24. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Selbstorganisation: Go with the flow

INSPIRATION: Die Coaching-Praxis gleicht oftmals einem „Schiffe versenken im Nebel“. Das Vorgehen erscheint oft willkürlich. Was wäre eine überzeugende logische Struktur, die die handelsüblichen Phasenmodelle nicht liefern können?

Systemische Ansätze im Coaching kommen hierzulande oft maximal pragmatisch daher, so dass man sich fragen kann, was daran nun systemisch sei. Andererseits bezieht man sich gerne auf die Theorie Sozialer Systeme in der Tradition von Niklas Luhmann. Die erscheint nicht nur recht sperrig, sondern – bei genauerer Betrachtung – passt sie auch für Coaching nicht. Denn Soziale Systeme bestehen für Luhmann aus Kommunikationen als deren Elementen. Der physische Organismus, die Psyche und das soziale System sind für ihn operational geschlossene Systeme: bloß Umwelten füreinander.


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Synergetik

Genau das Gegenteil behauptet Jürgen Kriz (Subjekt und Lebenswelt). Sein Ansatz beschreibt das Zusammenwirken von vier Ebenen: Leib, Psyche, Interaktion und Kultur. Er bezieht sich bei seiner Argumentation auf die Synergetik in der Tradition von Hermann Haken. Und genau auf diese, hierzulande leider nicht so bekannte Grundlage bezieht sich auch Autor Marcus Hausner (Synergetisches Prozessmanagement).

Den Ausgangspunkt bildet die Selbstorganisation als Prinzip des Lebendigen. Und diese entsteht auf der Mikroebene und pflanzt sich fort auf die Makroebene: Muster, Ordnungen entstehen. Solche Musterbildungen wirken auf die Mikroebene limitierend zurück. Wie Musterwechsel gelingen können, ist daher eine entscheidende Frage – eben auch fürs Coaching. Alle „Probleme“, auf die wir da treffen, sind Ergebnis von Musterbildungen, von Denk-, Fühl- und Verhaltensprogrammen, die sich geschichtlich entwickelt haben. Aber eben nicht frei evolutionär, sondern auch mächtig gebahnt und limitiert durch Makromuster wie Kultur, Sprache, Kontexte.

Wie gelingen Musterwechsel?

Lässt man sich auf diese (System-)Theorie ein, stellt sich schnell die Frage: Wie können wir einen guten Musterwechsel beispielsweise im Coaching bewirken? Autor Hausner bezieht sich auf acht generische Prinzipien zur Ermöglichung von Selbstorganisation, die aus der Synergetik stammen:

  1. Stabilitätsbedingungen schaffen – insbesondere auf der Beziehungsebene
  2. Muster identifizieren – Denk-, Fühl- und Verhaltensprogramme
  3. Sinnbezug herstellen – Metarahmen wie Werte und Visionen entdecken
  4. Energetisierung ermöglichen – an welchen Kontrollparametern (Motivation, Ressourcen) kann angesetzt werden?
  5. Destabilisierung anregen – gezielt Impulse für Veränderungen geben
  6. Kairos (den richtigen Augenblick) erkennen – die Resonanz beachten, Synchronisieren
  7. Symmetriebrechung ermöglichen – Ordnungsübergänge erkennen und Anstupser geben
  8. Re-Stabilisierung sichern – Umsetzungsunterstützung durch Feedback, Vereinbarungen, Spielregeln

„Die generischen Prinzipien dienen dem Zweck, die Auswahl spezieller Techniken und Methoden zu organisieren und zu begründen.“ Oder bringen wir das mal in folgendes Bild: In meiner Wahrnehmung gleicht die Coaching-Praxis oftmals einem „Schiffe versenken im Nebel“. Das Vorgehen erscheint mir oft willkürlich. Weil auch die landauf, landab kommunizierten Phasenmodelle zwar didaktisch hübsch sind, aber bloß Wunschdenken darstellen.

Oder – ich formuliere es noch drastischer – ich erkenne leider häufig stumpfe „Toolklempnerei“ nach dem Motto: „Wessen einziges Instrument ein Hammer ist, erkennt auf der ganzen Welt nur Nägel“ (Watzlawick). Mit den generischen Prinzipien der Synergetik bekommt die Praxis hingegen nicht nur einen Metarahmen, sondern auch eine logische Struktur. Autor Marcus Hausner spielt das sogleich an einem Fallbeispiel durch. Natürlich ist der theoretische Rahmen etwas anspruchsvoller als hier in Kürze dargestellt. Er verdient eine tiefere Beschäftigung und Auseinandersetzung. Der Ort dafür ist eine gediegene Weiterbildung. „Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie“, soll schon Altmeister und Erfinder der Sozialpsychologie Kurt Lewin gesagt haben.

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