21. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Radikal anders

INSPIRATION: Was passiert wohl, wenn man den Kreativen nahezu völlig freie Hand lässt und diese offenbar gegen jede bislang geltende Norm verstoßen? IKEA hat es riskiert und in Wien ein neues Einrichtungshaus gebaut, das auf den ersten Blick so gar nichts gemeinsam hat mit den bekannten blauen Klötzen.

Die Geschichte fasziniert mich aus zwei Gründen. Zum einen glaube ich, dass der Zusammenhang zwischen Organisationskultur und Architektur sehr groß, aber auch komplex und vielschichtig ist. Und dass deshalb ein Gebäude erheblichen Einfluss auf die Menschen hat, die es nutzen. Zum anderen beeindruckt mich die Radikalität und Konsequenz, mit der der schwedische Möbelkonzern bei dem vorgestellten Projekt vorgegangen ist (Hej!).


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Natürlich haben unternehmerische Entscheidungen immer etwas mit dem Geschäft zu tun. Und im Fall der Möbelhäuser macht sich offenbar bemerkbar, dass der Online-Handel auch hier die Geschäftsmodelle verändert. Warum noch mit dem eigenen Auto auf die grüne Wiese vor der Stadt fahren und es voll packen bis unters Dach, wenn man das auch alles bequem geliefert bekommen kann? Warum nicht lieber mitten in der Stadt in ansprechendem Ambiente herumschlendern, sich entscheiden und sich die Ware bringen lassen? Die Zeiten ändern sich nun mal. Aber kann man sich einen IKEA-Laden der üblichen Art mit riesigen Hallen und Parkplatzwüsten mitten in der Stadt vorstellen?

Experiment in Wien

In Wien hatte das Unternehmen die einmalige Chance, ein Grundstück in idealer Lage erwerben zu können, in der Nähe einer Einkaufsmeile und zahlreicher Straßenbahn- und U-Bahn-Stationen. Aber natürlich viel zu klein für die üblichen fabrikartigen Quader samt Parkplatzflächen. Man startete einen Ideenwettbewerb mit neun Architekturbüros, darunter erfahrene Fachleute in Sachen Handelshäuser, Stararchitekten und ein lokales Büro, das noch nie ein Kaufhaus geplant hatte. Die Vorgabe: „Wir wollen ein guter Nachbar sein“ mit dem ergänzenden Hinweis: „Radikale Vorschläge sind ausdrücklich erwünscht.“

Die Jury entscheidet sich für die Wiener Architekten, was die meisten überraschte, aber diese selbst gar nicht so unlogisch finden. Von Fachleuten, die schon zig solcher Häuser errichtet haben, kann man kaum etwas radikal Neues erwarten. Das kommt eher von jenen, die noch nie ein solches Objekt geplant haben. Wer „sich das erste Mal einer Aufgabe stelle, sei sehr viel neugieriger als Routiniers …“ Schon mal ein guter Hinweis für alle, die Innovatives von Experten erwarten …

Die Architekten hatten ungewöhnliche Freiräume. Üblicherweise möchte ein Unternehmen natürlich seine Marke abgebildet sehen, Gebäude bieten sich da gerade zu an, vor allem bei IKEA ist der Wiedererkennungseffekt natürlich groß und wichtig. Was dort in Wien entstand, hat aber nichts mit den üblichen Hallen zu tun. Eine grüne, bewachsene Fassade, die beiden oberen Stockwerke beherbergen ein Hotel, das auch nach Ladenschluss für Publikumsverkehr sorgt. Im Erdgeschoss gibt es Ladenlokale für einen Bäcker und einen Frisör, die auch vorher schon dort ihr Geschäft betrieben – das deutet darauf hin, dass das mit der guten Nachbarschaft ernst genommen wurde. Und im Lager gibt es aus Platzmangel nur die Kleinprodukte, die man zu Fuß oder mit einem Leih-Lastenrad transportieren kann. Alles andere wird per Elektro-LKW innerhalb von drei Tagen geliefert.

Die Nachbarn sind begeistert und nutzen die Logenplätze auf der Dachterrasse mit Ausblick für ihre Mittagspause. Wer hätte das gedacht …

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