18. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Lesenswerte Neuauflage

REZENSION: Christopher Rauen (Hrsg.) – Handbuch Coaching (4., vollst. überarb. u. erw. Aufl.) Hogrefe Verlag 2021.

Eine Überraschung: Ein erfolgreiches Handbuch, das in der dritten Auflage (2005) vorliegt, wird nach 15 Jahren in die vierte Auflage gebracht. Das hätte sicher früher geschehen können – und vielleicht auch sollen. Die spannende Frage drängt sich daher auf: Was unterscheidet die dritte von der vierten Auflage? Der erste Blick offenbart einen Anstieg in der Kapitelanzahl (von 23 auf 30) und im Umfang, was auch an einem neuen zweiten Teil „Forschung“ liegt. Die anderen Teile, Grundlagen, Konzepte und Praxis, finden sich auch schon in der dritten Auflage. Zudem gibt es etliche Veränderungen im Kreis der Autoren.


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Weil es in den vergangenen Jahren glücklicherweise einen kleinen Forschungsboom gegeben hat, ist der neue Teil „Forschung“ im Handbuch mehr als gerechtfertigt. Und, um es vorwegzunehmen: Er ist durch die Bank erstklassig! Es werden wichtige Forschungserkenntnisse, die zumeist in wissenschaftlicher Literatur und damit jenseits des Radars des breiten Publikums veröffentlicht werden, nun für Praktiker zugänglich. Und das – wie Altmeister Siegfried Greif als auch Nachwuchsforscher Carsten Schermuly zeigen – auf eine sehr leserzentrierte Art. Denn die Praktiker, ob nun auf Ausbilder- oder Lernerseite, sind die Zielgruppe dieses Buchs – neben den Experten aus dem Personalbereich. Aber auch der akademische Nachwuchs, der sich mit dem Feld Coaching vertraut machen möchte, ist mit diesem Standardwerk gut bedient.

Die Agenda

Weil sich seit dem Jahr 2005 inzwischen so einiges sortiert hat, hat der Herausgeber dankenswerterweise die Themen gestrafft und eingeordnet. Der erste Teil „Grundlagen“ manövriert die Leserschaft genau durch die Basics:

Historische Perspektive, Varianten des Coachings, Coach-Kompetenzen, Coaching-Weiterbildungen und Qualität im Coaching. Themen, die man auch an anderer Stelle, beispielsweise im Coaching-Kompendium des DBVC (https://www.dbvc.de/standards), aber auch in Publikationen des Herausgebers selbst finden kann. Da gibt es wenig Neues. Highlight in diesem ersten Teil ist eindeutig der Beitrag „Digitales Coaching“ von Stella Kanatouri. Die Lektüre ist ein absolutes Muss.

Der dritte Teil „Konzepte“ macht eher einen heterogenen Eindruck, weil er zunächst eine methodische Perspektive aufmacht. Alica Ryba diskutiert psychotherapeutische Ansätze auf dem Hintergrund der neurowissenschaftlichen Forschung der letzten Jahrzehnte und stellt ihr integratives Coaching-Modell vor. Die Rezeption dieser Wissensbasis ist der neue Benchmark und dürfte für viele noch auf der Agenda stehen. Jürgen Kriz zeigt im Anschluss, welche Anforderungen systemisches Coaching erfüllen muss, wenn es nicht bloß ein modisches Etikett sein will. Ebenfalls ein absolutes Lese-Muss stellt der Beitrag von Gunther Schmidt zum Hypnosystemischen Coaching dar. Beide machen deutlich, was das nun praktisch heißt, in dieser neurowissenschaftlich fundierten Liga zu spielen.

Oder: der rote Faden

Doch ab dann verliert man den roten Faden, weil die Themen Karriere-Coaching, Interkulturelles Coaching, Konflikt-Coaching doch eher auf die thematische Ebene zielen. Lediglich der Beitrag von Ulrich Dehner (Introvision-Coaching) knüpft wieder an der methodischen Eingangsbetrachtung an.

Im letzten Teil „Praxis“ geht es eigentlich wieder um Basics: Prozesse und Tools im Coaching oder Coach-Auswahl in Unternehmen. Das hätte auch unter „Grundlagen“ auftauchen können. Denn bei den sich nun anschließenden Themen Coaching im Mittelstand (Cornelia Seewald), von Unternehmern (Angelika Leder) oder Top-Managern (Dorothea Assig & Dorothee Echter) und Top-Management-Teams (Ulrike Wolff & Bernd Wanner) stehen spezielle Zielgruppen im Vordergrund. Insbesondere die letzten drei Beiträge sind absolut lesenswert. Auch deshalb, weil die Autorinnen ihre Themen schon zur dritten Auflage beigetragen haben. So offenbart die Lektüre auch die konsolidierte Erfahrung und Weiterentwicklung in diesen Feldern.
Damit reiht sich das Handbuch Coaching wieder in die Bücher-Top-Ten ein, aus der die dritte Auflage dann mit der Zeit doch herausgefallen war.

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