24. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Unbegrenzt Urlaub nehmen?

INSPIRATION: Kleinere Unternehmen locken Mitarbeiter mit dem Versprechen, dass sie selbst entscheiden können, wie viel Urlaub im Jahr sie nehmen. Klingt gut, hat aber seine Tücken. Erfolgsversprechender ist da ein Modell, das Mitarbeitern 12 freie Tage mehr im Jahr ermöglicht, bei gerade mal 4,5% weniger Gehalt. Das kommt gut an.

Klingt ja auf den ersten Blick extrem verlockend: Statt streng limitierter Urlaubstage mit umständlichen Planungen, Verrechnung von einem Jahr auf das nächste und sonstigem Verwaltungsaufwand einfach Urlaub machen, wann man will und wie oft man will. Hätten Sie gerne einen solchen Arbeitgeber? Kleinere Unternehmen locken mit diesem Versprechen offenbar die begehrten Fachkräfte, wenn sie schon nicht so viel zahlen können wie die großen. 

Das Problem ist nur: Wie viel Urlaub traut man sich dann tatsächlich zu nehmen? In der Wirtschaftswoche wird ein Betroffener zitiert, der sich gerade mal zwei Wochen gegönnt hat plus ein paar Tage an Weihnachten (Große Freiheit, größerer Druck). Dabei hat er sich als Neuling an den Kollegen orientiert. Klar, dass sich das schlechte Gewissen regt, wann man sich in die Sonne legt, während die Kollegen schuften. Da muss man schon ein dickes Fell haben. Die Folge ist eher Burnout statt Dauererholung.

Vom schlechten Gewissen geplagt

In einem anderen Unternehmen versucht man, durch eine Regelung dieses Problem zu umgehen. Man schreibt ein Minimum von 20 Tagen vor, so steht es im Arbeitsvertrag. Die Beschäftigten werden erinnert und ermahnt, diese auch wirklich zu nehmen. Ergebnis: Der Schnitt liegt bei etwa 30 Tagen. Hätte man auch gleich für alle vereinbaren können. Wobei: Der eine kommt vielleicht mit 22 Tagen hin, der andere nimmt 40. Fragt sich dann nur, wie das mit dem sozialen Frieden im Team aussieht. Schwierig. Ich vermute, es gibt dann schon bald Strichlisten um zu schauen, wer sich wie oft absetzt.

Einen anderen Weg geht T-Systems. Auch dort möchte man die Arbeitszeit weiter flexibilisieren und hat dazu ein Programm namens „Freiraum“ aufgelegt. Hier können Mitarbeiter per Knopfdruck einen Antrag auf 12 zusätzliche freie Tage im Jahr stellen, die 5-Tage-Woche bleibt, das Gehalt wird um 4,5% reduziert. Also im Grunde eine Verkürzung der Arbeitszeit – weniger arbeiten, weniger verdienen. Nicht wirklich neu, nur clever gemacht. Eine Diskussion über „vollen Lohnausgleich“ muss man so nicht führen, ist ja freiwillig. Der Vorgesetzte muss zustimmen, ansonsten bleibt alles wie gehabt. Die Tage werden wie Urlaubstage genommen (Freiraum für die Beschäftigten).

Interessant daran finde ich, dass man offenbar nach einem Jahr auch wieder zurück kann. Das Ergebnis: Etwas 10% der Beschäftigten hat das Modell angenommen, nur ganz selten haben Führungskräfte den Antrag abgelehnt, ein eigens entwickelter Eskalationsprozess musste nicht angewandt werden. Kaum jemand hat es sich nach einem Jahr anders überlegt. Auch eine Erkenntnis: Nicht nur junge Leute nutzen die Gelegenheit, 42% der Teilnehmer sind über 50 Jahre alt. Ganz ehrlich: Ich hätte das als älterer Mensch sofort angenommen. 

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