22. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Commitment-Test

PRAXIS: Wenig ist frustrierender, als mit Begeisterung in ein Projekt zu starten und dann erkennen zu müssen, dass die Mitstreiter nur halbherzig bei der Sache sind und im Zweifelsfall andere Aufgaben bevorzugen. Gibt es die Möglichkeit, die Bereitschaft der Menschen, sich mit ganzem Einsatz für ein Projekt zu engagieren, zu erfassen? 

Vorab eine Anmerkung: In großen Unternehmen werden Projektmitarbeiter nicht unbedingt dadurch gefunden, dass man sich darum bewirbt. Oft wird man in Projekte geschickt, da könnte der folgende Test schwierig werden. Für unmöglich halte ich ihn aber nicht, vermutlich wird man die Fragestellung anpassen müssen.


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Drei Anforderungen

Gehen wir also hier erstmal davon aus, dass jemand eine Projektidee hat und Mitstreiter sucht. Diese finden sich auch ein, das Ziel wird benannt, der Sinn ist allen klar und eine entsprechende Begeisterung für das Projekt ist spürbar. Aber wird sie lange vorhalten? Und wie ernst ist den den Beteiligten? Zunächst einmal: Das Commitment wird dann besonders hoch sein, wenn das Projekt Menschen

  • ermöglicht, über sich hinauszuwachsen, ihre Fähigkeiten nicht nur einzubringen, sondern sie zu erweitern und sich persönlich zu entwickeln,
  • das Erlebnis bietet, Teil eines großartigen Teams zu sein,
  • einen Nutzen stiftet, etwas Bedeutsames schafft und die Mitglieder sich als Teil davon fühlen.

Auch wenn das ziemlich anspruchsvoll klingt – es täte vermutlich jedem Projekt gut, wenn sich die Verantwortlichen mit diesen drei „Anforderungen“ auseinandersetzten. Das Leben ist zu kurz, um seine Zeit mit belanglosen Projekten zu verbringen.

Nun aber zum eigentlichen Test:

Bei Projekten, in denen die Gruppe ein finanzielles Risiko eingeht (also das Projekt nicht vom Unternehmen finanziert wird), lautet die Frage: „Bist du bereit, wenn wir nicht die notwendigen Finanzen zusammen bekommen, ein Viertel des Verlustes aus eigenen Mitteln zu finanzieren?“ Findet man vier Mitglieder, die diese Frage mit ja beantworten, kann das Projekt starten. Bei größeren Projekten sollten es vielleicht mehr Leute geben, die mit „ja“ antworten. Alle, die die Frage bejahen (und eine entsprechende Verpflichtung eingehen), haben bei allen finanziellen Entscheidungen das letzte Wort. Alle anderen können natürlich mitmachen und mitentscheiden, außer bei strittigen Finanzfragen.

Variante Zeitbudget

Die Alternative ist der Commitment-Test mit dem Zeitbudget. Hier lautet die Frage: „Wie viele Stunden pro Woche kannst und willst du in dieses Projekt stecken?“ Jeder nennt eine Zahl und verpflichtet sich hierauf. Die Summe wird dann mit dem veranschlagten Zeitplan verglichen und geschaut, ob die Umsetzung realistisch ist. Wenn dies nicht der Fall ist, muss die Gruppe (wie auch beim Geld-Budget) eine Entscheidung treffen:

  • Ist das Projekt uns wichtig, aber das Budget zu groß? Dann muss man schauen, ob man es kleiner gestalten, Aufgaben streichen oder das Team erweitern kann.
  • Ist uns das Projekt nicht wichtig genug? Dann müsste man noch mal an den Anfang und die Frage stellen, wie das Projekt aussehen müsste, damit man beim Verlust ein Viertel des selbigen tragen bzw. mehr Zeit investieren würde.
  • Ist die Zeit noch nicht reif? Dann wäre zu überlegen, ob man sich vertagt und den Test zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt.

Raum-Variante

Eine weitere Variante besteht darin, im Raum eine Linie als Barometer zu legen, auf der sich die Teilnehmer aufstellen. Das eine Ende bedeutet: „Ich übernehme 100% Verantwortung.“ Das andere Ende: „Ich übernehme keine Verantwortung.“ Wenn alle sich aufgestellt haben, fragt der Moderator einzeln nach, warum jemand dort steht, wo er steht. Dabei lässt sich dann schnell erkennen, ob dies private bzw. persönliche Gründe sind, die nichts mit dem Projekt zu tun haben, oder ob es am Projekt selbst liegt. Glauben die Mitglieder am unteren Ende z.B. (noch) nicht an das Projekt, dann besteht Diskussions- und vermutlich Änderungsbedarf. 

(aus: Ilona Koglin / Julia Kommerell: Das Dragon Dreaming Playbook. Vahlen 2022 S.150-155)

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