12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Weg von der Dyade

INSPIRATION: Unter einer Dyade versteht man in der Soziologie die einfachste Beziehung, nämlich die Zweier-Beziehung. Führung wird heute immer noch so verstanden, als ob ein Mensch einen anderen führt. Zwar leiten Führungskräfte auch Teammeetings und halten Ansprachen vor Gruppen, aber das klassische Führungsverständnis geht offenbar tatsächlich davon aus, dass Führung vor allem die Beschäftigung mit einzelnen Mitarbeitern ist:

Es werden individuelle Zielvereinbarungen getroffen, Mitarbeiterjahresgespräche durchgeführt, Führungsgespräche, Entwicklungsgespräche, Einzelfeedbacks usw. Außerdem wird immer wieder empfohlen, dass Führungskräfte als Coach ihrer Mitarbeiter fungieren sollen – auch hier ist in der Regel das Coaching einzelner Personen gemeint.


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Aber ist das wirklich der zentrale Aspekt von Führung? Vielleicht brauchen wir wirklich mal eine Diskussion darüber, ob man den Begriff nicht mal ganz neu fassen oder gar verschwinden lassen sollte. Mehr und mehr wird wohl verstanden, dass es weniger um das Steuern und Lenken von Individuen geht als um das Gestalten von Rahmenbedingungen sowie das Managen von Gruppen.

Ein Forschungsprojekt namens „TEAMLEAD“ (Für ein besseres Zusammenspiel), bei dem das Führungsverhalten in Planspielen beoabachtet wurde, Experten und Führungskräfte interviewt und Verhalten in realen Teammeetings beobachtet wurden, ermittelte sechs Aufgaben „synergetischer Führung“:

  1. Differenzierungsmanagement – ein etwas sperriger Begriff. Gemeint ist, das Team zu unterstützen, indem man ihm hilft, einen Sinn und ein Ziel zu haben, diese mit den Mitgliedern zu diskutieren, da die individuellen Ziele längst nicht übereinstimmen müssen. Es geht auch um die Definition der externen Schnittstellen und die Erwartungen der internen und externen Partner/Kunden. Mit anderen Worten: Die Aufgabe von Führung besteht darin zu klären, für wen und wozu man eigentlich arbeitet. Etwas seltsam: Hierunter fällt auch, jedes Teammitglied individuell zu führen. Also geht es danach doch nicht ohne den Einzelnen an die Hand zu nehmen?
  2. Ressourcenmanagement – die optimale Versorgung des Teams mit allem, was es zur Erledigung seiner Aufgaben und Erreichung seiner Ziele benötigt.
  3. Strukturmanagement – Klärung der Verantwortlichkeiten und Teamrollen.
  4. Prozessmanagement – gemeint sind Standardprozesse, Schnittstellen, Spielregeln des Arbeitsprozesses.
  5. Reflexionsmanagement – dafür zu sorgen, dass regelmäßig überprüft wird, wie es läuft, was gut und was weniger gut klappt, ob die Zahlen stimmen usw. Klingt umfassender als klassisches Controlling.
  6. Entwicklungsmanagement – regelmäßig zu schauen, ob die benötigten Kompetenzen vorhanden sind oder neu entwickelt werden müssen. Oder ob man auch Aufgaben nach außen verlagern soll, weil es zu aufwendig ist, die notwendigen Kompetenzen selbst aufzubauen.

Klingt sinnvoll, oder? Interessant: Jeder Begriff endet mit …management – nicht mit …führung. Sollte jeder Unternehmer sich genau anschauen, bevor er Mitarbeiter einstellt oder Teams, Abteilungen und Unterabteilungen ins Leben ruft. Und das Coachen von Individuen, das ja in aller Munde ist, dann doch lieber einem gelernten Coach überlassen.

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