12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Rückblick der weisen Alten

PRAXIS: Wenn jemand ins Coaching kommt, der von Erschöpfung berichtet, sich ausgelaugt fühlt und nicht weiß, wie er dem Hamsterrad entkommen kann, kann es helfen, ihn in die Zukunft zu versetzen. Von dort kann er als „weiser Alter“ auf seine jetzige Situation zurückzublicken. Wobei das Tool sicher auch zu anderen Anlässen seine Wirkung entfalten kann. Ein Indikator für seinen Einsatz ist, dass der Coachee noch tief im Problemmodus steckt und sich von diesem nicht lösen kann.

Im ersten Schritt geht es daher darum, Distanz zu dem Gefühl der Überforderung und Erschöpfung herzustellen. Die Situation aus einer anderen Position zu betrachten. Das Ziel ist, dass die aktuelle Krisensituation ihre Sogwirkung verliert und vielleicht sogar Chancen in ihr entdeckt werden. Dabei helfen viele lösungsorientierte Fragen.


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Reise in die Zukunft

  1. Schritt: Imagination des weisen Alten: Der Coach bittet den Coachee, sich auf eine Imagination einzulassen, auf einen Zustand in der Zukunft, in der es ihm gut geht und er sich wohlfühlt.
    Er bittet ihn, sich entspannt hinzusetzen, bei Bedarf gerne auch die Augen zu schließen. Dann soll er sich vorstellen, dass er viel älter ist, 80 Jahre z.B. oder was auch immer er selbst als angemessen empfindet. Und in diesem Alter ist er gerade an einem Ort, an dem es ihm richtig gut geht. Zum Beispiel sitzt er in einem wunderschönen Park auf einer Bank. Oder liegt auf einer Wiese. Oder am Strand … Der Ort tut ihm gut, er fühlt sich wohl und ist mit sich und der Welt zufrieden. Der Coach lässt ihm Zeit, diesen Ort zu finden und bittet ihm, davon zu erzählen, wenn er ihn gefunden hat.
    Er kann ihn fragen, was er sieht, hört, fühlt … auch genauer nachfragen: Das Rascheln der Blätter? Die Sonnenstrahlen im Gesicht? … So dass der Coachee ein Bild entwickelt, in dem er sich wohl fühlt.
    Wenn das erreicht ist, leitet der Coach über zur aktuellen Situation, auf die der Coachee von der Zukunft aus zurückblicken kann – entspannt und gelassen und mit großem Abstand.
  2. Schritt: Ressourcen-aktivierende Fragen: Hier geht es darum, vor allem dem Coachee zu helfen, in der aktuellen Situation für sich selbst Wertschätzung zu empfinden, seine Ressourcen und Stärken zu erkennen und zu benennen:
    Fragen können sein: Was wollen Sie sich selbst mit der Weisheit des Alters Positives über die jetzige Zeit sagen? Welche positiven Rückmeldungen bekommen Sie über diese Zeit jetzt im Alter? Was sagt man Ihnen, wie Sie es geschafft haben, die Situation zu bewältigen? Was waren erste kleine Schritte? Woran haben Sie die Veränderungen bemerkt? Woran haben es die anderen gemerkt? Wer hat Ihnen dabei geholfen?
    Wenn hier keine neuen Einfälle mehr kommen, bittet der Coach den Coachee, so langsam das Bild wieder zu verlassen und in die Gegenwart zurückzukehren.
  3. Schritt: Transfer in den Alltag: Der Coach lässt dem Coachee einige Minuten, die Eindrücke zu verarbeiten. Dann fragt er nach Möglichkeiten, Dinge aus der Rückschau in die Gegenwart zu übernehmen.
    Fragen können sein: Was ist für Sie das Wichtigste aus diesem Rückblick? Welche positiven Gefühle, Botschaften, Hinweise nehmen Sie mit? Was können Sie direkt umsetzen? Was sind erste kleine Schritte?
    Hier kann man auch kleine Anker vereinbaren: Kleine Gegenstände, die an die Maßnahmen erinnern, Zettelchen usw.

Die Übung kann man schon früh im Coaching-Prozess, auch in der ersten Sitzung, durchführen. Wenn dem Coachee ein schönes Bild für sich selbst als weisem Alten gelingt, dann kann auf dieses Bild später immer mal wieder zurückgegriffen werden.

(von Alexandra Mößmer – In Gunther Schmidt / Anna Dollinger / Björn Müller-Kalthoff (Hrsg.) – Gut beraten in der Krise, S. 148-153)

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