14. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Rasantes Wachstum

INSPIRATION: Geschäftsreisen bedeuten Stress und Aufwand, da sollte man doch meinen, dass moderne Konferenzsysteme und Video-Telefonie willkommene Alternativen sind. Sind sie aber offensichtlich nicht, das Volumen an Geschäftsreisen nimmt weiter zu. Warum werden Skype, Slack und Co. nicht genutzt?

Laut der Brand eins (Ich komm‘ besser mal vorbei) stieg die Zahl der Geschäftsreisen von 2004 zu 2017 von 146 auf 188 Millionen, auf 500.000 pro Tag. Was ist aus den Versprechungen der IT-ler geworden, dass wir längst von jedem Schreibtisch oder gar von zu Hause per Video-Konferenz mit Kollegen rund um die Welt konferieren und den Unternehmen Millionen an Reisekosten erspart bleiben?

Wenig offensichtlich, die Gründe sind vielfältig. Viele beschweren sich, dass die Technik nicht so funktioniert, wie man sich das wünscht. Längst ist die Geschwindigkeit des Netzes noch nicht überall so hoch, dass Sprache und Bilder ruckelfrei übertragen werden. Und vielerorts ist die technische Ausstattung eher spärlich, da wird das Konferieren zur Qual.

Aber das dürfte gar nicht der entscheidende Grund sein. Dieser scheint mehr im sozialen Bereich zu liegen. Man will den anderen nicht nur sehen und hören, sondern mit weiteren Sinnen erfahren. Selbst das Sehen ist ja beim Skypen nur auf einen Teil des Körpers beschränkt. Menschen aber reagieren ganzheitlich, das kriegt man über den Bildschirm nicht mit. Körpersprache ist überhaupt ein Thema: In manchen Kulturen schaut man sich direkt an, in anderen wird je nach Verlauf auch mal zu Boden geschaut. Wie soll das per Vidokonferenz funktionieren?

Wohl wahr: „Die modernen Medien ermöglichen und begrenzen Kommunikation zugleich.“ Die Begrenzungen allerdings scheinen größer als erwartet zu sein. Unsicherheit wird eher verstärkt als verringert, die Gefahr von Missverständnissen wächst, und für den Gebrauch von Smileys gibt es auch noch keine Konventionen, die ihren Einsatz regeln und ihn für alle gleichermaßen verständlich machen.

Zwei Argumente für Geschäftsreisen schließlich erscheinen mir besonders nachvollziehbar: Während man sich in Videokonferenzen auf das (vordergründig) Wesentliche zu beschränken scheint, nämlich die sachlichen Themen, geschieht bei der persönlichen Begegnung viel mehr. Per Smalltalk erfahre ich viel vom anderen, erlebe ihn in seiner „natürlichen Umgebung“, kann mich auf ihn als Person einstellen. Selbst auf kurzen Geschäftsreisen erfährt man mehr „als bei regelmäßiger Digitalkommunikation„.

Und wohl ganz entscheidend: Reisen ist einfach zu günstig. Würden die Kosten steigen, sähe die Sache sicher anders aus, wie die Einsparwellen gerade bei Geschäftsreisen zeigen, wenn Unternehmen in eine Schieflage geraten.

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