23. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Nachwuchs im Wartestand

KRITIK: Man muss sich ernsthaft Sorgen um die Spezies „Führungskraft“ machen, schrieb ich kürzlich anlässlich der Forderung, Führung ins Team zu delegieren (Informelle Führung ermöglichen?). Da wundert es nicht, wenn viele Unternehmen, vor allem große, jede Menge Führungspositionen streichen. 57% weniger Führungspositionen hat VW in den ersten beiden Monaten dieses Jahres ausgeschrieben, minus 52% sind es bei Mercedes, minus 39% bei der Allianz. Aber ist das wirklich ein Trend?

Laut Wirtschaftswoche (SAND im Betriebe) gibt es auch große Unternehmen, die vermehrt suchen. So z.B. BMW (plus 79%), Merck (+57%) und SAP (+33%). Also offenbar alles andere als ein Trend, zumal es ja auch nur um zwei Monate geht. Merkwürdig oberflächlicher Journalismus …


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Also kein Grund zur Sorge für den Führungsnachwuchs? Doch, aber es ist eigentlich ein sehr altes Problem. Denn einen Abbau von Führungsebenen gab es schon oft. Immer wieder findet jemand, dass es davon zu viele gibt, und dann dürfen alle, die sich so sehr nach „Führungsverantwortung“ sehnen, in die Röhre schauen.

Von einem Dilemma zum nächsten

Zur Zeit sieht das Dilemma ganz übel aus: Jemand hat den beschriebenen Ehrgeiz, durchläuft ein internes Assessment Center und besteht es dank akribischer Vorbereitung (habe ich mir nicht ausgedacht, sondern wird hier an einem Fall bei Mercedes-Benz beschrieben). Doch ach, es gibt sie gar nicht mehr, die erhofften Teamleiterstellen. Der Konzern spart sie ein, genauso bei Bayer, Porsche und anderen. Und wenn es überhaupt noch solche Stellen gibt, dann werden sie mit denjenigen besetzt, deren Stellen gerade weggefallen sind. Denn diese sind ja schon auf dem entsprechenden Gehaltsniveau, das käme sonst zu teuer.

Also muss man sich gedulden, „es knubbelt sich im Wartestand“. Doch ach, es folgt das nächste Dilemma: Wer zu lange auf einer Position verharrt, dem wird mangelnder Ehrgeiz unterstellt. Absurd? Sicherlich. Dem enttäuschten Nachwuchs bleibt nur eins: Das Unternehmen zu wechseln, offensichtlich suchen andere ja. Kein schlechter Tipp: Vielleicht mal außerhalb der Konzernwelten Ausschau halten, kleine und mittlere Unternehmen freuen sich über Menschen, die Verantwortung übernehmen. Wäre da nicht noch ein Dilemma: Kleine Unternehmen zahlen nicht so gut wie die Automobilbranche, aber wie heißt es so schön? Man kann nicht alles haben. Wer dann wegen des Geldes bleibt und lieber unzufrieden ist, der sollte sich später nicht wundern, wenn er übergangen wird.

Und die Unternehmen? Offenbar ändert sich dort nur wenig. Angeblich will man modernere Strukturen (Stichworte: New Work und Agilität), aber gleichzeitig veranstaltet man antiquierte Casting-Shows, bei denen Sieger gekürt werden, die dann anschließend keine Verträge angeboten bekommen. Wie bescheuert ist das denn? Wieso sorgt man nicht dafür, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können, ohne dass sie dazu einen Status wie „Teamleiter“ ergattern müssen? Stattdessen nimmt man hin, dass die „Sieger“ das Unternehmen verlassen oder frustriert an Bord bleiben, weil das Geld den Ausschlag gibt. Ein Armutszeugnis nicht nur für das Personalmanagement …

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