20. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Legitimierte Demotivation

KRITIK: Der Trend in Sachen variable Vergütung ist rückläufig. Mit gutem Grund, wie zwei interessante Studien zur Wirkung von Bonuszahlungen zeigen. Danach können ausgelobte Prämien tatsächlich Motivation zerstören. Auch wenn der Forscher vorsichtig in seinen Schlussfolgerungen ist – die Ergebnisse sollten den Personalverantwortlichen auf jeden Fall zu denken geben.

In dem Interview im Personalmagazin („Ein Bonus kann positive Effekte auch zerstören“) erläutert Dirk Sliwka die Versuche. Die Forscher haben 240 Supermärkte einer Handelskette in vier Gruppen eingeteilt. In einer Gruppe führten die Vorgesetzten mit den Marktleitern alle zwei Wochen Gespräche über Möglichkeiten zur Steigerung des Deckungsbeitrags, in der zweiten Gruppe wurde zusätzlich ein Bonus ausgelobt, in der dritten gab es nur einen Bonus und in der vierten weder noch.

Die erste Gruppe verzeichnete eine Steigerung von sieben bis acht Prozent, in den anderen drei Gruppen gab es kaum Auswirkungen auf die Leistung. Was vor allem bei der zweiten Gruppe überraschte. Offenbar hat das Ausloben eines Bonus die Wirkung der Gespräche zunichte gemacht. Die Erklärung ist so einfach wie nachvollziehbar. Die Forscher werteten die Gespräche in den beiden ersten Gruppen aus und stellten fest, dass in der ersten Gruppe offen über Probleme und Lösungen gesprochen wurde, in der zweiten Gruppe hingegen so gut wie gar nicht.

Geld verdirbt den Charakter

Der Schluss lautet: Sobald Geld im Spiel ist, leiden Offenheit und Authentizität der Führungsgespräche. Einleuchtend, oder? Der Marktleiter denkt dann: „Ich gebe lieber nicht zu, dass wir Probleme in dem Bereich A oder B haben, denn am Ende wird mir daraus ein Strick gedreht und der Bonus gekürzt.“ Diese Erkenntnis, so der Forscher, gilt über alle Unternehmen hinweg: „Sobald Geld im Hintergrund ist, wird die Natur des Austausches beeinflusst.

Deshalb ist die Idee, Entwicklungs- und Gehaltsgespräch zu trennen, im Ansatz sicher richtig, aber nicht zu Ende gedacht. Wenn schließlich doch die Leistung bewertet und ein Bonus von dieser Bewertung abhängt, dann lässt sich das im Kopf sicher nicht trennen – weder beim Mitarbeiter noch beim Vorgesetzten.

Eine weitere Studie

Die zweite Studie betrachtete die Wirkung von Anwesenheitsprämien für Azubis. Hier führte der Bonus direkt zum Gegenteil der erhofften Wirkung: Die Gruppe, bei denen jene, die Geld dafür bekamen, wenn sie nicht fehlten, wies höhere Fehlzeiten auf als diejenigen, die keinen Anwesenheitsbonus in Aussicht gestellt bekamen. Die Erklärung: Der Bonus legitimierte die Abwesenheit. Weil man ja eigentlich davon ausgeht, dass man für sein Gehalt auch zu erscheinen hat, wird jetzt die Botschaft verstanden: Es ist nicht selbstverständlich, regelmäßig zu erscheinen, deshalb gibt es dafür zusätzlich…

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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