14. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

„Always look at the bright side of life“

KRITIK: Wenn ich mich über einen einseitigen Zeitschriftenbeitrag aufrege, welcher Antreiber springt dann bei mir an? Also irgendeiner wird es schon sein … Die Autorin lässt mir keinen Ausweg: Stress!

„Stress ist ein Überlebensmechanismus und somit per se funktional – allerdings eben nur bis zu einem gewissen Punkt.“ Ach, dass eine Psychologie-Professorin dermaßen undifferenziert mit dem Stress-Begriff hantiert, hat mich doch erschüttert. Denn in der Arbeitspsychologie wird schon sehr lange zwischen psychischer Belastung und Beanspruchung unterschieden (ISO 10075). Dieselbe Arbeitsmenge, -dichte oder derselbe Zeitdruck lässt nämlich die eine locker grinsen. Während der andere am Rad dreht.


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Doch Autorin Eva Asselmann (Entspannt denken) schert alle über denselben Kamm. Dysfunktionale Bewertungsmuster, die aus der Kindheit stammen, sollen schuld sein. Wir sollten deshalb aufpassen, dass wir nicht in die Stressfalle laufen und jene Muster mit der Realität verwechseln. Und deshalb gibt sie ihren Leser:innen einige Hinweise.

Fünf Denkimpulse

  1. Nimm an, was ist. „Annehmen bedeutet nicht, den Stress gutzuheißen oder gar zu begrüßen, sondern die äußere Situation und das innere Erleben mit Abstand zu betrachten, ohne es zu bewerten.“ Was, wenn nicht Achtsamkeitspraxis, dürfte hier hilfreich sein?
  2. Entdecke das Positive. Dass unser Objekterkennungssystem, das uns vor Gefahren warnt, schnell anspringt, ist evolutionär betrachtet, mehr als sinnvoll, erklärt die Autorin. Doch ihr Ratschlag, „im stressigen Alltag das Positive nicht aus dem Blick zu verlieren,“ hat doch eher etwas von Pfeifen im Walde.
  3. Bleib realistisch. „Häufig neigen wir in Stresssituationen auch zu emotionalen Fehlschlüssen.“ Schnell drohen selbsterfüllende Prophezeiungen. Systematisch Abstand schaffen, den Moment fokussieren und unsere Gefühle kontrastieren, ist wichtig – wie wir jüngst erst im selben Magazin lesen durften (Umdenken beim Fühlen).
  4. Glaub an dich. „Menschen mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung sind überzeugt davon, den Anforderungen im Alltag gewachsen zu sein.“ Daher sollten wir diese systematisch pflegen. Und auch die Bauchatmung gezielt einsetzen. – Das kennen wir schon: Embodiment (Die Rückkehr der Gefühle).
  5. Entwaffne deine inneren Antreiber. Die aus der Transaktionsanalyse bekannten fünf Antreiber (Streng dich an! Sei perfekt! Sei schnell! Sei stark! Mach es allen recht!) lassen sich mit sogenannten „Erlaubern“ zügeln.

Auf einem Auge blind

Warum nur diese einseitige und verkürzende Sichtweise auf „Stress“? In der Prävention gilt die Verhältnisprävention als Königsweg. Der Blick auf den Arbeitskontext (-aufgabe, -umgebung, -organisation, -abläufe, -mittel, -platz) ließe vielfältige Stressoren sichtbar werden. Ansatzpunkte für eine gute Arbeitsgestaltung, die Fehlbeanspruchungen vermeiden hilft. Die Verhaltensprävention, also der Ansatz an den Ressourcen des Individuums, ist ebenfalls sinnvoll, aber gegenüber der Verhältnisprävention sekundär. Der Beitrag der Autorin leistet – leider – einer Psychologisierung des Themas „Stress“ Vorschub: Fisherman’s Friend lassen grüßen (Sind sie zu stark, bist du zu schwach!).

Man muss nun nicht auf der Stelle in eine Gewerkschaft eintreten, um auf dem anderen Auge erleuchtet zu werden. Der Blick in die hundertjährige Tradition der Arbeitspsychologie dürfte ausreichen.

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