23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Immer in Bewegung bleiben

INSPIRATION: Eine Business-Modewelle folgt auf die andere. Und was ist die Moral von der Geschicht‘? Dass das schon seit 100 Jahren so ist. Da müsste man doch so langsam das ultimative Konzept gefunden haben.

Danach sieht es aber nicht aus. Und vielleicht wäre es auch fatal: Für die Mode-Designer. Von irgendetwas müssen sie auch leben. Und die Trainer- und Beratergilde, die sich dann an die Umsetzung macht. Und die Unternehmen, die auch immer mal wieder einen neuen Vorwand brauchen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf „Vordermann“ zu bringen.


Anzeige:

Wir sind Experten für 360° Feedback-Instrumente und für Mitarbeiterbefragungen, die wirklich etwas verändern. Unser erfahrenes Team unterstützt unsere Kunden in allen Projektphasen, also von der Konzeption über die Ein- und Durchführung bis hin zur Arbeit mit den Ergebnissen. Unsere innovativen Tools sind 'Made & hosted in Germany', werden inhouse entwickelt und ständig optimiert. Neugierig? Zur Webseite...


Autor Martin Pichler (Moden kommen und gehen) hat offenbar mit viel Gewinn das letzte Buch von Stefan Kühl gelesen (Schattenorganisation). Der beschäftigt sich schon seit Anfang der 1990er-Jahre mit der spannenden Frage der Nebenwirkungen sogenannter organisationaler „Geheimrezepte“. Das neueste Managementkonzept, Agilität, neige beispielsweise dazu, unter der Hand in Hyperformalisierung umzuschlagen. Sich also ins Gegenteil zu verkehren. Wie kann das sein? Wurde uns nicht anderes versprochen? Und klang es nicht so überzeugend?

Kühl ärgere sich, „dass jede Modewelle immer nur veraltetes ‚Halbwissen‘ wiederkaue, ohne sich darum zu kümmern, was die Organisationssoziologie in der Vergangenheit schon herausgefunden habe.“ Nun, man könnte es auch nüchterner ausdrücken: Es gibt die perfekte Organisationsform an und für sich nicht. Baut man beispielsweise Hierarchie ab, stärkt man damit (hoffentlich) die Selbstorganisation. Was zu einer Politisierung und zur Zunahme interner Machtkämpfe führen kann. Die Hierarchie hatte stattdessen das Basta!-Machtwort parat. Ein Dilemma: Löst man Abteilungsgrenzen auf, bekommt man (hoffentlich) cross-divisionale Kooperation. Das kann bereichern, relativiert aber auch das andererseits dringend benötigte Expertentum.

Anleitung zum Unglücklichsein

So könnte man weitere Dilemmata benennen: Zentralisierung vs. Dezentralisierung, Authentizität vs. Rollenmanagement und so weiter. Autor Pichler gibt seiner Leserschaft einige hilfreiche Ratschläge an die Hand, um garantiert und volle Kanne in die Katastrophe zu reiten:

  • Die dicke Keule schwingen: Immer gleich zum großen Besteck greifen! Mit Kleinigkeiten und Besonderheiten hält man sich am besten nicht auf. Es braucht Drama! Also nicht unter der Drohung mit dem Weltuntergang anfangen.
  • Mit dem Rasenmäher losmarschieren: Ohne Rücksicht auf Verluste, auf spezielle Kontexte, Märkte, Situationen … Was man folglich zum Unglück benötigt, ist ein Patentrezept, ein Passe-partout für alle und jedes.
  • Vorzeigeprojekte preisen: Geschönte Case-Studies werden präsentiert – ohne Ecken und Kanten, rundgelutscht wie ein Drops. Das wünscht man sich, das gelobte Land.
  • Fluffige Sprache benutzen: „Der Inhalt einer Managementmode muss einfach erscheinen und leicht zu erfassen sein.“ Und unmittelbar überzeugen. Hier eignen sich paradoxe und schwammige Formulierungen ganz hervorragend. Sie schicken das Publikum augenblicklich in eine tiefe Zustimmungstrance.

Und wenn es dann doch nicht funktioniert hat mit dem Wundermittel? Dann braucht man einen Schuldigen! Am besten jemanden anderen, der sich nicht so gut wehren kann. Oder etwas, dass man zwar nicht so gut begreifen kann, aber wieder jemanden (Schwachen) anhängen oder unterstellen kann – wie Defizite bei innerer Haltung, Motivation, Kultur.

Im Nachhinein ist man immer schlauer

Schön am Beitrag ist eine sich über mehrere Seiten erstreckende Abbildung, die verschiedene Managementmoden am Zeitstrahl anordnet: Von „Management by objectives“ (1954) über „Lean Management (1990) bis „Golden Circle“ (2009). Es werden jeweils das Patenrezept, die Bestseller-Veröffentlichung sowie typische Schlüsselbegriffe genannt. Leider fehlen hier (neben den ersten 50 auch) die letzten zehn Jahre. – Was dann wieder nachdenklich macht: Braucht es erst eine gewisse Zeit, bis sich die Konzepte etablieren, von vielen nachgeahmt werden und sich dann die Kritik formiert und wiederum sichtbar wird?

Und spannend und hilfreich wäre gewesen, vom Autor das komplette Dashboard an „Stellschrauben“ zur Verfügung gezeigt zu bekommen. Abgeblich „gibt es laut Kühl ‚ein paar Dutzend‘ Stellschrauben, die je nach Lage der Dinge in die eine oder andere Richtung gedreht werden können.“ Na, wenn das nicht auch wieder so eine schwammige Bemerkung wäre …

Teile diesen Beitrag:

2 Gedanken zu “Immer in Bewegung bleiben

  1. Ich finde ja Alfred Kiesers Zwischenruf aus den 90igern (Rhetoric and Myth in Management Fashion) einschlägiger und nicht so selbstreferentiell wie Stefan Kühl in der letzten Zeit öfter argumentiert.

  2. • Business-Methoden kommen und gehen, weil der Zeitgeist neue Antworten will zu oftmals alten Fragen.

    • Business-Methoden kommen und gehen, weil die nachwachsende Generation „eigene Erkenntnisse“ über Wirklichkeit hat.

    • Business-Methoden kommen und gehen, weil eine neue Sau im Dorf Aufmerksamkeit auslöst.

    • Business-Methoden kommen und gehen, weil viele Berater und Führungskräftegskräfte schlecht ausgebildet sind über Unternehmensführung .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert