KRITIK: Gibt es so etwas tatsächlich noch? Dass Führungskräfte gezwungen werden, ihre Mitarbeiter so zu beurteilen, dass immer nur ein bestimmter Anteil der Beurteilungen top sein darf, während ein anderer vorgegebener Anteil schlecht ausfallen muss? Eine Studie hat die Wirkungen untersucht (Zusammenarbeit im Unternehmen fördern?).
Die Idee zu dieser „erzwungenen Verteilung“ rührt aus der Erfahrung, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter häufig „zu gut“ beurteilen und im Laufe der Jahre diese Tendenz sogar noch zunimmt. Soll heißen: Selbst wenn sich zur Einführung eines Beurteilungssystems die „Noten“ noch etwas breiter verteilen, nach wenigen Jahren steigt der Durchschnitt der Bewertungen. Und das gefällt Management und Personalstrategen seltsamerweise nicht. Statt sich zu freuen, dass ihre Belegschaft besser und besser wird, misstrauen sie dem Urteil ihrer Führungskräfte. Und zwingen sie dazu, einen bestimmten Teil der Menschen schlechter zu bewerten. Bis hin zu der abstrusen Variante, dass die untersten 10% sogar entlassen wurden …
Noten als „Feedback“
Na klar, die Mitarbeiter mit den zunehmend positiven Noten müssen nicht zwangsläufig auch besser geworden sein. Das ist ja das Perverse an diesen Rating-Systemen: Man zwingt, Menschen, anderen Menschen Noten zu geben und verkleidet das als „Feedback“. Die Botschaft lautet: Mitarbeiter wollen und brauchen Feedback, um sich zu verbessern und zu entwickeln. Aber im nächsten Jahr dürfen sie nicht besser bewertet werden, weil es ja nicht sein kann, dass das Feedback etwas gebracht hat. Völlig verrückt, oder?
Kann aber auch anders gemeint sein: Alle haben sich verbessert, und die Beurteilungen sollen ja nur die „relative Leistung“ abbilden. Bei allen Versuchen, die einzelnen Ratingstufen zu operationalisieren, geht es am Ende darum, wer wie im Vergleich zu den anderen dasteht. Wozu dann die Noten? Dann kann man auch gleich ein Ranking einführen und diesen scheinheiligen Quatsch mit den „objektiven Beurteilungen“ kippen.
Aber zur Studie, die, so viel sei schon mal verraten, einige Fragezeichen aufwirft. Man hat Mitarbeiter eines Unternehmens, das solche „Forced-Distribution-Systeme“ bekanntlich einsetzt, im Internet angesprochen. Von 918, die man gefunden hat, haben 135 geantwortet, davon wiederum haben 39 angegeben, dass sie nach einem solchen System beurteilt werden. Also wird es gar nicht flächendeckend eingesetzt.
Eine seltsame Studie
Alle wurden nun gebete…
