KRITIK: Viele Unternehmen bezahlen ihren Mitarbeitern ein Coaching. Mehr noch: Sie bieten Coaching als Personalentwicklungsmaßnahme an. Bei der Auswahl von Coachs gibt es allerdings deutliche Unterschiede, was die Kriterien angeht. Nach einer Umfrage unter 257 Entscheidungsträgern (Wie wählen Unternehmen Coaches aus?), die Fragen online beantworteten, spielt der Ruf des Coachs die größte Rolle. Ähnlich wichtig sind Empfehlungen durch Dritte, gezielt eingeholte Referenzen und die früheren Auftraggeber des Coachs.
Bedeutet: Für wen der Coach schon mal gearbeitet hat und wie er von anderen gesehen wird, hat einen großen Einfluss. Einen hohen Stellenwert hat auch die Berufserfahrung des Coachs. Damit ist weniger seine Erfahrung als Coach gemeint als diejenige, die er in seinem „früheren“ Berufsleben gemacht hat. Noch vor der Coaching-Erfahrung rangieren die Lebenserfahrung (wobei ich mich frage, wie man die wohl erfasst – vielleicht wird sie am Alter festgemacht?) und eine breite Branchenerfahrung. Was die Kompetenzen betrifft: Hier liegt Beratungskompetenz vor Methodenkompetenz, mit etwas Abstand folgen Coaching Ausbildung und Fachwissen Psychologie.
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Bleibt die Frage, wie die Unternehmen die genannten Kriterien messen. Am häufigsten genannt wurden Referenzen, Dienstleistungsspektrum und Arbeitsbeispiele, die über schriftliche Unterlagen erfasst werden. Ähnlich sieht es mit einer zertifizierten Coachingsausbildung aus. Im persönlichen Kennenlernen sind die Selbstpräsentation und das teilstrukturierte Interview die häufigsten Methoden. Insgesamt ergaben sich einige deutliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Unternehmen. Größere legen z.B. mehr Wert auf einen Coaching-Ausbildung, führen häufiger teilstrukturierte Interviews und verlangen häufiger Arbeits- oder Projektbeispiele oder verwenden häufiger einen eigenen Kriterienkatalog.
Was folgt aus all dem?
Die Autoren im Coaching-Magazin ziehen diese Schlussfolgerungen:
- Eine Coaching-Ausbildung ist vielen Unternehmen zwar schon wichtig, stellt aber kein zwingendes Kriterium dar. Demnach ist es offenbar noch nicht gelungen, „in den Unternehmen eine Coaching-Konzeption zu etablieren, die primär auf einer fachlich-methodischen Expertise basiert.“
- Es werden demnach vor allem solche Coachs ausgewählt, die über besonders gute Fähigkeiten des Selbstmarketings verfügen oder bei ihren Kunden für gute Stimmung sorgen (und dann weiter empfohlen werden).
Die Autoren gestehen zwar ein, dass es nicht ganz so düster aussieht (das Glas sei durchaus halbvoll), aber das Ziel sollte sein, noch mehr Wert auf die methodisch-fachlichen Kompetenzen zu schauen und auf entsprechende Auswahlmethoden – vorrangig wohl (teil-)strukturiert…
