17. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Richtig streiten

INSPIRATION: Als Eigenschaft wird Konfliktfähigkeit gerne in Stellenausschreibungen gefordert. Aber jede Wette, dass diejenigen, die so etwas verlangen, sich schwertun zu beschreiben, was sie genau darunter verstehen? Hier kommen die sieben Merkmale nach Schulz von Thun, bei denen sowohl die eigenen als auch die Bedürfnisse des anderen Berücksichtigung finden.

Denn darum geht es letztlich: Konfliktfähig ist nicht nur derjenige, der Auseinandersetzungen gut aushält und seine Position offen und klar vertritt. Sondern auch derjenige, der mit seinen Äußerungen eine mögliche Kränkung des anderen vermeidet.


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In einem Beitrag in der Zeitschrift für Konfliktmanagement (Konfliktfähigkeit oder Kann man „richtig streiten“ lernen?) werden diese sieben Merkmale nach Schulz von Thun erläutert.

7 Merkmale der Konfliktfähigkeit

  1. Trennschärfe: Es geht um die Wahrnehmung und Akzeptanz der Andersartigkeit. Persönlichkeiten unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen und Werten, hieraus ergeben sich per se Reibungspunkte. Wir trauen uns aber oft nicht, die Bedürfnisse offen anzusprechen, weil wir fürchten, die Beziehung zu zerstören. Entweder suchen wir aus dem Bedürfnis nach Harmonie heraus die Schuld für unsere eigenen unerfüllten Bedürfnisse bei uns selbst. Oder aber agieren nach dem Motto „richtig oder falsch“, „gut oder böse“ – wobei man sich selbst im „Recht“ fühlt.
    Es gilt, Freude an der Unterschiedlichkeit zu entwickeln und die Bedürfnisse und Werte gleichrangig nebeneinander stehen zu lassen. Dazu muss man sie „unerschrocken wahrnehmen und mutig benennen können.“
  2. Aushalten und Einstecken: Wir haben alle unsere roten Knöpfe, unsere „Triggerpunkte“. Diese wunden Punkte haben ihre Geschichte und sind mit unangenehmen Gefühlen wie Traurigkeit, Angst, Hilflosigkeit oder Ohnmacht verbunden. Sich mit ihnen bewusst auseinander zu setzen, gnädig mit sich selbst zu sein und zuzulassen, dass man fehlbar ist und so auf Kritik gelassen reagieren zu können nach dem Motto: „Stimmt, ich habe tatsächlich in der Situation empfindlich reagiert …“ ist die Herausforderung.
  3. Wahrhaftigkeit und Wehrhaftigkeit: Hierzu gehört, einerseits das eigene Anliegen klar ausdrücken zu können als auch es so zu formulieren, dass wir andere nicht unnötig verletzen. Schulz von Thun empfiehlt hier die „ehrenwerte Unterstellung„. Wenn ich jemanden kritisiere, ihm keine böse Absicht unterstelle, sondern von einem positiven Grund ausgehe: „Vermutlich war die Frist zu knapp angesetzt, um deinen Teil rechtzeitig abzuliefern!“
  4. Empathie und Verständnis: Hier unterscheidet Schulz von Thun drei aufeinander aufbauende Stufen: VerstehenVerständnis Einverständnis. Wichtig ist bei einem aufkommenden Konflikt, nicht zu schnell in das Verständnis „abzurutschen“, sondern sich auf das Verstehen zu konzentrieren.
  5. Systembewusstsein: Es geht darum, die Situation richtig analysieren zu können: Ist der Gegenüber überhaupt der richtige „Partner“ in dem Konflikt? In welcher Beziehung stehe ich zu ihm? Liegt überhaupt ein Konflikt vor? Wenn ja: auf welcher Eskalationsstufe befindet er sich? „Nicht jede Beziehung hält einem Klärungsgespräch stand.“ – man denke nur an Mitarbeiter und Führungskraft.
  6. Ordnende Hand: Gemeint ist, in einem Konflikt die Übersicht zu behalten und die Struktur hineinbringen zu können. Sowie die dazu gehörigen Moderationskompetenzen zu besitzen. Wenn beide Parteien zu stark involviert sind, gehört dazu auch die Bereitschaft, externe Hilfe hinzuzuziehen.
  7. Metakommunikation: Das Reden über das Reden, also die Fähigkeit, den Konflikt und das Verhalten aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten und sich zu verständigen, wie man miteinander im Konflikt umgeht.

Die Oberbegriffe finde ich nicht sonderlich sprechend, aber inhaltlich wird schon sehr klar, was Menschen auszeichnet, die Konfliktsituationen gut bewältigen.

Fazit

Mir werden damit zwei Dinge klar: Der Begriff Konfliktfähigkeit ist (ähnlich dem der Teamfähigkeit) eigentlich wenig aussagekräftig oder wertlos. Man muss schon wesentlich genauer hinschauen. Zum anderen: Vieles davon ist lernbar, die einzelnen Fähigkeiten können durchaus geübt und trainiert werden. Wenn man denn möchte …

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