12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Toxische Muster in Teams

PRAXIS: Manchmal geraten Teams unter derartigen Druck, dass sie in destruktive Muster verfallen. Statt sich mit diesen zu beschäftigen, setzen sie alles daran, sich nach außen abzugrenzen, um die eigene Existenz zu sichern. Intern werden dann Sündenböcke gesucht bzw. einzelne Mitglieder in eine Rolle gedrängt, die diesen und dem Team auf Dauer nicht gut tun. Die Autoren im Harvard Business Manager (Fehler im System) haben vier Fallen ausgemacht, die auch oder gerade in Spitzenteams auftreten:

  • Der einsame Erlöser: Ein Mitglied übernimmt die Rolle des Retters, das entlastet den Rest des Teams, das seine Eigenständigkeit aufgibt und sich in die Abhängigkeit des Erlösers begibt. Der in dieser Rolle aber nur scheitern kann.
  • Das destruktive Duo: Zwei Mitglieder finden zueinander und entwickeln ihre eigenen Vorstellungen, die sie dann ungeachtet der Warnungen anderer Mitglieder beharrlich verfolgen. Was z.B. passieren kann, wenn der Geschäftsführer sich jemanden ins Führungsteam holt, der im treu ergeben ist.
  • Kampfmodus: Das komplette Team findet einen äußeren Feind (z.B. die Geschäftsführung oder eine andere Abteilung), auf den man sich einschießt und der an allem Schuld ist.
  • Fluchtmodus: In einem solchen Team herrschen Resignation und Angst vor, jeder geht in Deckung, wichtige Aufgaben werden aufgeschoben bzw. erst gar nicht angegangen.

Grundsätzlich gilt: Solche Muster lassen sich eigentlich gar nicht vermeiden, irgendwann treten sie mehr oder weniger stark auf. Zudem sind sie nur schwer zu erkennen, vor allem für die Teammitglieder selbst. Und schließlich lassen sie sich nur schwer durchbrechen. Da hilft dann in der Regel kein Teambuildung oder Coaching, die Muster müssen erst einmal aufgedeckt werden.


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Kreise und Pfeile

Wie? Auch dazu gibt es eine Anleitung, die jetzt nicht sonderlich neu ist: Grafische Darstellungen der Beziehungen der Teammitglieder untereinander (Soziogramm). Das funktioniert so:

  • Jedes Teammitglied fertigt eine Skizze an, in der es die anderen und ihre Beziehungen untereinander darstellt. Jede Person wird durch einen Kreis repräsentiert, in dem die Initialen stehen. Die Größe des Kreises steht für den Einfluss der Person auf die Gruppe. Der Abstand zwischen den Kreisen symbolisiert die Enge der Beziehung. Linien zwischen den Kreisen stehen für den Austausch – je dicker, desto intensiver ist der Austausch. Querstriche durch die Verbindungslinien zeigen eine konfliktbehaftete Beziehung an. Wörter sind nicht erlaubt.
  • Zum Herstellen der Skizze bekommen die Mitglieder nur wenige Minuten Zeit, sie soll intuitiv, ohne große Überlegungen, angefertigt werden.
  • Alle Zeichnungen werden getrennt besprochen. Derjenige, der die jeweilige Skizze angefertigt hat, dreht sich um und hört nur zu. Jeder kommentiert jedes Soziogramm.

Auf diese Weise entsteht ein Bild des Teams mit Erkenntnissen wie: Wer ist von wem abhängig? Wer wird besonders gehört? Wer weniger? Und wer traut sich, offen der Leitung die Meinung zu sagen? Wer konkurriert mit wem? Und wer koaliert mit wem?

(aus: Anand Narasimhan / Jean-Louis Barsoux – Fehler im System. Harvard Business Manager 2/2024 S. 75)

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