REZENSION: Christopher Rauen (Hrsg.) – Handbuch Coaching (4., vollst. überarb. u. erw. Aufl.) Hogrefe Verlag 2021.
Eine Überraschung: Ein erfolgreiches Handbuch, das in der dritten Auflage (2005) vorliegt, wird nach 15 Jahren in die vierte Auflage gebracht. Das hätte sicher früher geschehen können – und vielleicht auch sollen. Die spannende Frage drängt sich daher auf: Was unterscheidet die dritte von der vierten Auflage? Der erste Blick offenbart einen Anstieg in der Kapitelanzahl (von 23 auf 30) und im Umfang, was auch an einem neuen zweiten Teil „Forschung“ liegt. Die anderen Teile, Grundlagen, Konzepte und Praxis, finden sich auch schon in der dritten Auflage. Zudem gibt es etliche Veränderungen im Kreis der Autoren.
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Weil es in den vergangenen Jahren glücklicherweise einen kleinen Forschungsboom gegeben hat, ist der neue Teil „Forschung“ im Handbuch mehr als gerechtfertigt. Und, um es vorwegzunehmen: Er ist durch die Bank erstklassig! Es werden wichtige Forschungserkenntnisse, die zumeist in wissenschaftlicher Literatur und damit jenseits des Radars des breiten Publikums veröffentlicht werden, nun für Praktiker zugänglich. Und das – wie Altmeister Siegfried Greif als auch Nachwuchsforscher Carsten Schermuly zeigen – auf eine sehr leserzentrierte Art. Denn die Praktiker, ob nun auf Ausbilder- oder Lernerseite, sind die Zielgruppe dieses Buchs – neben den Experten aus dem Personalbereich. Aber auch der akademische Nachwuchs, der sich mit dem Feld Coaching vertraut machen möchte, ist mit diesem Standardwerk gut bedient.
Die Agenda
Weil sich seit dem Jahr 2005 inzwischen so einiges sortiert hat, hat der Herausgeber dankenswerterweise die Themen gestrafft und eingeordnet. Der erste Teil „Grundlagen“ manövriert die Leserschaft genau durch die Basics: Historische Perspektive, Varianten des Coachings, Coach-Kompetenzen, Coaching-Weiterbildungen und Qualität im Coaching. Themen, die man auch an anderer Stelle, beispielsweise im Coaching-Kompendium des DBVC (https://www.dbvc.de/standards), aber auch in Publikationen des Herausgebers selbst finden kann. Da gibt es wenig Neues. Highlight in diesem ersten Teil ist eindeutig der Beitrag „Digitales Coaching“ von Stella Kanatouri. Die Lektüre ist ein absolutes Muss.
Der dritte Teil „Konzepte“ macht eher einen heterogenen Eindruck, weil er zunächst eine methodische Perspektive aufmacht. Alica Ryba diskutiert psychotherapeutische Ansätze auf dem Hintergrund der neurowissen…
