24. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Jenseits des Tunnelblicks

KRITIK: OKRs gelten inzwischen als das Nonplusultra in der Arbeitswelt. Mit Objectives and Key Results trimmt man die Geschäftstätigkeit gnadenlos auf Effektivität. Doch dabei kann auch eine Menge schieflaufen.

Objectives and Key Results (OKRs) sind nicht neu. Man findet den Denkansatz schon in den 1960er-Jahren bei Peter Drucker formuliert (Vom Kopf auf die Füße). Aber er wurde in den letzten Jahrzehnten leider halbherzig umgesetzt, so der Autor Matthias Kolbusa (Klarheit und Kontrolle). Der Blick ging oft nicht weiter als bis zum Maßnahmenplan. So entstanden zwar fulminante To-do-Listen, die aber zu „Methoden- und Administrationsmonstern“ mutierten. Doch: „Gute Objectives sind Minizeitreisen“. Man muss vom Ende her denken, sich also die Frage stellen: Was soll das Ergebnis (Key Result) sein. Senkt man den Blick, verfängt man sich im Tagesgeschäft.


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Einige Fallen lauern auf dem Weg

  • OKR-Dickicht: Man ist überengagiert und will zu viel. So verliert man sich und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Hier hilft eine Strukturierung mittels Meta-OKRs.
  • Aktivitätsfixierung: Die Fixierung auf Aktivitäten, darauf, was man schon getan hat, sei „altes“ Denken. „Fragen Sie nie nach dem ‚Wie‘, sondern fokussieren Sie sich auf Objectives, Fortschritte und Bedingungen.“
  • OKR-Fake: Die alte Praxis wird schlicht umbenannt – „Management im Agilitätspelz“. Hier hilft, den Mitarbeitenden ein Supporter-Team an die Seite zu stellen.
  • OKR-Kakophonie: „Alle arbeiten mit OKRs, aber jede Abteilung auf eine andere Art und Weise.“ Die Silos bleiben erhalten. Es braucht einen allgemeinen OKR-Rhythmus.
  • Tool-Verführung: Es kommt auf die Haltung, den Mindset an. Der entwickelt sich am besten analog. Im Anschluss helfen dann gute digitale Tools.
  • OKR-Aushöhlung: „Der ärgste Gegner von OKRs sind Blender.“ Die finde man eher auf der Sandwichebene als in der Top-Etage. Da hilft nur dranbleiben.

Nun, ich finde, einerseits ist der Ansatz bestechend stringent. Doch andererseits störe ich mich an der Blendgranate „Mindset“ und der Abwertung der sogenannten Sandwich-Ebene (Middle Management). Das Thema „Mindset“ hat jüngst Stefan Kühl genüsslich auseinandergenommen (Das gewisse Etwas). Die Ehrenrettung der Sandwich-Position ist schon ein wenig älter und findet sich in der OrganisationsEntwicklung (Zwischen den Stühlen). Solche Störgeräusche irritieren mich. Was wäre, wenn OKR die Falle wäre?

Da fällt mir diese schöne Geschichte aus Michael Endes Momo ein. Beppo Straßenkehrer erklärt der kleinen Momo, wie man die Straße kehrt: (Beppo Straßenkehrer erklärt Momo was wichtig ist). „Du darfst nie an die ganze Straße auf einmal denken. Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken. Atemzug und Schritt und Besenstrich. Dann macht es Freude. Dann machst du deine Arbeit gut.“ Offensichtlich gibt es auch ein Leben jenseits des Tunnelblicks.

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