12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Tote Legende

INSPIRATION: Die Manager-Legende Jack Welch ist tot, in der Wirtschaftswoche gibt es einen Nachruf von Reinhard Sprenger. Tenor: Der als „Manager des Jahrhunderts“ gefeierte Welch (Fortune 1999) war ohne Zweifel extrem erfolgreich, hat aber in seiner Einseitigkeit vieles übersehen. Und seine Führungsphilosophie hat sich längst überlebt  (Wetterfahne des Shareholdervalue).

Sein Erfolg drückt sich in beeindruckenden Zahlen aus: Den Umsatz von GE in 20 Jahren verfünffacht, den Aktienkurs um bis zu 2.700 Prozent gesteigert. Und Erfolg in der Wirtschaft macht sich nun mal an Dingen wie Gewinn und Aktienkursen fest. Sein Erfolgsrezept? „Klarheit und Konsequenz:“ Unternehmensbereiche wurden verkauft, wenn sie in ihrer Branche nicht zu den Top 3 gehörten, Null-Fehler-Toleranz (Six Sigma), die leistungsschwächsten 10% der Mitarbeiter wurden gefeuert. „Er befreite das Unternehmen von Managementfirlefanz, mistete Traditionen aus und schnitt die Bürokratie zurück.“ Sein Lieblingsfeind: Transaktionskosten. Letztlich ging es um Kostenreduktion, Gewinn und Gewinnen.

Wo gewonnen wird, gibt es auch Verlierer. Laut Sprenger „ignorierte er Humanität, Entwicklung, Relatives und Qualitatives.“ Manager aber müssen, erst recht in der heutigen Zeit, „Mehrdeutigkeiten anerkennen, Alternativen zulassen.“ War zumindest damals offenbar nicht so dringlich.

Einseitige Mode

Es ist ein bisschen so wie beim Taylorismus. Immer wieder mal kommen neue Modelle auf den Markt, die die Wirtschaftswelt umkrempeln. Frederick Winslow Taylor entwickelte die Vorstellung der Trennung von Kopf und Hand: Die einen (Manager) denken, die anderen (Mitarbeiter) führen aus. Die Arbeitsteilung sorgte für wesentlich effizientere Prozesse und machte Unternehmer reich. Welchs Fokus auf alles, was Gewinn bringt und die Ausmerzung von allem, was überflüssige Kosten erzeugt, machte Aktionäre reich.

Dass dabei andere Werte vernachlässigt werden, ist nachvollziehbar. Wie Sprenger schreibt: „Einseitigkeit erschöpft sich …“ Interessant ist ja, dass diese Einseitigkeit, ob nun von Taylor oder Welch, so große Wirkung erzielte. Weil sie ja etwas Bestechendes hat: Eben Klarheit und Konsequenz. Man muss einige wenige klare Regeln befolgen, und dann „gewinnt man“. Ob das auch für den nächsten „Manager des Jahrhunderts“ gelten wird? Welches Prinzip könnte ähnliche Verbreitung finden? Woran wird der Jahrhundert-Manager gemessen? Weiterhin am Gewinn für Unternehmer und Aktionäre? Hatten wir schon. Könnte es dann etwas anderes sein, z.B. Nutzen für das Gemeinwohl? Nur so ein Gedanke …

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