13. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Kollegiale Beratung – systemisch

REZENSION: Christiane Schiersmann / Marcus B. Hausner – Kollegiale Beratung: komplexe Situationen gemeinsam meistern. V & R 2023.

Das Konzept der kollegialen Beratung ist nicht neu. Ich erinnere mich noch gut an das Erscheinen von Kim-Oliver Tietzes Rororo-Taschenbuch im Jahr 2003 (Kollegiale Beratung) – und die Diskussion mit ihm. Sein Büchlein erscheint inzwischen in der 12. Auflage: Respekt! Zahlreiche weitere Veröffentlichungen zum Thema finden sich auf dem Markt. Warum sollte man also die Variante x+1 auf den Markt werfen? Ist nicht schon alles zum Thema gesagt?


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Das Buch der beiden Heidelberger Autor:innen macht in der Tat einen Unterschied. Denn es testet das Konzept, das wie so viele andere pragmatisch im Beratungsalltag entstanden ist, gegen die generischen Prinzipien der Synergetik: Ist das Modell der kollegialen Beratung nur Beraterlatein, möchte man die Fragestellung zuspitzen? Oder hat es Hand und Fuß – also eine solide theoretische Basis? Dort also der Rahmen aus der Systemtheorie – wie ihn Hermann Haken und Günther Schiepek schon im Jahr 2010 vorgelegt haben. Deren Theorie der Selbstorganisation und die Problemlösetheorie in der Tradition von Dietrich Dörner bilden die Basis für das Heidelberger integrative Prozessmodell für Beratung der inzwischen emeritierten Professorin für Weiterbildung und Beratung und Koautorin dieses Buchs, Christiane Schiersmann. Sie und wenige andere, wie Jürgen Kriz (Subjekt und Lebenswelt), stehen für einen systemischen Ansatz, der sich dezidiert nicht auf die populäre „Metaphysik“ von Niklas Luhmann bezieht, sondern eine – wie ich finde – deutlich schlüssigere Basis für beraterische Prozesse liefert.

Und auf der anderen Seite steht nun die Best Practice, die sich über Jahrzehnte praktisch bewährt hat: Die tausendfach durchgeführte Methode, die vielen Menschen bei der Lösung ihrer Arbeitsprobleme geholfen und zur Steigerung ihrer Arbeitsqualität beigetragen hat. Manche mögen solche Diskussionen akademisch finden. Aber es wäre akademisch im besten Wortsinn: Wissenschaft möchte doch Klarheit und Evidenzbasierung liefern. Möchte skeptisch überprüfen, ob an dem Beraterlatein etwas dran ist. Möchte dem Publikum eine Hilfestellung geben – Stiftung Warentest, sage ich mal flapsig. Die acht generischen Prinzipien der Synergetik lauten:

  1. Schaffung von Stabilitätsbedingungen
  2. Identifizierung von Mustern des relevanten Systems
  3. Sinnbezug
  4. Kontrollparameter identifizieren/Energetisierung ermöglichen
  5. Destabilisierung / Fluktuationsverstärkung realisieren
  6. Kairos beachten / Resonanz / Synchronisation
  7. Gezielte Symmetriebrechung ermöglichen
  8. Re-Stabilisierung

Dahinter steht die Überzeugung, dass „Probleme“ Muster darstellen, die sich etabliert haben und recht stabil verhalten, oft aber auch zu rigide (deshalb zum Problem) geworden sind. Durch einen gekonnten Musterwechsel kann man diese Beschränkungen auflösen und neue Möglichkeiten schaffen. Und genau diese Prozessarchitektur offenbart sich nun bei genauerer Betrachtung im Konzept der kollegialen Beratung: Nach der Problemschilderung durch den Fallbringer startet das Berater-Kollegium mit einer Assoziationsrunde. Sie öffnet also d…

Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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