21. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Überkorrektur

INSPIRATION: Misserfolg ist ein besonders guter Lehrmeister. Wobei das vor allem dann gilt, wenn wir vorher von einer Sache besonders überzeugt waren, dann aber eines Besseren belehrt werden. Der Grund dafür ist der „Hypercorrection-Effekt“.  Behauptet der Neurobiologe Henning Beck in seiner Kolumne in der Wirtschaftswoche (Diese Insel werden Sie nie vergessen). Der Titel rührt aus einem Experiment. Wenn man Menschen in einem Test bittet zu sagen, welches die zweitgrößte Insel Europas ist, dann sagen wohl die meisten „Irland“. Wenn sie dann erfahren, dass es tatsächlich Island ist, dann vergessen sie das nicht mehr. Eben weil die Überzeugung zuvor besonders stark war.

Angeblich nutzen militärische Ausbilder diese Erkenntnis. Sie lassen eine Gruppe neuer Soldaten gegen eine andere Gruppe antreten. Was diese nicht wissen: Die andere Gruppe sind Elite-Soldaten, sodass die Niederlage verheerend ausfällt. Und zwar so verheerend, dass man erst gar nicht auf die Idee kommt, die Schuld anderen zu geben, sondern bereit ist, sich tatsächlich mit seinen Fehlern auseinander zu setzen. Dann, so Beck, sei die Lernkurve besonders steil.


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Ich erinnere mich an zwei Dinge. Zum einen haben wir früher bei Trainings die Teilnehmer erst einmal ohne große Vorbereitung in Rollenspiele geschickt, sie alle Fehler machen lassen, die man nun mal dabei macht, und dann mit ihnen erarbeitet, wie es besser geht. Irgendwann fand ich das ziemlich unsinnig. Warum erst das falsche Verhalten zeigen lassen, warum nicht gleich ausprobieren, wie es besser geht? Weil ich der Überzeugung war und bin, dass man am besten lernt, wenn man es sofort richtig gezeigt bekommt. Dachte ich übrigens auch, als man meinem Kind in der Grundschule zuerst erlaubte, so zu schreiben, wie es das nach dem Klang des Wortes für richtig hielt. Um es dann nach und nach richtig zu lernen. Hat nicht wirklich geklappt.

Was stimmt denn nun? Vielleicht liegt die Erklärung eben in dem Erlebnis der gravierenden Niederlage. Dazu ein anderes Erlebnis: Ich moderierte eine Veranstaltung in Englisch und schrieb das Wort „loose“ ans Flipchart. Ein Teilnehmer machte mich darauf aufmerksam, dass man „verlieren“ mit einem o schreibt. Ich zögerte, weil ich seltsamerweise sehr sicher war, dass dies nicht stimmte (locker = loose). Bis jemand sagte: „Sie schreiben es besser mit einem o, der Kollege ist Muttersprachler, er wird es wissen!“ Nie wieder werde ich „verlieren“ mit zwei o schreiben.

Die Frage ist nun: Kann man solche Situationen auch in Trainings nutzen? Vermutlich schwierig, oder? Man müsste Teilnehmer in Situationen führen, in denen sie Fehler machen und sich dabei ganz sicher sind, dass sie „im Recht“ sind. Und dann sie mit der korrekten Lösung konfrontieren oder sie das falsche Verhalten analysieren lassen. Lässt sich vermutlich nicht auf viele Lerninhalte übertragen. Ich wäre sehr an konkreten Beispielen aus der Erfahrung von Praktikern interessiert.

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