PRAXIS: Ich bin ein großer Freund der Visualisierung. Wer das, was er gesagt hat, sichtbar für alle an der Wand wiederfindet, der muss nicht jedes Argument mehrfach wiederholen, um gehört zu werden. In der Konfliktklärung hilft eine strukturierte Variante, alle Beiträge sichtbar zu machen. Das gilt auch für eine Mediation.
Was man dafür benötigt: Eine Pinwand mit Papier und Post-its in verschiedenen Farben, zeichnerische Fähigkeiten sind nicht erforderlich (Strukturierendes Visualisieren in der Mediation). Auf der Pinwand kann der Weg von der Ausgangssituation bis zur Einigung noch mit einem Bild hinterlegt werden, z.B. ein Weg, der unten beginnt und am oberen Rand der Wand am Horizont in der Sonne endet – aber das ist sicher kein Muss.
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Pinwand aufteilen
Gedanklich wird die Pinwand in mehrere Bereiche unterteilt, aber nicht mit Linien versehen. Von unten nach oben gibt es vier Bereiche, entsprechend der Phasen einer Mediation. Es beginnt unten mit dem Einleitungsgespräch und der Konfliktdarstellung, darüber die Konflikterhellung, dann die Lösungssuche und ganz oben die Vereinbarung.
Das, was die Sache besonders interessant macht, sind die Kategorien, die per Piktogramm je Post-its vermerkt werden. Sie werden als Legende auf einem eigenen Blatt neben der Pinwand aufgehängt. Die Kategorien lauten:
Sichtweise (z.B. ein Auge), Information (i), Interesse/Bedürfnis (ein Herz), Frage (?) Anspruch (!), Streitthema (ein Blitz), Idee (Glühbirne), Pro (+), Contra (-), Person, Emotion, Entscheidung, Wunsch, Ziel und Rolle.
In der ersten Sitzung hat der Mediator die Erkenntnisse aus dem Einleitungsgepräch auf Post-its mitgebracht und im unteren Bereich aufgehängt. Jedes Post-it ist mit dem passenden Piktogramm gekennzeichnet. Dabei besteht die Kunst darin, die getätigten Äußerungen kurz so zusammenzufassen, dass sich die jeweilige Partei darin wiederfindet.
Wichtig ist, vorab deutlich zu machen, dass es Sichtweisen gibt (also spezifische Standpunkte einzelner Parteien, die von anderen nicht geteilt werden) und Informationen (ausschließlich solche Dinge, über die Einigkeit herrscht). Auch ganz hilfreich: Bei den Ideen sollte nicht erkennbar sein, von wem sie stammen.
