13. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Von Gurken und Trauben

INSPIRATION: Freundschaft ist etwas Feines, Kollegialität auch. Selbstorganisation liegt im Trend, und die Experimente dazu machen Mut. Aber wenn es ums Geld geht, wird die Sache schwierig. Und so gerne wir auch mehr Entscheidungsspielraum hätten und mehr Flexibilität in Sachen Arbeitszeit und Work-Life-Balance – beim Gehalt geraten Freundschaft, Kollegialität und Selbstbestimmung ins Schwanken.

Das Gedankenexperiment dazu ist einfach: Wir bekommen einen Job angeboten, bei dem wir weitaus mehr Freiraum haben als auf unserer alten Stelle. Die Tätigkeit erscheint uns höchst sinnvoll, das Management nimmt es auch mit den Arbeitszeiten nicht so genau, das heißt, solange wir unsere Leistung bringen, schaut niemand auf die Stundenzahl. Und wenn es uns passt, können wir auch von zu Hause oder unterwegs arbeiten.

Dafür sind viele Menschen bereit, auf einen Teil des Gehaltes zu verzichten, was bedeutet, dass wir, bei gleicher Leistung, die genannten „Annehmlichkeiten“ praktisch als Gehaltsbestandteil, als Teil des Lohnes, betrachten und deshalb durchaus auch auf Euros oder Dollar verzichten würden. Angeblich, so Autor Mischa Täubner (Wovon leben wir morgen?), gilt das für 90% der amerikanischen Arbeitnehmer, sie würden im Schnitt 23% weniger Einkommen in Kauf nehmen.

Ein Gedankenspiel

Nun spinnen wir mal weiter: Wir nehmen mit Begeisterung die neue Stelle an und der Job erfüllt genau ihre Erwartungen. Wir müssen nicht mal auf Gehalt verzichten, der Arbeitgeber kann das Gleiche zahlen wie der vorherige. Was könnte dann unser Glück noch trüben?

Ganz einfach: Wir stellen irgendwann fest, dass der Kollege, der mit uns eingestellt wurde, offenbar besser verhandelt hat und deutlich mehr Geld für die gleiche Tätigkeit bekommt. Sonst hat sich nichts geändert – lediglich das Wissen darum, dass es offenbar Kollegen gibt, die mehr als wir auf dem Gehaltszettel stehen haben. Würde das unser Glück über die neue Stelle trüben? Mit Sicherheit, wie dieses ziemlich bekannte und höchst unterhaltsame Experiment zeigt:

Hier bekommt der eine Affe eine Stück Gurke, womit er sehr zufrieden ist. Doch dann stellt er verblüfft fest, dass der „Kollege“ für die exakt gleiche Tätigkeit eine Traube erhält. Seine Empörung ist gewaltig, seine Reaktion einfach umwerfend (ab Minute 1:30).

Der Anfang der Unzufriedenheit

Der Vergleich mit anderen ist das Ende vom Glück und der Anfang der Unzufriedenheit (Kierkegaard). Wir sind in unserer Ehre gekränkt, fühlen uns weniger wichtig, weniger respektiert und gewertschätzt. Mit der Folge, dass wir entweder unsere Leistung reduzieren, schlechte Laune verbreiten, schlecht schlafen, uns beim Chef beklagen und plötzlich all die Vorteile unserer schönen Stelle nicht mehr wahrnehmen.

Wa…

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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