13. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Roter Knopf

PRAXIS: Kollegen, die patzig werden oder die Zusammenarbeit komplett boykottieren, können ganze Teams sprengen. Viele Führungskräfte sind damit überfordert, manche rufen nach der Personalabteilung. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, vorzubeugen oder rechtzeitig einzuschreiten. Kommunikation heißt der Schlüssel.

Die Beispiele in der Wirtschaftswoche sind ziemlich praxisnah (Werden Sie auch sabotiert?): Ein Kollege wird immer unleidlicher, reagiert gereizt und verweigert Aufgaben. Eine andere fällt ständig wegen starker Rückenschmerzen aus und nervt anschließend alle Kollegen mit ihren Klagen und umfangreichen Erklärungen über ihre Krankheit, was die Stimmung im Team ebenfalls vermiest.


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Einfache Botschaft der Experten: Kein Verhalten, auch das hier geschilderte, geschieht ohne Grund, dahinter stecken bestimmte Motive, die bis weit in die Kindheit zurückreichen können – und die andere in der Regel gar nicht ahnen geschweige denn kennen werden. Eben die berühmten „roten Knöpfe“. 

Im zweiten Fall mag man mit ein wenig Menschenkenntnis noch eine Idee haben: Wer so oft ausfällt, der fürchtet, für einen Simulanten oder Drückeberger gehalten zu werden (was ihm vielleicht auch schon genau so passiert ist), und versucht deshalb, wortreich zu begründen, wie schlimm es jedes Mal um ihn steht. 

Im ersten Fall war die Sache komplizierter. Die Kollegen hatte ein neues Büro bezogen, und das lag direkt neben dem der Firmeninhaber. Wenn sie nun aus ihrer Tür trat, hörten die Kollegen das Geräusch und verstummten – in der Annahme, es sei einer der Inhaber. Sie registrierte, dass, wann immer sie ihr Büro verließ, die Gespräche abrupt abbrachen, und fühlte sich (verständlicher Weise) ausgeschlossen. Ein Gefühl, das sie aus ihrer Kindheit böse in Erinnerung hatte und daher ihre empfindlichste Stelle berührte.

Die Lösung für solche Situationen scheint erst einmal ziemlich einfach: Würden die Kollegen sich gegenseitig ihre „roten Knöpfe“ verraten, könnten andere ihr Verhalten richtig einordnen. Und immer dann, wenn jemand empfindlich reagiert, nachhaken, ob man vielleicht gerade einen solchen Knopf gedrückt hat. Das aber setzt voraus, dass man seine empfindlichen Stellen kennt. 

Nun wird man kaum alle Mitarbeitenden erst einmal zum Therapeuten schicken, um ihnen die Möglichkeit zu geben, diese Stellen zu entdecken. Andererseits: So wie in dem Beitrag beschrieben, muss dann irgendwann doch externe Hilfe in Anspruch genommen werden, eine Mediatorin zum Beispiel, die die Beteiligten unterstützt, das Geschehen zu verstehen. Je nachdem, wie viel Porzellan bis dahin schon zerschlagen wurde, wird das mitunter ziemlich schwierig bis unmöglich

Daher könnte es durchaus helfen, frühzeitig auch über Emotionen zu sprechen. Eine Möglichkeit ist der Check-in, eine kurze Runde zu Beginn eines Team-Meetings, in der jeder seine aktuelle Befindlichkeit äußert. Da könnte schon deutlich mehr Verständnis füreinander entstehen. 

Die andere Möglichkeit wäre, dass man durchaus einmal in einem geschützten Rahmen – z.B. mit externer Moderation – die Frage bearbeitet: „Was mich auf die Palme bringt…“ Selbst wenn die Teammitglieder nicht genau sagen können, woher die Gereiztheit kommt, so hilft das durchaus, überraschende Reaktionen zu verstehen und, wenn sie auftreten, auch zu thematisieren. Und vielleicht steuern die Kollegen sogar weitere Situationen bei (auf die Frage: „Was dich auf die Palme bringt…„), die dem Betreffenden so gar nicht bewusst sind. Könnte spannend und sogar unterhaltsam sein.

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