14. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Rubbeln am Soßenfleck

PRAXIS: Führungskräfte sind in der Regel gut darin, die Schwächen ihrer Mitarbeiter aufzuspüren. Manche sind auch noch gut darin, diese anzusprechen. Aber sinnvoll ist das selten. Eine einfache Metapher könnte helfen, die Wahrnehmung auf die Stärken zu lenken.

Das folgende Bild stammt von Martin Wehrle (Den Blick von den Schwächen lösen). Stellen Sie sich vor, Sie haben sich in Schale geworfen und fühlen sich großartig. Aber nach Mittagessen mit dem Kunden entdecken Sie einen Soßenfleck auf dem feinen Tuch. Sie versuchen ihn wegzurubbeln, aber vergeblich. Den Rest des Tages werden Sie an diesen Fleck denken, das ansonsten gut gepflegten Äußeren macht Ihnen keine Freude mehr. Im Gegenteil – der Gedanke an den Makel verdirbt Ihnen den Tag und lenkt Sie vermutlich sogar davon ab, Ihre gewohnte Leistung zu bringen.


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Nun übertragen Sie das auf ein Verhalten eines Mitarbeiters, Kollegen oder auch Ihres Kindes, Partners usw. Der andere engagiert sich (er hält einen Vortrag, erstellt eine Vorlage, bereitet eine Veranstaltung vor, verfasst ein Schreiben an den Kunden, malt ein Bild, schreibt einen Aufsatz …), und Sie schauen sich das Verhalten bzw. das Ergebnis an.

Nun können Sie nach dem Soßenfleck suchen und sagen: „Fuchteln Sie doch nicht immer mit den Händen rum!“ – „Die Struktur ist ziemlich konfus!“ – „Mit den Einladungen sind Sie viel zu spät dran!“ – „Da fehlt es an Fingerspitzengefühl!“ – „Du hast über den Rand hinaus gemalt!“ – „Der Spannungsbogen stimmt nicht!“ Ein Satz genügt (wie der Soßenfleck), und dem anderen geht jede Motivation flöten, der Tag ist hinüber.

Übertrieben? Mag sein. Aber es doch was dran, oder? Wir tendieren alle dazu, uns die kleinen Fehler, die seltsamen Gewohnheiten, die Ungenauigkeiten und Macken herauszupicken. Das, was uns stört, ablenkt, irritiert. Und verkaufen es dann dem anderen als Feedback.

Was ist die Alternative? Das ist einfach gefordert, aber alles andere als einfach umgesetzt: Achten Sie mehr auf das, was klappt: „Im mittleren Teil der Präsentation wirkten Sie entspannt und trotzdem lebendig.“ – „Die Zusammenfassung ist klar und gut strukturiert!“ – „Die Vorbereitungen wirken, als ob Sie sehr viel Arbeit hinein gesteckt haben.“ – „Die Aussagen sind klar und prägnant.“ – „Auf der linken Seite passt der Abstand perfekt.“ – „Da überschlagen sich die dramatischen Ereignisse geradezu!“

Nein, es geht hier nicht darum, zu loben. Es geht darum zu schauen, was neben dem Soßenfleck zu sehen ist. Die Aufmerksamkeit auf das Gelungene zu richten.

Und was ist mit den Fehlern? Soll man diese gar nicht ansprechen? Die Frage kenne ich gut aus Führungstraining. Man kann doch nicht so tun, als sei alles perfekt. Man muss doch auch Fehler ansprechen dürfen. Dazu empfiehlt Wehrle, sich zuerst zu fragen: Wirkt sich der Soßenfleck auf die Qualität der Arbeit aus? Würden andere ihn ebenso als Makel betrachten? Ist es also ein bedeutender Mangel oder nehme ich ihn besonders wahr, weil ich meine Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet habe? Auch eine schöne Metapher: „Wahrnehmung ist wie eine Lupe: Sie vergrößert, worauf man sie richtet.

Wenn man zu dem Ergebnis kommt, der Makel ist so gravierend, dass er erwähnt werden muss, dann ist das eben so. Dennoch kann man ja erst einmal zu üben, die kleinen Mängel eben nicht anzusprechen und die Stärken zu betonen. Die Idee dabei ist, dass dann der andere sich ganz automatisch weiter entwickeln wird. Weil er sich selbst auf das konzentrieren wird, was ihm liegt. Und die gravierenden Mängel sich dann auch von selbst erledigen.

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