INSPIRATION: Ist das nicht schizophren? Rationalität ist im Business Trumpf. Gefühle gelten als irrational. Wenn es aber darum geht, Mitarbeiter oder Kunden zu „motivieren“, sieht das plötzlich anders aus.
Irgendetwas stimmt da nicht mit unserem Weltbild. Wir bekommen diesen Widerspruch doch scheinbar aufgelöst, wenn wir davon ausgehen, dass wir Menschen zwei „Betriebssysteme“ haben: Den klaren Verstand als Meister unserer Existenz auf der einen und die Gefühle, so etwas Archaisches, Triebhaftes, Impulsives, Unlogisches, aber auch Romantisches, Verzauberndes auf der anderen Seite. Versuchen wir in der Regel, vernünftig zu sein? Werden aber immer wieder durch unsere Gefühlswelt entweder vom Pfad der Tugend abgelenkt (wir sündigen)? Oder neigen dazu, sachliche Dinge emotional zu überhöhen – mit Zuckerguss oder Lametta?
Mr. Spock wird manchmal „schwach“
Ist das die Welt, in der wir leben (wollen)? Ist die wirkliche Wirklichkeit die eines Homo Oeconomicus? Die eines Mr. Spock – der leider manchmal „schwach“ wird? Aber Stopp! Hat nicht Daniel Kahneman im Jahr 2002 den Wirtschaftsnobelpreis dafür bekommen, dass er nachgewiesen hat, dass es den Homo Oeconomicus gar nicht gibt? Dass er bloß eine Vereinfachung der Betriebswirtschaft ist? Dass wir immer und allerorten mit gedanklichen Abkürzungen hantieren, sogenannten Heuristiken? Und dass das gut und nützlich ist, weil wir gar nicht die Zeit hätten wie ein Computer alle Optionen bis ins kleinste Detail nachzurechnen? Und trotzdem sind wir damit sehr effizient. Faszinierend …
Und noch eine Sache: Wissen wir nicht aus der Neurowissenschaft, dass der Cortex, unsere Großhirnrinde, die für rationales Denken zuständig ist, in Wirklichkeit bloß der „Pressesprecher des Limbischen Systems“ ist? Dort in unbewussten Bereichen unseres Denkens werden erfahrungs- und emotionsgetrieben blitzschnell Entscheidungen getroffen, auf die sich der arme Pressesprecher irgendeinen Reim machen muss. Die menschliche Existenz: Driven from the backseat. Faszinierend?
In Widersprüche verwickelt
Jetzt wird’s aber haarig. Sind wir hier auf eine Lebenslüge gestoßen? Vermutlich! Und eingebrockt hat uns die der französische Aufklärungsphilosoph René Descartes (1596-1650). Auf ihn geht die moderne Spaltung im Denken zurück. Die zwischen Geist und Körper. Und an dieser Stelle komme ich nun endlich zum Beitrag von Sylvia Jumpertz (Umdenken beim Fühlen), die uns die Erkenntnisse der Psychologin Lisa Feldman Barrett darlegt. Denn sie, deren Buch gerade auf Deutsch erschienen ist, räumt mit diesem Unfug auf: Descartes irrte, um mit dem Neurowissenschaftler António Damásio zu sprechen. Aber dazu später.
Feldman Barrett ging nämlich zunächst – wie auch vermutlich die meisten Zeitgenossen – davon aus, dass es universelle Emotionen gibt, die jeder Mensch hat und die auf dem Globus auf dieselbe Art und Wei…
