2. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Sehnsucht nach Stärke

INSPIRATION: Stimmt das? Sehnen wir uns nach der harten Hand? Nach Autorität? Und erfüllen die „kraftmeiernden Typen…, die vorgeben, zu wissen, wo es langgeht“, diese Sehnsucht? Die Frage stellt sich nach der Lektüre eines Beitrags der Wirtschaftswoche (Zweifel? Ich doch nicht!).

Was macht aber die Stärke eines wahren Führers aus? Was helfen soll, ist ein innerer Kompass, eine „historisch fundierte Orientierung in grundsätzlichen Fragen“. Wer mit Leidenschaft für eine Sache kämpft, der kann sich angeblich lösen vom Blick der anderen. Dabei sollte man sich einer klaren Sprache bedienen und den Menschen die Wahrheit zumuten. Allerdings: Wichtig es es auch, zu reflektieren, auch mal Fehler einzugestehen und die eigene Meinung zu überdenken. Und dazu auch mal anderen die Möglichkeit geben zu glänzen, wahre Führer müssen nicht immer selbst im Mittelpunkt stehen.


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Bloß kein Eingeständnis von Fehlern

So, so. Das klingt prima, nur wie verträgt sich das mit den aktuellen Erfahrungen, die wir auf der politischen Bühne gerade machen? Ein Donald T. kommt prima ohne inneren Kompass aus, mutet den Menschen Lügen ohne Ende zu, macht grundsätzlich keine Fehler, kennt nur eine Meinung und lässt schon gar keine anderen neben sich glänzen.

Und was ist mit der Geschichte gleich am Anfang des Beitrags? Da erzählt ein Fußballprofi von einem Trainer, der einen Fehler zugab und damit die ganze Mannschaft verlor. Und wie kam das an, als Bundeskanzlerin Merkel 48 Stunden nach einem Beschluss öffentlich zurückruderte und ihn als ganz persönlichen Fehler auf ihre Kappe nahm?

Die Antwort: Bei den einen gut, bei den anderen eben weniger gut. Da äußert eine Psychologin einen interessanten Satz: Es wäre wünschenswert, wenn die Menschen Eingeständnisse zu würdigen wüssten. Ob Schwäche als Stärke erlebt wird, hängt demnach davon ab, wie reflektiert der Betrachter ist.

Oder doch?

Das ist jetzt blöd. Und erklärt alles. Dass ein Donald T. so erfolgreich ist, hat also mit der mangelnden Reflexionsfähigkeit seiner Anhänger zu tun. Wir alle sehnen uns nach Stärke, schon allein deshalb, weil wir von Kind auf gelernt haben, dass wir Führung brauchen, denn die ersten Menschen, die wir erleben sind genau das: Unsere Eltern. Aber nur ein Teil von uns kann also wahre Stärke von der zur Schau gestellten Stärke der Lautsprecher und Populisten unterscheiden.

Irgendwie ist mir das zu einfach. Ich würde es gerne besser verstehen wollen. Mit Bildung allein scheint es wenig zu tun zu haben, denn ich kenne genug „Akademiker“, die den gleichen Mist verzapfen wie viele Stammtischbrüder. Und komme so zu der Erkenntnis, dass es irgendetwas zu tun haben muss mit der Unfähigkeit, Ungewissheit, Unklarheit und Unsicherheit auszuhalten.

Mir hilft es, wenn mächtige Menschen mal zugeben, dass sie nicht allwissend sind und sich geirrt haben, dann weiß ich, dass es wohl normal ist, wenn ich auch manchmal ratlos, unsicher bin und eben mal keine Lösung habe. Wie letztens ein Klient meinte: „Vielen Dank, mir hat schon geholfen, dass wir uns einig sind, dass dieses Problem gerade nicht lösbar ist, und das es auch mal in Ordnung ist, eine Entscheidung aufzuschieben.“ Wer so etwas nicht aushalten kann, der wird dankbar sein, dass ein Held oder eine Heldin ihm verspricht, die Dinge in die Hand zu nehmen. Und garantiert keine Fehler zu machen.

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