssen.
Sie bringen auch hierfür Beispiele. Bei Mettler-Toledo galt: „Ein zugesagter Liefertermin ist unbedingt einzuhalten!“ Bei W.L.Gore & Associates gilt das Waterline-Prinzip: Jedes Vorhaben darf gestartet werden, es muss aber sichergestellt sein, dass es nicht ein „Sinken des Schiffs herbeiführt“, sprich: Das Unternehmen gefährdet. Noch ein schönes und sehr einfaches Beispiel: Bei einer regionalen Bahn bekommen die Zugführer den Text, den sie den Passagieren durchgeben, nicht mehr wörtlich vorgegeben. Der harte Pol lautet: Es muss sichergestellt werden, dass die Fahrgäste über alle unvorhergesehenen Ereignisse und alle relevanten Anschlüsse informiert werden. Wie sie das tun, entscheiden die Zugführer selbst.
Kürzlich gelesen: Bei Morning Star gilt als „harter Pol“: „Niemand soll dazu gezwungen werden, andere zu etwas zu nötigen.“
